Regelmäßiger Oralverkehr erhöht das Krebsrisiko

Heute meldet eine große deutsche Tageszeitung mit vier Buchstaben, dass eine neue Studie aus den USA bewiesen haben soll, dass häufiger Oralverkehr zu einem erhöhten Krebsrisiko führt. Bis zu 22 Mal häufiger sollen Menschen, die eine HPV Erkrankung im Mund- und Rachenraum haben, an Tumoren in dieser Körperregion erkrankt sein. Veröffentlicht wurde die Studie im  Fachjournal Jama Oncology.

Neu ist die Diskussion nicht. Seit Micheal Douglas 2010 an Krebs erkrankte und daraufhin seine  angebliche(!) Vermutung über die Ursache in den Medien öffentlich gemacht wurde, wird über die langfristigen gesundheitlichen Gefahren von Oralsex gesprochen. Douglas hat diese Äußerung , sein Kehlkopfkrebs stehe nicht in Verbindung mit Alkohol oder Rauchen, sondern könne vom Oralverkehr kommen, später durch einen Sprecher zurückweisen lassen. Er hätte nur im allgemeinen auf einen möglichen Zusammenhang hindeuten wollen, es aber nicht im Bezug zu seiner eigenen Krebserkrankung gesehen.

So ganz neu ist auch die medizinische Grundlage der neuen US-Studie nicht. Es ist schon länger bekannt, dass HPV  die Entstehung von Krebsleiden begünstigen kann – nicht am Gebärmutterhals, sondern auch im Kopf- un Halsbereich. Eben überall dort, wo man Schleimhäute in Kontakt mit Körperflüssigkeiten kommen. Beim Oralverkehr geht das unabhängig der beteiligten Geschlechter ganz schnell. Die Enttabuisierung von Oralverkehr in den letzten Jahrzehnten und der damit gestiegene Beliebtheitsgrad oraler Praktiken spiegle sich nun in den Zahlen. Auch die steigende Zahl von Sexualpartnern im Leben eines Menschen sei ein Grund für die Entwicklung.

In Deutschland gäbe es jedes Jahr mehr als 18 000 Menschen die als Mundraum- oder Halstumoren erkranken. Der Großteil der Patienten sei männlich. Bei etwa der Hälfte der Patienten sei HPV mitverantwortlich für die Tumorbildung gewesen, zitiert die Welt im Jahr 2013 die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
Nach Auskunft des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg  können mehrere Krebsarten durch HPV übertragen werden. „Schätzungen zufolge wird rund ein Drittel der Mund-Rachen-Tumoren durch die Viren ausgelöst. […] der durch die Viren verursachte Krebs gelte aber als besser behandelbar als bei anderen Ursachen.“ (Merkur) In Heidelberg werde aktuell auch an Früherkennungsdiagnostik geforscht, die lange vor einer Tumorbildung greifen soll und so die Behandlungschancen noch weiter verbessert.

Die Hälfte aller sexuell aktiven jungen Männer und Frauen sollen den HP-Virus in sich tragen. Bis zu 75 Prozent aller Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit dem Virus – bekanntlich sind Tumore in der vom Oralverkehr beanspruchten Region weitaus seltener. In vielen Fällen sind HPViren durch das eigene Immunsystem gut in Schach zu halten. Selbst wenn der Körper das Virus erfolgreich bekämpft, ist eine Neuinfektion nicht ausgeschlossen. Wie der Herpesvirus kann auch HPV immer im Körper bleiben.

Für Mädchen gibt es daher seit gut 8 Jahren die HPV- Impfung/Impfung gegen Virenstämme, die in Verdacht stehen Gebärmutterhalskrebs auszulösen. Die Impfung wird aufgrund von möglichen Nebenwirkungen und der begrenzten Zahl an abgedeckten Viren aber auch kritisch gesehen und diskutiert.

Die Vielzahl an HPV Stämmen sei auch ein Grund, warum die Menschen sich jetzt nicht von dem Zusammenhang verunsichern lassen sollten. In den meisten Fällen seien die Erreger nämlich ungefährlich, zitiert der Merkur den Arzt Michael Brady im Jahr 2013. Tabak und Alkohol seien die häufigsten Verursacher Tumoren im Mund und Rachenbereich. Der Lebenswandel eines Menschen ist also auch bei dieser Krebserkankung ein entscheidender Faktor.

Grundsätzlich kann man einer Infektion durch folgende Tipp vorbeugen bzw. das Risiko reduzieren:

  • Wer häufig wechselnde Sexualpartner hat, sollte immer darauf achten sich (und seine Schleimhäute) entsprechend zu schützen: Kondome und Dental Dams helfen weiter!
  • Körperhygiene im Genital- und Analbereich schützt auch vor anderen Infektionen und damit auch die Schleimhäute
  • Vermutet man bei sich oder dem/der Partner/in Genitalwarzen sollte man unbedingt zeitnah einen Arzt aufsuchen und den Verkehr vorerst einstellen. HPV zeigt sich nur selten so deutlich, sollte dann aber unbedingt Anlass zum Arztbesuch werden.
  • Die Impfung gegen HPV (16) ist auch für Männer möglich und wird sogar von einigen Krankenkassen übernommen.

Überraschen euch die Ergebnisse? Wird sich euer Sexualverhalten jetzt ändern? Seit ihr vorsichtiger und achtet mehr auf Safer (Oral)Sex?
Quellen und Links zum Weiterlesen:
Die Welt: Oralsex – wie groß ist die Krebsgefahr wirklich? (2013)
Merkur: Krebs durch Oralsex- Was sagen die Ärzte? (2013)
Menscore: Macht Oralsex Mundkrebs (2014)
Jama Oncology

2 Kommentare

  1. 13. März 2016

    Enjoyed reading through this, very good material. Thanks!

  2. 3. April 2016

    Thanks for posting this. Looking for these resources 😀

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.