Razzia und „Abzocke“ Vorwürfe bei Lovoo

Gestern wurde bekannt, dass es in den Büro- und Privaträumen der Dating-App Lovoo zu einer Razia kam. Dem Unternehmen wird vorgeworfen systematisch Betrug begangen zu haben.

Seit 2011 ist die Lovoo App auf dem Markt. Nach eigenen Angaben sollen 50 Millionen Nutzer in 17 Nationen in dieser App nach der großen Liebe suchen – 3 Millionen davon in Deutschland.

Quelle: Lovoo

Quelle: Lovoo

Durch den „Flirtradar“ können Nutzer in ihrer Umgebung nach anderen Nutzern der App suchen. Ähnlich wie bei Tinder wird mit einem „Like“ das Interesse bekundet. Bei Übereinstimmungen „einem Match“, werden die beiden Flirtwilligen über die App verknüpft und können miteinander in Kontakt treten. Wer genau das Match auf der anderen Seite verursacht hat, sieht aber nur der zahlungswillige Nutzer. 20 Credits (ca. 26 Cent) zahlt der Nutzer für die Aufdeckung des Matchpartners. Zwar bekommt der Nutzer für das tägliche einloggen 5 Credits auf sein Konto, um ohne Mehrkosten in der App zu flirten, dürfte er folglich nur alle vier Tage ein Match aufdecken lassen. Auch bei (angeblich) vollen Postfächern des Chatpartners kann man mit 50 Credits nachhelfen.
Um immer neue Flirtwillige im Radar anzeigen zu können, wird der Kundenstamm über das kostenlose Angebot in die App geholt. Der Gewinn für das Unternehmen entsteht aus den In-App Credits und en VIP-Abos, die der Nutzer abschließen kann um Zusatzfunktionen freizuschalten. Die „VIP – Mitgliedschaft“ kostet im Jahr 70 Euro, im Monat fast 12 Euro.
Lovoo bezeichnet sich selbst als das „am schnellsten wachsende Netzwerk zum Kennenlernen neuer Menschen“.
Das Unternehmen beschäftigt in Berlin und Dresden ca. 200 Mitarbeiter.
Nun steht der Verdacht im Raum, Lovoo hätte systematisch weibliche Fake-Profile erstellt um zahlungskräftige männliche Nutzer zur Nutzung der kostenpflichtigen Funktionen  (private Nachrichten verfassen) bringen. Laut Spiegelonline soll es um eine Summe von mehr als 1 Millionen Euro gehen.

Quelle: Lovoo

Quelle: Lovoo

Bereits im September 2015 standen entsprechende Vorwürfe im Raum (die wir auch auf Planet- Liebe diskutiert haben), wurden von den Geschäftsführern Björn und Benjamin Bak aber abgestritten. Der Zeitschrift c´t lagen damals von einem anonymen Informanten schon mehr als 50 Gigabyte vor, in der sich angebliche Mails der Geschäftsführung befinden und den Verdacht bestätigen sollen. Seit 2013 soll das Unternehmen systematisch mit Fake-Profilen arbeiten. Das Material der c´t enthielt damals auch konkrete Hinweise zum Vergehen und den Ergebnissen der Fake-Profile. Die c´t meldete sich bei der App an und bestätigt dieses Vorgehen und die Strategie: Die Test-Profile der c´t Mitarbeiter wurden häufig von Nutzerinnen besucht und positiv bewertet. Auf stichprobenartig verschickte Chat-Nachrichten sei aber keine einzige Antwort zurück gekommen. Für die Aufdeckung der Votes und Nachrichten in den Testprofilen sei am Ende eine Summe von 30 Euro aufgelaufen.  Nach der Anfrage der c´t bei Lovoo waren fast alle Matches der Testprofile gelöscht. (c´t 21/15 S. 70)
Bei der gestrigen Razzia wurden beide Gründer festgenommen. Auch der dritte Geschäftsführer und neun weitere Mitarbeiter sollen unter dringendem Tatverdacht stehen.
Inzwischen soll die zuständige Staatsanwaltschaft in Dresden bestätigt haben, dass Razzia und Festnahmen im Zusammenhang mit den Vorwürfen aus dem letzten Jahr stehen, nennt aber nicht den Firmennamen. Als „Kennenlern-Agentur“ wird das Unternehmen in der Pressemitteilung des Staatsanwaltes bezeichnet.
Entsprechendes Beweismaterial, in Form von Unterlagen, Datenspeichern, Computern und Mobilfunktechnik, wurde bei der Razzia sichergestellt. App und Onlineportal waren zwischenzeitlich nicht erreichbar, können heute aber wieder genutzt werden. Eine dauerhafte Abschaltung des Portals sei nicht das Ziel der Staatsanwaltschaft gewesen. Ziel sei es, kriminelle Handlungen zu Lasten der Nutzer zu verhindern.

