Vagina-Künstlerin in Japan zu Geldstrafe verurteilt

Wer die Reportage „Sex around the World“ zu Japan schon gesehen hat, weiß, dass die Darstellung von Genitalien in Japan rechtlich verboten ist. Ein solches „Vergehen“ wird auch strafrechtlich verfolgt, wie eine Japanerin erfahren musste, die ihre Vagina als 3D-Modell für ein Kajak nutzen wollte.

Eine recht merkwürdige Idee ist es schon, die die Künstlerin Megumi Igarashi da hatte. Sie selbst bezeichnet sich als „Vagina-Künstlerin“ und nutzt den Künstlernamen Rukude Nashiko (Böses Mädchen). Sie wurde schon mehrfach von der Polizei wegen ihrer Kunstwerke festgenommen. Vor zwei Jahren hatte sie den Bauplan für das besagte Kajak verbreitet, was zur ersten Festnahme führte. Mit Hilfe ihrer Anwälte kam sie wenige Tage später wieder frei. Von diesem Vorfall ließ sich die junge Frau aber nicht beirren: In einem Schaufenster der japanischen Hauptstadt stellte sie wenige Monate später kleine Vaginen aus, was zu einer erneuten Festnahme führte. Die kleinen Modelle mit Pelzbesatz und Glitzer kamen bei der Justiz wohl nicht so gut an.

https://www.youtube.com/watch?v=3jGKJYkQd8M

(Der Link hat aktuell leider Probleme. Wir arbeiten daran, damit ihr möglichst schnell auch die Kunstwerke bestaunen könnt 😉 )

Nun ist ihre Kunst ein Fall für die japanische Justiz: In Japan darf, trotz florierender Pornografie und Hentai-Mangas, keine explizite Darstellung von Genitalien erfolgen. Diese dürfen nur hinter einem schwarzen Balken versteckt oder verpixelt gezeigt werden.
Schon im letzten Jahr konnte die junge Frau den Prozess und die Aufregung nicht nachvollziehen. „Ich bin unschuldig, denn weder die Daten für weibliche Genitalien noch meine Kunstwerke in Form von Vaginas sind obszön“ , zitiert sie der Spiegel. Es gehe ihr vor allem darum die Vorstellung von Obszönität zu verändern, die vor allem auf einer männlich geprägten Perspektive beruhe, so Igarashi. Ihre Kunst soll ein Zeichen gegen die Tabuisierung des weiblichen Geschlechtsorganes sein.

Der Fall hatte in Japan zu einer Debatte über die Zensur geführt.
Den letzten Gerichtstermin soll sie mit einem Spruchband „Ein Körperteil ist nicht schuldig“ begangen haben.
Das Bezirksgericht in Tokio fordert die 400.000 Yen (ca. 3000 Euro), zu der sie wegen ihrer Kunst verurteilt wurde, trotzdem ein. Immerhin blieb das Gericht mit der Summe hinter den, von der Staatsanwaltschaft geforderten 800.000 Yen. Im Kajak selbst soll die Richterin kein Problem gesehen. Die schrille Farbgebung sehe nicht wie menschliche Haut aus und erinnere deshalb nicht an ein weibliches Geschlechtsorgan. Der Datensatz war der Richterin dann aber wohl doch zu detailverliebt. Das Gericht soll die Vorlage als „möglicherweise sexuell stimulierend“ bezeichnet haben.
Megumi Igarashi hat wohl schon angekündigt in Berufung zu gehen.

Ihre Skulpturen darf die Japanerin übrigens weiter ausstellen. Das stimmt sie hoffnungsvoll und wird von ihren Anwälten als Entscheidung  von „hohem historischem Wert“ eingestuft.
Vielleicht sollte man sie mal auf die Kunstwerke von Sooraya Doolbaz aufmerksam machen. Eine gemeinsame Ausstellung wäre sicher ein Ereignis. 😉

Wir finden das Kajak und die ihre kleinen rosa Skulpturen nicht obszön.
Was meint ihr zu diesem Fall?

