Serien-Tipp: Masters of Sex

Masters of Sex – Von Zweien die auszogen, den Sex zu erforschen

Ihr habt es geahnt oder befürchtet: hinter dem zugegeben reißerisch klingenden Titel verbirgt sich weder eine filmische Ehr-Erweisung an die größten Pornodarsteller(innen) aller Zeiten, noch erwarten den geneigten Zuschauer olympische Bettsport-Wettkämpfe oder Superhelden mit horizontalen Spezial-Kräften– Sorry. Die von der Kritik hoch gelobte Fernsehserie Masters of Sex erzählt viel mehr die auf echten Personen und wahren Ereignissen basierende Geschichte des Gynäkologen Dr. William H. Masters und seiner Assistentin Virginia E. Johnson, die seit der Veröffentlichung ihrer auf jahrelangen Laboruntersuchungen basierenden Studie „Human sexual response“ im Jahre 1967 zu den bedeutendsten Pionieren der Sexualforschung zählen.

Also erklärt der schlaue Dr. Masters der prüden, damaligen Gesellschaft, seiner Assistentin und uns den Sex?

Nicht so ganz: wir begeben uns mit ihm auf die Forschungsreise. Und stellen schnell fest, dass auch er selbst noch einiges an Aufklärungsbedarf hat: So zeigt die von John Madden (Shakespeare in Love) inszenierten Pilotfolge, wie Masters, nachdem er – konzentriert Daten des Aktes und der körperlichen Reaktionen notierend – die Prostituierte Betty beim Beischlaf mit einem unwissenden Freier beobachtet hat, aus allen Wolken fällt, als sie ihm mitteilt, dass ihr Orgasmus nur vorgetäuscht war. Und auch der Versuch, mit seiner Frau ein Kind zu zeugen erinnert mehr an den Ablaufplan eines vorher durchgerechneten Experiments, als an Leidenschaft. Er ist nicht nur Wissenschaftler, er ist ein Kind einer anderen Zeit. Über Sex wusste man damals wenig, das was man wusste, war von Männern diktiert. Frauen, so dachte man(n), seien gar nicht in der Lage, ohne Zutun des Mannes eigenes sexuelles Begehren zu entwickeln. Es war fast unmöglich, sich als Frau zu einem Thema wie Sex Gehör zu verschaffen.

Der verkopfte, mehr als überzeugend von Michael Sheen gespielte Masters ist zu Beginn seiner Forschungen also vielleicht ein Meister der Statistiken und Laborauswertungen – wirkliches Verständnis für Sex, das was er abseits physiologischer Reaktionen bedeutet und bedeuten kann, oder weibliche Sexualität, die als damals nahezu völlig „unerforschtes Gebiet“ eine besondere Bedeutung für die Serie inne hat, hat er aber nicht. Dieses Verständnis vermittelt ihm nach und nach seine, wunderbar lässig und selbstbewusst von Lizzy Caplan dargestellte Forschungsassistentin Virginia E. Johnson, die mit ihrer weiblichen Perspektive und als emotionaler Gegenpol zu Masters schnell zu einer unverzichtbaren Partnerin bei seinen gegen alle Widerstände seiner Zeit durchgeführten, innovativen Studien wird – und bald auch das Privatleben von Kontrollfreak Masters gehörig durcheinanderwirbelt. Wie das mit dem Sex so ist – so ganz von Emotionen getrennt betrachten kann man ihn dann doch selten. :zwinker:

Eine Dramaserie über zwei Sexualforscher in den prüden 50er und 60er Jahren also. Und dann auch noch aus den nicht unbedingt für natürlichen öffentlichen Umgang mit dem Thema Sex bekannten Land des Nipplegates, in dem Nackt- und Sex-Szenen ihr hochglänzendes Dasein hauptsächlich als dramaturgisch meist nutzloses Verkaufsargument für Pay-TV-Abos fristen.

Was ist nun Masters of Sex? Heiße Erotik? Prüdes Drama? Und kann das überhaupt irgendwie gut gehen?

