Tanzende Genitalien für einvernehmlichen Sex

Consent ist simple.
If it´s not yes, it´s no.

 

Mit diesem einfachen Slogan wirbt eine Online-Kampagne seit wenigen Wochen für einvernehmlichen Sex. Eine kanadische Agentur hat für diese Kampagne eine sehr eindrückliche Konzeption entwickelt: Genitalien mit Gesichtern tanzen durchs Bild!
Auf Bildern und in mehreren Clips kommen die Genitalien zu Wort und zeigen klare Grenzen auf. Der weibliche Intimbereich, der mit „Only if my other Lips say yes“ klar Stellung bezieht, oder der Dialog zwischen Po und Penis („I´m not sure“ „I respect that“) zeigen beiderseitiges Einverständnis als notwendige Basis für Sex und sexuelle Handlungen. Passend zur aktuellen Debatte über eine Reformierung des deutschen Sexualstrafrechts* schlägt diese Kampagne in die gleiche Kerbe wie „Nein heißt Nein“ oder „Mein Körper. Meine Entscheidung!“.

Screenshot: Project Consent is simple (www.projectconsent.com)

Screenshot: Project Consent is simple (www.projectconsent.com)

Kritiker mögen die Darstellung von Brüsten, Vaginen, Hintern und Penen als vulgär bezeichnen. Die Macher der Kampagne beziehen aber auch dazu klar Stellung. Diese Art der optischen Aufbereitung der Thematik mache „[…]es einfacher, solche Themen direkt zu adressieren – auch für Schüler, Lehrer oder Eltern. Die Kampagne sollte greifbar und unmissverständlich zeigen, welche Handlungen in Ordnung sind und welche nicht.“ (Sara Li, Gründerin des Project Consent).

Wir finden die Clips durchaus gelungen und alles andere als vulgär. Das wir Fans von eingängigen Darstellungen sind, ist ja spätestens seit unserer Werbung für ein Kondom Emoji oder #moretosafersex bekannt. 😉 Mit einfachen Mitteln wird in wenigen Sekunden ein Thema angerissen und eine kleine Botschaft vermittelt. Und da sind wir auch schon bei „unserer Kritik“: In den Clips kommt die Kommunikation ziemlich kurz. Die Dialoge und kurzen Botschaften, die auf den Bildern gezeigt werden, fehlen den Clips. Dabei steckt gerade in den Dialogen und der Kommunikation, für die auch geworben werden sollte, der große Mehrwert der Aktion. Auch wenn die Kampagne eindeutig für Hetero-Kontakte konzipiert wurde, finden wir die Heteronormativität der Clips und Bilder durchaus problematisch: Auch bei gleichgeschlechtlichen Kontakten ist Einvernehmlichkeit ein Thema und hätte hier thematisiert werden können um eine breitere Zielgruppe abzudecken. Diesen Punkt lasten wir der Kampagne aber nicht an, sondern sehen ihn viel mehr als Option für Erweiterungen und den Ausbau der Aktion. 😉

Die Clips:

*Hierzu folgt demnächst ein eigener Artikel. Ein wenig Geduld bitte. 🙂

Quellen und Links zum Weiterlesen:
Project Consent: Homepage

8 Kommentare

  1. Fedora
    Fedora
    11. April 2016

    Ich finde es leider recht einseitig und klischeebehaftet…
    Es ist immer ein "Mann", der plötzlich zudringlich wird und es ist immer eine Negativreaktion, die gezeigt wird.
    Es gibt kein klares Statement, bevor er zudringlich wird und nie ein "Miteinander" nach der Ablehnung. Das "Nein" wird also (einseitig) aus Sicht des Mannes als etwas verkauft, was negative emotionale Konsequenzen für ihn hat…

  2. soft murmur
    11. April 2016

    Ist für mich jetzt wirklich nicht eindeutig.
    Mit einem "Nein" kann man die Grenzen sehr viel definieren, als mit einem "Ja aber jein.." (was doch impliziert wird, wenn man schon nackig miteinander ist). Nur ein klares Nein ist eindeutig.

  3. Mikiyo
    Mikiyo
    11. April 2016
    Fedora

    Ich finde es leider recht einseitig und klischeebehaftet…
    Es ist immer ein "Mann", der plötzlich zudringlich wird und es ist immer eine Negativreaktion, die gezeigt wird.
    Es gibt kein klares Statement, bevor er zudringlich wird und nie ein "Miteinander" nach der Ablehnung. Das "Nein" wird also (einseitig) aus Sicht des Mannes als etwas verkauft, was negative emotionale Konsequenzen für ihn hat…

    Ähnliches ging mir auch durch den Kopf, als ich die Bilder und Clips entdeckt habe. Es handelt sich (natürlich) auch mal wieder nur um Hetero-Kontakte. Dabei gibt es die Problematik der Übergriffigkeit auch bei Homo-Kontakten.

  4. soft murmur
    11. April 2016
    Mikiyo

    Es handelt sich (natürlich) auch mal wieder nur um Hetero-Kontakte.

    Nen Popo und nen Penis seh ich jetzt nicht nur als Hetero-Kontakt…

  5. schuichi
    schuichi
    11. April 2016
    Mikiyo

    Ähnliches ging mir auch durch den Kopf, als ich die Bilder und Clips entdeckt habe. Es handelt sich (natürlich) auch mal wieder nur um Hetero-Kontakte. Dabei gibt es die Problematik der Übergriffigkeit auch bei Homo-Kontakten.

    Nicht nur das es gibt auch Frauen die über griffig werden . Leider musste ich das schon mal am eigen Leib erfahren und nicht nur ein mal.

    Daher ist die Kampagne gut gemeint aber total mies umgesetzt.

  6. Mikiyo
    Mikiyo
    11. April 2016
    soft murmur

    Nen Popo und nen Penis seh ich jetzt nicht nur als Hetero-Kontakt…

    Wobei die Augen des Pos in dem Bild durch die Wimpern für mich schon sehr weiblich aussehen. Die Augen am Penis haben keine solchen Wimpern. :hmm:
    Grundsätzlich hätte man die Heteronormativität hier einfach durch einen Hand-Penis Clip umgehen und dabei gerne auch Wimpern anpassen können.

  7. soft murmur
    11. April 2016

    So genau hab ich jetzt nicht auf die Augen geschaut, aber ja, es könnte schon "eindeutiger" auch homosexuell oder "uneindeutiger" neutral gehalten werden.. Oder sogar umgekehrt heterosexuell (oder sogar lesbisch?) gestaltet sein..

  8. rudolfk
    11. April 2016

    "Wir finde die Clip durchaus gelungen"
    Wenn man auch Schüler ansprechen will wäre eine korrekte Sprache sinnvoll.

    Ansonsten ist wie andere schon schrieben die Kampagne sexistisch und klischeehaft. Der Mann der was will und die Frau die sich wehrt. Das war die Sichtweise meiner Elterngeneration.

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