Quellen und Links zum Weiterlesen:
Spiegel.de: Vagina-Künstlerin muss Geldstrafe zahlen
D
er Standard: Japanische Vagina-Künstlerin zu 3.300 Euro Strafe verurteilt
D
onaukurier: Japanische Vagina-Künstlerin zu knapp 3.300 Euro Strafe verurteilt
w
eb.de: Japanische Künstlerin zu Geldstrafe verurteilt
S
Z: Vagina-Kajak: Japanische Künstlerin wird verhaftet (Juli 2014)

 

10 Kommentare

  1. Schweinebacke
    Schweinebacke
    10. Mai 2016

    Japan ist schon ein seltsames Land. Da kommen teils die übelsten Fetischpornos her, Geschlechtsteile müssen aber verpixelt werden. Muss man wohl nicht verstehen.

  2. Mikiyo
    Mikiyo
    10. Mai 2016
    Schweinebacke

    Japan ist schon ein seltsames Land. Da kommen teils die übelsten Fetischpornos her, Geschlechtsteile müssen aber verpixelt werden. Muss man wohl nicht verstehen.

    Ich empfehle dir an dieser Stelle diesen Beitrag. Da ist der Link zu Japan mit aufgeführt. ;:engel:

  3. xrockfanx
    14. Mai 2016
    Schweinebacke

    Japan ist schon ein seltsames Land. Da kommen teils die übelsten Fetischpornos her, Geschlechtsteile müssen aber verpixelt werden. Muss man wohl nicht verstehen.

    Ja wie kann man nur so cool und modern sein, aber gleichzeitig so altmodisch, das denk ich mir bei jedem Anime 😀

  4. Tahini
    16. Mai 2016

    Tja… wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.
    Die Gute muss doch wohl gewusst haben, dass sie gegen nationale Gesetzgebung verstoesst. Wer in den Ofen fasst, verbrennt sich die Finger, egal wie sehr er meint, es waere doch netter, wenn das Feuer kuehlen wuerde.
    Solche Leute werde ich nie begreifen…

  5. Syleena
    17. Mai 2016

    Ich finde es mutig, was sie macht und cool. 😎
    Nicht dass ich mir unbedingt "Vagina-Kunst" irgendwo aufstellen müsste, aber gerade weil sie Japanerin ist und damit dieses (seltsame) Gesetz angreift, finde ich es gut.
    Die Darstellungen sind ja wohl auch etwas humoristisch und ich finde es witzig, wenn ein Gericht sich damit auseinandersetzen muss. 😀
    Auch in Europa würde so eine Kunstform vermutlich für etwas Aufsehen sorgen, wenn auch nicht so krass wie in Japan.

  6. Ganzneuhier99
    17. Mai 2016

    Ehrlich, das sollen Vaginas sein? Wär mir nie aufgefallen. 😀
    Ich finds auch super und mutig von ihr, gegen dieses Gesetz zu kämpfen. Wenn sie eine landesweite Diskussion ausgelöst hat, ist sie schon ein ganzes Stück weit gekommen.

  7. Tahini
    17. Mai 2016

    Aber gegen ein Gesetz kaempfen, indem man dagegen verstoesst??
    :ratlos:
    Das ist ja wie, "Oh nein, Officer, das ist kein Bankraub. Ich bin Kuenstler, sehen Sie, und diese Aktion ist eine intellektuelle Kritik an den Praktiken des Bankenwesens."

  8. Ganzneuhier99
    17. Mai 2016
    Tahini

    Aber gegen ein Gesetz kaempfen, indem man dagegen verstoesst??
    :ratlos:
    Das ist ja wie, "Oh nein, Officer, das ist kein Bankraub. Ich bin Kuenstler, sehen Sie, und diese Aktion ist eine intellektuelle Kritik an den Praktiken des Bankenwesens."

    So funktioniert Gesellschaft und so funktionieren Revolutionen. Hätten wir Frauen nicht für unser Wahlrecht gekämpft, dürften wir immer noch nicht wählen, und das war uns gesetzlich auch verboten. Siehe Apartheid und Homosexualität. Dasselbe.

