Erste polygame (und lesbische) Eheschließung in Brasilien

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Gestern erschien ein Artikel in der Süddeutschen, der von einer polygamen und gleichgeschlechtlichen Eheschließung in Brasilien berichtet. Dort wurden drei Frauen (32, 32 und 34) von einer Notarin, die in Brasilien auch als Standesbeamte wirken können, getraut. Grund für diese Premiere ist die sehr offene Auslegung der Gesetzesgrundlage durch die Notarin. „Es gibt zwar kein Gesetz, das diese Art von Ehe erlaubt – aber auch keines, dass sie verbiete“ und „Diese drei Frauen erfüllen alle Voraussetzungen für eine Familiengründung: Sie lieben sich, sie leben in einer dauerhaften Partnerschaft, sie wollen Kinder“, wird sie in der SZ zitiert.

Für Fernanda de Freitas Leitão sind Premieren im Bereich der Liberalisierung des Familienbildes wohl nichts neues. Sie soll auch die erste Notarin gewesen sein, die im Jahr 2000 ein homosexuelles Paar in Rio getraut hat. Seit 2011 ist die Homoehe in Brasilien legal. Im Jahr 2013 wurde ein entsprechender Gesetzentwurf verabschiedet.

Die drei frisch vermählten Frauen bilden nun eine Gütergemeinschaft mit Ehevertrag. Sie wollen künftig auch Kinder in ihre Familie integrieren und gleichberechtigt aufziehen. Durch die Eheschließung sollen alle drei Frauen automatisch das Sorgerecht erhalten. Der katholischen Kirche, die in Brasilien am meisten Anhänger weltweit hat, und den evangelikalen Pfingstkirchen, die in Brasilien (laut Angaben der SZ) immer mehr Anhänger finden, dürfte das gar nicht gefallen.

Dabei gilt gerade das konservative Südamerika als einer Vorreiter im Bezug auf die Homoehe*. In Argentinien, Uruguay und Brasilien sei die Homo-Ehe seit Jahren nichts besonderes. Auch in anderen Lateinamerikanischen Ländern wie Mexiko, Ecuador oder Chile, werden gleichgeschlechtlichen Paaren nahezu die gleichen Rechte eingeräumt, wie der „klassischen“ heterosexuellen Konstellation. Andere Nationen, wie auch Deutschland, haben da noch einiges aufzuholen.

Das wirklich sensationelle an dieser Nachricht, dürfte für die Brasilianer und den Rest der Welt also eigentlich nur der polygame Aspekt der Beziehung sein. Denn gerade dieser ist in den meisten Gesellschaften verpönt, in den meisten westlichen Demokratien rechtlich verboten. Jetzt könnte gerade dieser Aspekt dazu führen, dass die Konservativen im Nationalkongress von Brasilien eine „Rettung des traditionellen Familienbildes“ anstreben. Auch der Fortbestand der Homo-Ehe im sonst konservativen Brasilien könnte von einem solchen Vor- bzw. Rückstoß gefährdet sein.

*An dieser Stelle darf man jedoch nicht verschweigen, dass in anderen Ländern Lateinamerikas Homophobie zum Alltag gehört: In Jamaika und Britisch-Guayana steht Sex unter Männern 2013 noch unter Strafe. In Belize haben Homosexuelle Einreiseverbot!

Was haltet ihr von dieser Eheschließung? Geht sie zu weit oder ist sie vielleicht der Beginn einer neuen Entwicklung, wie wir sie bereits an der Homo-Ehe in Brasilien verfolgen konnten? Sollten polygame Beziehungen auch rechtlich mit der klassischen Zweierbeziehung (Ehe) gleichgestellt werden? 

Quellen und Links zum Weiterlesen:
Süddeutsche Zeitung: Erstaunlich progressive Gesetze
Der Tagesspiegel : Argentinien, Uruguay und Brasilien erlauben die Homoehe (2013)
Focus: Schwule heiraten erstmals in Brasilien (aus 2011)

14 Kommentare

  1. Fedora
    Fedora
    29. Oktober 2015

    Ich find's super. Es müsste mehr solcher Leute geben.

  2. sleepyDragon
    31. Oktober 2015

    Solange alle Beteiligten mündig und sich einig sind, gibt es meiner Ansicht nach keinen Grund, das rechtlich nicht zuzulassen.
    Die Bedenkenträger sind fast immer religiöser Natur und haben daher keine rational nachvollziehbaren Einwände.