Diese Taktik ist nicht neu. Bereits im letzten Jahr wurde bekannt, dass auf dem amerikanischen Seitensprung Portal Ashley Madison nahezu alle weiblichen Profile gefaked sein sollen: 5,5 Millionen Profile sollten die Herren auf der Seite halten.

 

Was für Erfahrungen habt ihr mit Lovoo und ähnlichen Online-Angeboten gemacht?

Quellen und Links zum Weiterlesen:
Lovoo: Presse
Computer Bild: Razzia und Festnahmen beim Dating-Portal Lovoo
Zeit: Razzia und Verhaftung bei Lovoo
S
piegel: Betrugsvorwürfe
G
izmodo: Almost None of the Women in the Ashley Madison Database Ever Used the Site (08/15)
SZ: Razzia bei Flirtportal Lovoo in Dresden
c
´t: Dating App Lovoo im Fake-Verdacht (C´t 21/2015)

 

10 Kommentare

  1. schuichi
    schuichi
    9. Juni 2016

    Habs schon im alten Thema geschrieben, dass ich mal den Selbstversuch gestartet habe . 2 Profile auf einer Datingseite. Jedes anders aufgebaut. Das eine der Natürliche schuichi . das andere der Horrorschuchi. Kränkliche versiffte Erscheinung (Foto von der letzten Grippewelle) . Dazu habe ich immer lange Texte verfasst um mich zu beschrieben und bei beiden gingen zig Meldungen entgegen. Meist direkte Sexangebote , jedoch wurde nie Bezug auf meine Texte genommen . Der Test ging weiter. Kostenlose Portale wie Finya und Kontaktanzeigen im Netz wie Markt.de und Quoka . Dabei auch zwei verschieden anzeigen je auf geschaltet und fast immer wurde ich nach etwas aufwändiger Schreiberei auf kostenpflichtige Portale gelotst .

    Bei Flirtapps war es das gleiche . es wurde wirklich "nie auf meine Sachen eingegangen sonder stur vorbei Richtung Sex gegangen !

    Fazit : Nutzen kann man es doch sobald an den eigenen Beschreibungen vorbei geschrieben wird sofort den Kontakt einstellen nutz eh nix.

  2. JoeDante
    JoeDante
    12. Juni 2016

    Also, bei Finya habe ich zum Beispiel viele reale Frauen getroffen. Sprich: Telefoniert oder persönlich getroffen.
    Ab und an mal irgendeine Fakemail, aber die erkennt man sofort.

  3. Rory
    12. Juni 2016

    Ich habe Lovoo ein gutes halbes Jahr lang genutzt und hatte in der Zeit Kontakt mit vielen, ich sage mal vorsichtig, Profilen. Denn ob da nun immer jemand Reales dahinter stand oder nicht, hat mich in den meisten Fällen gar nicht interessiert, denn wer mir schon in der ersten oder in den ersten Nachrichten dumm kam, den habe ich einfach ignoriert. Die Handvoll Leute, die ich real getroffen habe, waren allesamt tolle Menschen. Gut, ich bin kein Mann, aber ich frage mich halt schon, wie es überhaupt dazu kommen kann, dass man da in irgendwelche Kostenfallen tappt. Dass man im virtuellen Raum ein wenig vorsichtig sein sollte, was vermeintliche Identitäten anbelangt, bringt man doch schon Kindern bei, was also lässt Menschen da so arglos sein?