    Und wenn sich die Mehrheit von uns entscheidet, dass das Bankwesen, wie es aktuell ist, keinen Sinn macht, können wir auch dagegen kämpfen. Und ja, um ein Gesetz zu ändern, muss man es erst mal übertreten.
    Allerdings… So viel, wie am aktuellen Bankwesen krank ist… Ich glaube nicht dass Bankräube uns weiterbringen. :zwinker:

  9. Tahini
    17. Mai 2016

    Ganzneuhier99So funktioniert Gesellschaft und so funktionieren Revolutionen. Hätten wir Frauen nicht für unser Wahlrecht gekämpft, dürften wir immer noch nicht wählen, und das war uns gesetzlich auch verboten. Siehe Apartheid und Homosexualität. Dasselbe.

    Und wenn sich die Mehrheit von uns entscheidet, dass das Bankwesen, wie es aktuell ist, keinen Sinn macht, können wir auch dagegen kämpfen. Und ja, um ein Gesetz zu ändern, muss man es erst mal übertreten.
    Allerdings… So viel, wie am aktuellen Bankwesen krank ist… Ich glaube nicht dass Bankräube uns weiterbringen. :zwinker:

    Na, ob der Vergleich wirklich funktioniert? Es ist eine Sache, sich fuer etwas zum Allgemeinwohl der Gesellschaft einzusetzen, und eine andere, Gesetze zum Wohl des Kommerzes absichtlich zu brechen, die kulturellen Normen entspringen – ganz besonders in Japan. Ich sehe hier eher ein eiskalt kalkuliertes Marketingmanoever dieser Kuenstlerin. Durch die gewiss absichtlich herbeigefuehrte Verurteilung hat sie nun genug Wellen in den Medien gemacht, um fuer ihre Werke im Ausland einen Markt geschaffen zu haben. Dass sie als Porno-Maertyrerin in die Sexgeschichte Japans eingehen wird, der wir das Ende der Schwanz- und Pussyverpixelungen im Smut Business zu verdanken haben werden, halte ich fuer zweifelhaft.

  10. Syleena
    17. Mai 2016
    Tahini

    Aber gegen ein Gesetz kaempfen, indem man dagegen verstoesst??
    :ratlos:

    Den Unterschied zum Bankraub würde ich darin sehen, dass ja durch diese Kunstform keiner zu Schaden kommt. Es sind ja nicht mal pornografischen Darstellungen, sondern sieht ja alles eher verspielt und lustig aus.

    Tahini

    Es ist eine Sache, sich fuer etwas zum Allgemeinwohl der Gesellschaft einzusetzen, und eine andere, Gesetze zum Wohl des Kommerzes absichtlich zu brechen, die kulturellen Normen entspringen – ganz besonders in Japan. Ich sehe hier eher ein eiskalt kalkuliertes Marketingmanoever dieser Kuenstlerin. Durch die gewiss absichtlich herbeigefuehrte Verurteilung hat sie nun genug Wellen in den Medien gemacht, um fuer ihre Werke im Ausland einen Markt geschaffen zu haben. Dass sie als Porno-Maertyrerin in die Sexgeschichte Japans eingehen wird, der wir das Ende der Schwanz- und Pussyverpixelungen im Smut Business zu verdanken haben werden, halte ich fuer zweifelhaft.

    Ihre genaue Motivation kennen wir ja nicht. Aber Kunst kann meiner Meinung auch dazu dienen, Missstände aufzuzeigen und so verstehe ich das in diesem Fall. Natürlich wird diese Aktion nicht alles aufheben, was sich kulturell bedingt in den Köpfen festgesetzt hat, aber vielleicht gibt es ja doch einen kleinen Anstoß. Wir wissen es nicht.
    Weibliche Sexualität ist ja allgemein nicht so präsent wie männliche (also auch bei uns) und wie sonst soll sich daran was ändern als durch Dialog und sowas erreicht man eben (auch) durch Provokation und Offenheit. Natürlich gibt es dann immer auch Gegner, die darin den Untergang der guten Sitte – oder was anderes Teuflisches – sehen, aber besser ein Thema wird diskutiert als totgeschwiegen.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.