„Hi, wie geht’s?“- Selbstversuch Singlebörse (Teil 2)

Teil 1

Teil 2

3 Tage und 151 Likes später

Zum Glück scheinen meine Freunde mit ihrer Theorie nicht ganz Recht gehabt zu haben. Trotz vieler verteilter Körbe habe ich relativ schnell eine Handvoll Kontakte zusammen, die für mich interessant sein könnten. Da ich mich nicht online vergucken kann, sondern erst bei einem Offline-Treffen feststellen kann, ob jemand für mich wirklich Potenzial hat, vereinbare ich zügig erste Treffen. In der ersten Woche habe ich gleich drei Dates. Man verabredet sich zum Kaffee, geht spazieren, etc. Die Treffen sind komisch, beide wissen es, beide bemühen sich. Es ist eine Kombination aus „Ich will dem/der anderen imponieren“ und „Hab ich überhaupt Interesse an der Person?“. Die Männer sind grundsätzlich nett, die Treffen in Ordnung, aber sie ziehen sich, sind anstrengend, und ein lockerer Flirt scheint ferner denn je. Gefunkt hat da jedenfalls nichts, aber alle wollen mich gerne noch ein zweites Mal treffen. Haben sie nicht gemerkt, dass da nichts war? Da ich die frustrierten Berichte der Singlebörsenveteranen kenne, bin ich ehrlich, ghoste nicht und gebe allen drei Männern einen klaren, aber höflichen Korb.

Matchscore Fail

Als nächstes versuche ich eine andere Strategie, ich werde proaktiv. Ich fange an mir selbst Profile herauszusuchen, schreibe Leute an, deren Profil auf mich attraktiv wirkt und mit denen ich einen hohen Matchscore habe. Aber auch das entpuppt sich als nicht sehr erfolgreiche Methode. Am Ende führe ich Gespräche mit einem AfD-Politiker, einem eingebildeten Banker und einem sexistischen Sportwagenfanatiker. Wie zur Hölle sind wir bitte auf unseren >90%igen Matchscore gekommen? Neinnein, ich will zwar neue Erfahrungen machen, meinen Horizont erweitern und andere Leute kennenlernen, als ich es sonst tue, aber sowas funktioniert dann leider auch nicht. Ich fahre wohl doch besser damit abzuwarten, welche Leute an meinem Profil Gefallen finden. Das scheint der bessere Filter zu sein.

Online-Dating in seiner vollen Schönheit

Für den zweiten Schwung an Dates will ich trotzdem den Schriftverkehr klüger angehen, den Flirt von Anfang an provozieren, offener beim Schreiben sein, klar machen, worum es mir geht: Körperlichkeit und Nähe, kein ewig langsames Kennenlernen, keine falsche Rücksichtnahme. Ich werde indirekt direkt, wie es sich für eine wohlerzogene Lady gehört. Die Männer verstehen, die Grundlage ist gelegt, das Interesse steigt. Mich wollen sogar Leute treffen, die eitel und schön sind, und sich offline wohl niemals für mich interessiert hätten. Sie wollen aber natürlich ein Foto von meinem Gesicht sehen, ich schicke ihnen eines. Ein Modeltyp schreibt dann „Hm… Hast du noch eines?“. Ich sage „Wenn ich nicht dein Typ bin, ist das voll in Ordnung, sag es mir ruhig ehrlich.“ Er: „Nein, ist schon ok, das geht schon.“, wie charmant. Für den bin ich wohl gerade noch so „fickbar“, wie man heutzutage sagt. Wirklich große Lust auf ihn habe ich jetzt nicht mehr.

Andere disqualifizieren sich sofort, weil sie nicht verstehen, dass man an Körperlichkeit interessiert sein kann, aber das nicht zwangsläufig heißt, dass man ihre Phantasien befriedigen möchte. Mehrmals versuchen mich Leute in eine Cybersex-Unterhaltung zu manövrieren, trotz Hinweis, dass mir das nichts gibt. Mehrmals wollen sie mich zum Sexting überreden, obwohl sie mein „Nein“ bereits kennen. Ich bemühe mich, zwar deutlich, aber nicht zu unfreundlich zu werden, aber es zehrt tatsächlich an den Nerven, und manche scheinen am Ende leider keine andere Sprache zu verstehen als das Geblockt-Werden. Langsam wird mir das alles zu viel. Ich verliere immer mehr die Lust am Online-Daten. Kann man nicht einfach nette Menschen offline kennenlernen? Wie kann sowas so anstrengend werden…

 

Teil 3 gibt es hier… 😉

Teil 4 / Fazit

Ein Kommentar

  1. Cadvan
    17. Januar 2017

    Bis jetzt bestätigt das mein Bild des Onlinedatings total. Entweder total hilflose Menschen oder auf der Suche nach Sexting oder Sex fürs schwarze Büchlein. Ist meine subjektive Meinung, aber habe das von mir oder meinem Umfeld noch nie anders mitbekommen:ichsagnichts:

    Interessant wirds dann, wenn man an die letzte Kategorie gerät, die das aber super Charmant überspielen können und im nachhinein die Hölle los bricht.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.