  4. Tweeka
    12. Juni 2016

    Das mit der Kostenfalle kann ich dir beantworten Rory. Ist eigentlich ganz einfach. Du bekommst als Mann die Mitteilung "möchte nicht angeschrieben werden, werde VIP" oder "Setze deine Nachricht nach ganz vorne für nur 50 Credits"; und die muß man halt kaufen, die 5 die man am Tag kostenlos bekommt sind an sich nichts wert. Und ich habe es auch noch nicht geschafft irgendwen über diese App kennenzulernen, sei es positiv noch negativ, weil egal was man schreibt meistens nicht mal eine Antwort kommt.

  5. hiccups
    17. Juni 2016

    Kleiner Geheimtipp:
    Installiert man Lovoo aus dem Amazon Underground Store geraus ist die VIP Mitgliedschaft dauerhaft kostenlos. Gilt aber nur auf dem Handy. Loggt ihr euch auf dem PC ein, sieht es wieder so aus als hättet ihr kein VIP. Habt ihr aber…. auf dem Handy. 😉
    Hab ausprobiert. Funzt 1A! 🙂

  6. adorable
    22. Juli 2016

    Ich habe nun schon einige kennengelernt. Manche haben mich jedoch auch als fake beschimpft, wenn ich kein Bild schicken wollte. Jetzt verstehe ich das Misstrauen.
    Bei den Männern die direkt auf Sex zusteuern handelt es sich leider meiner Erfahrung nach nicht um fakes. Wäre mir für mein Männerbild lieber, da ich dort nur neue Kontakte für freundschaftlichen Kontakt suche.

  7. HarleyQuinn
    22. Juli 2016
    adorable

    da ich dort nur neue Kontakte für freundschaftlichen Kontakt suche.

    Da ist doch aber lovoo mal echt der falsche Ort für.

  8. adorable
    22. Juli 2016

    TweekaDas mit der Kostenfalle kann ich dir beantworten Rory. Ist eigentlich ganz einfach. Du bekommst als Mann die Mitteilung "möchte nicht angeschrieben werden, werde VIP" oder "Setze deine Nachricht nach ganz vorne für nur 50 Credits"; und die muß man halt kaufen, die 5 die man am Tag kostenlos bekommt sind an sich nichts wert. Und ich habe es auch noch nicht geschafft irgendwen über diese App kennenzulernen, sei es positiv noch negativ, weil egal was man schreibt meistens nicht mal eine Antwort kommt.

    Aber warum zahlt jemand dafür, eine Frau anzuschreiben, die nicht angeschrieben werden will?

    — Beitrag wurde zusammengefügt, 22 Juli 2016 um 21:32

    HarleyQuinnDa ist doch aber lovoo mal echt der falsche Ort für.

    Wird bei uns in der Gegend unter Studenten oder z.b. jungen, neu zugezogenen Leuten gerne als Kontaktbörse genutzt. Für mich muss eine künftige Beziehung [Edit:] fast jeder Art auf einer gewissen Freundschaft basieren.
    Viele suchen natürlich auch einfach nur einen Partner, aber für Sexgesuche wird bei uns eher Tinder genutzt.

  9. schuichi
    schuichi
    22. Juli 2016

    [QUOTE="adorable, post: 12717878, member: 103483"Für mich muss eine künftige Beziehung jeglicher Art auf einer gewissen Freundschaft basieren.
    [/QUOTE]

    Off-Topic:
    Seelenverwandte bei dem Thema :love:

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