Es kann – und das nur nicht nur aufgrund der makellosen, grandios ausgestatteten und gefilmten Oberfläche, die den Zuschauer in ihrer Detailverliebtheit ähnlich stilbewusst wie „Mad Men“ in eine andere Zeit entführt. Der sicher nicht prüden Serie des Pay-TV-Senders Showtime gelingt das Kunststück, die durchaus zahlreich vorhandenen, ebenso expliziten wie ästhetisch anspruchsvoll gefilmten Sex-Szenen nicht zum voyeuristischen Selbstzweck verkommen zu lassen –Sex ist hier sowohl wissenschaftliches Forschungsobjekt als auch Produkt menschlicher Bedürfnisse, erzählt auch in den teils sinnlichen Bildern doch immer Relevantes. So schafft es Masters of Sex, seine starken Charaktere und Themen immer im Blick zu behalten und aus unterschiedlichen, für unsere Sehgewohnheiten teils ungewöhnlichen Perspektiven zu beleuchten. Und damit meine ich jetzt nicht den Blick durch den von Masters erfundenen Dildo mit integrierter Kamera, mit dem er erstmals die physiologischen Reaktionen innerhalb der Vagina während eines Orgasmus auf Film bannte und wohl dank der Serie aktuell auch von der Sextoy-Industrie als Geschäftsidee entdeckt wurde. :zwinker:

Was an der Oberfläche wie eine leichte, mit etwas Humor angereicherte Dramaserie erscheint, manchmal ein wenig spannungsarm wirkt und in schwächeren Momenten schon auch mal Erinnerungen an „gewöhnliche“ Krankenhausserien und Edel-Soaps weckt, lebt also nicht nur von seinen starken Darstellern, toller Inszenierung, teils skurrilen Forschungssituationen und reichlich nackter Haut, sondern hauptsächlich von den Widersprüchen und der Ironie, die beim Einblick in eine andere, von Männern dominierte, prüdere Ära entstehen. Von den verschiedenen Blickwinkeln auf die Themen Liebe und Sex. Und von den zu ihrer Zeit bahnbrechenden Forschungsergebnissen von Masters & Johnson, die bereits damals mit manch heute noch präsentem Sex-Mythos (wie zum Beispiel, dass der klitorale Orgasmus nur ein minderwertiger Orgasmus zweiter Klasse sei) aufräumten – und den Zuschauer manches Mal vermuten lassen, dass auch unsere für manchen so aufgeklärt und offen wirkende Welt vielleicht doch noch ab und an ein einiges an Aufklärung und ein wenig mehr Offenheit beim Austausch über Liebe und Sex nötig hat.

Wie gut, dass es unser Forum gibt! 😉

Kurz: Masters of Sex ist ein echter Tipp. Nicht nur für unsere foreneigenen, Umfragen-erstellenden Sexualforscher, sondern ganz allgemein für Drama-affine Serien-Gourmets mit Interesse an den Themen Liebe und Sex.

Reinschauen lohnt sich!

Deutscher Trailer:

Die ersten beiden Staffeln von Masters of Sex sind bei Amazon als Teil des Prime-Abos verfügbar – Staffel 1 gibt es im Abo auch bei Watchever und Sky Go. Die dritte Staffel hat am 16.01. ihren Deutschlandstart auf Sky Atlantic.

7 Kommentare

  1. Felicia80
    14. Januar 2016

    die serie ist wirklich klasse!auf jeden fall empfehlenswert!:jaa:

  2. Luna15
    14. Januar 2016

    Ich liebe diese Serie :whoot:

  3. lenny84
    14. Januar 2016

    Ich hab jetzt alle drei Staffeln durch und finde, sie wird permanent langweiliger.

  4. pipilotta
    14. Januar 2016

    Staffel 1+2 geschaut. Nach hinten nahm sie etwas ab. Ich schaue generell nicht viel TV, aber die habe ich mir mal reingezogen. Fand sie ganz nett.

  5. 24. März 2016

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