TV-Tipp: Ware Mädchen – Prostitution unter Zwang

Liebe ist/endet leider nicht immer positiv…
Am 11. Januar konnte man in der ARD eine interessante Doku über unfreiwillige Prostitution in Deutschland sehen. Wir haben auf Planet Liebe schon öfter über (scheinbar) freiwillige Prostitution und die bewusste Entscheidung diesen Weg zu gehen gesprochen.  Man darf dabei jedoch nicht vergessen, dass es auch Mädchen, Frauen und auch junge Männer gibt, die diesen Weg nicht freiwillig gehen.

Die Dokumentation des RBB (Rundfunk Berlin Brandenburg) erzählt auf eindrucksvolle Weise die Geschichte einiger junger Mädchen aus Rumänien. Einige sind sogar sehr jung, gerade 13 oder 14 Jahre alt oder teilweise ohne jegliche sexuelle Erfahrung. Mit der Lover-Boy Methode werden sie aus ihrer Heimat (in meist verarmten Teilen Südosteuropas) nach Deutschland und in andere westliche EU-Staaten gelockt. In besonders desaströsen sozialen Verhältnissen kommt es sogar vor, dass Eltern ihre eigenen Töchter an Menschenhändler verkaufen.
Den Mädchen werden die Pässe abgenommen und die Reise beginnt. In Deutschland angekommen arbeiten sie in  Flatrate– oder Wohnungs-Bordellen und müssen zum Teil 24 Stunden buchbar und für Kunden verfügbar sein. Bis zu 15 Freier am Tag bedienen die Mädchen nach eigenen Angaben. Oft werden sie von Stadt zu Stadt geschickt: „Neue Ware verkauft sich besser“. Manchmal wissen sie nicht einmal, in welcher Stadt sie sich gerade befinden. Vom Verdienst bleibt ihnen nichts. Was jedoch bleibt, ist die Scham und die Angst vor der Heimkehr und der Reaktion der Eltern.

Im Jahr 2002 trat in Deutschland das Prostitutionsgesetz in Kraft. Es sollte den Beruf der Sexarbeiterin zu einem normalen Beruf machen und die Sicherheit der Frauen stärken. Die Macher der Dokumentation kommen aber zu einem ganz anderen Schluss: „Das Idealbild der selbstständig arbeitenden, sozialversicherten Prostituierten vernebelte der Politik den Sinn für die Realität. Jetzt ist die Situation die, dass Prostitution ein Gewerbe ohne jede Regeln ist. In Deutschland ein Bordell zu eröffnen, ist heute leichter als eine Pommesbude zu betreiben. Der Berliner Zoll schätzt, dass allein in Berlin jedes Jahr 70 Millionen Euro mit der sexuellen Ausbeutung von Frauen umgesetzt wird.“
Das seit Jahren angestrebte Prostituierten-Schutzgesetz, dass durch Anmeldepflicht, regelmäßige Gesundheitsberatung und eine Anhebung des Mindestalters die Situation in Deutschland verbessern soll, steckt seit zwei Jahren im Koalitionsstreit fest.

Prostitution ist in Ländern wie Rumänien illegal. Die Frauen, die auf dem Straßenstrich arbeiten sind am unteren Ende der Gesellschaft angekommen. Sie leben und arbeiten gefährlich und abseits der Akzeptanz. Unterstützung gibt es für diese Frauen kaum. Schwierig ist es auch für die Mädchen, die von ihren Familien an die Menschenhändler vermittelt wurden. Schutzwohnungen und Unterstützungen für sie wird ausschließlich durch Spenden finanziert.
Der Staat hat in den letzten Jahren auf die bekannte Taktik der Lover-Boys reagiert. Die Polizei hat eine eigene Abteilung bekommen um gegen den Menschenhandel und die Zwangsprostitution vorzugehen. Präventionsveranstaltungen in Schulen sollen die jungen Mädchen auf die Gefahren aufmerksam machen. Erfolge werde man dort aber erst langfristig beobachten können.

Sehen kann man die Dokumentation in der ARD Mediathek oder einfach auf Youtube. 😉

Anmerkung: Die Dokumentation wurde vom RBB bereits im Dezember 2014 ausgestrahlt. Damals gab es auch einen Thread dazu. Hier handelt es sich um die aktualisierte Version aus dem Januar 201.

Quellen und Links zum Weiterlesen:
RBB – Ein Bordell zu eröffnen ist leichter als eine Pommes Bude

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