  3. mrspock
    5. November 2015

    Wenn alle in dieser Beziehung das wollen, ist das super! Ich finde das sollte auch andernorts legalisiert werden.

  4. reed
    5. November 2015

    Eigentlich gibt es keinen Grund, das nicht zuzulassen. Die Frage wäre langfristig vielleicht, ob und wie Grenzen gezogen werden – aber ich schätze, der Anteil der Menschen, die auf einmal eine 3+ Ehe eingehen wollen würden, wäre ohnehin gering.

    @shicebiologie, du hast "sehe ich anders" gedrückt. Darf ich fragen, warum? Welche Gründe würden aus deiner Sicht dagegen sprechen?

  5. shicebiologie
    8. November 2015
    reed

    @shicebiologie, du hast "sehe ich anders" gedrückt. Darf ich fragen, warum? Welche Gründe würden aus deiner Sicht dagegen sprechen?

    Weil es zu konfus wird. Eine Ehe mit mehr als 2 Leuten? Was kommt danach? 4 Leute? 10? Finde es an sich nicht schlimm, aber das kann gern mal dazu benutzt werden noch weitere Sachen zur Ehe hinzuzufügen. Nicht nur die Anzahl der Teilnehmer, sondern auch gänzlich andere Dinge..

  6. reed
    8. November 2015
    shicebiologie

    Weil es zu konfus wird. Eine Ehe mit mehr als 2 Leuten? Was kommt danach? 4 Leute? 10? Finde es an sich nicht schlimm, aber das kann gern mal dazu benutzt werden noch weitere Sachen zur Ehe hinzuzufügen. Nicht nur die Anzahl der Teilnehmer, sondern auch gänzlich andere Dinge..

    Aber wie viele Personen würden denn auf einmal beschließen, zu 4. oder zu 10. zu heiraten? Denke, das würde sich doch sehr in Grenzen halten.
    Was meinst du mit anderen Dingen? Nach dem Motto Tiere oder Gegenstände heiraten?

  7. shicebiologie
    8. November 2015
    reed

    Was meinst du mit anderen Dingen? Nach dem Motto Tiere oder Gegenstände heiraten?

    Soweit kommt's noch! Aber ja, die Richtung ist schon die gleiche die ich vermute, aber nicht ganz so extrem. Sodass der begriff irgendwann ad absurdum geführt wird. Zum Beispiel Ehe auf Zieit? Ehe für 5 Jahre? sowas..-

  8. Fedora
    Fedora
    9. November 2015
    shicebiologie

    Weil es zu konfus wird. Eine Ehe mit mehr als 2 Leuten? Was kommt danach? 4 Leute? 10? Finde es an sich nicht schlimm, aber das kann gern mal dazu benutzt werden noch weitere Sachen zur Ehe hinzuzufügen. Nicht nur die Anzahl der Teilnehmer, sondern auch gänzlich andere Dinge..

    Mit dieser Argumentation dürfte man überhaupt nichts erlauben, nur aus der Befürchtung, jemand könnte dann wieder neue Ideen haben. Damit bringt man jegliche Entwicklung zum Stillstand.

  9. BrooklynBridge
    BrooklynBridge
    9. November 2015

    Wer heiratet, sollte sich auch sehr sicher sein. Schon allein, weil eine Scheidung eine nicht unerhebliche juristische und finanzielle Hürde ist.

    Schon allein das sollte wohl Riesenehen "deckeln", denn je mehr Leute da drin sind, desto instabiler wird es.

    Ansonsten braucht es eine zivilrechtliche Ehe mit Gegenständen, Tieren etc. wohl ohnehin nicht, da diese keine juristischen Personen darstellen. Wer trotzdem seine geliebte Mauer heiraten will, kann sich ja dennoch Rituale dafür schaffen, aber dafür braucht es keine Rechtsgrundlage.

    Menschen von einer möglichen Ehekonstellation auszuschließen hingegen stellt eine Diskriminierung dar (die auch klare rechtliche Folgen haben kann). Und da braucht es in meinen Augen dann eine gute Begründung.

  10. sleepyDragon
    9. November 2015

    Ein beliebtes Todschlagargument: Wenn wir jetzt X erlauben, dann können wir ja auch gleich Y und Z zulassen.

  11. 1. April 2016

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