Zehn Tipps für Eltern zum Coming Out

Der 11. Oktober Coming Out Day. Der Tag soll LGBT (Lesbians, Gays, Bisexuals, Transgender) Mut machen, sich vor Familie und Freunden, vor ihrem Umfeld zu ihrer Identität zu bekennen.

Die Huffington Post hat zehn Tipps für Eltern veröffentlicht, um ihren Kindern ein mögliches Coming Out zu erleichtern. Die Autorin, selbst Mutter eines schwulen Sohnes, rät:

Im Vorfeld eines (möglichen) Outings:

  • Die Eltern sollten keine Annahmen über die Sexualität ihres Kindern treffen. So sollte man das Kind nicht mit heteronormativen Erwartungen (z.B. eines Tages Kinder zu bekommen) unter Druck setzen. Umgekehrt sollte man sein Kind aber auch nicht Vermutungen, LGBT zu sein.
  • Eltern sollten sich ihren Ängsten stellen. Die Vermutung, das eigene Kind könnte homo- bzw. bisexuell oder transgender sein, löst bei vielen Eltern Sorgen und Verunsicherung aus. Sie sollten nicht so tun als sei alles gut, sondern sich ihre Ängste eingestehen, um an ihnen zu arbeiten – wenn nötig mit Hilfe.
  • Eltern sollten aufgeschlossen sein. Ein Elternhaus, in dem homo- und transphobe Äußerungen an der Tagesordnung sind, erleichtert dem Kind natürlich nicht sein Outing.
  • Eltern sollten immer ein offenes Ohr für ihre Kinder haben. Wenn das Kind weiß, dass es mit seinen Sorgen stets zu den Eltern kommen kann, erleichtert das natürlich auch ein Coming Out.
  • Bedingungslose Liebe. Das Kind sollte immer wissen, dass es geliebt wird – egal was passiert.

Nach einem Outing:

  • Auch hier gilt natürlich, dem Kind bedingungslose Liebe zu schenken.
  • Dem Kind Glauben schenken. Äußerungen wie „das kannst du doch noch gar nicht wissen“, „das geht vorüber“ oder „bist du wirklich sicher?“ sollten nicht fallen.
  • Sich für den Mut und die Offenheit bedanken. Auch wenn die Offenbarung ein Schock war.
  • Seine eigenen Ängste und Nöte ausdrücken. Niemandem ist geholfen, wenn man on falsche Freude ausbricht. Wenn man als Elternteil verunsichert ist, sollte man damit offen umgehen.
  • Niemals das Kind vor anderen outen – es sei denn, das ist mit dem Kind abgesprochen. Das Kind sollte selbst entscheiden, wen es wann ins Vertrauen zieht.

Was haltet ihr von diesen Tipps? Findet ihr sie sinnvoll, oder seid ihr anderer Meinung? Fehlt irgendetwas Wesentliches? Habt ihr selbst Erfahrungen gemacht – als Elternteil, als Kind oder auch in einer anderen Rolle?

 

27 Kommentare

  1. Firebird
    Firebird
    11. Oktober 2015

    Wow… mit diesen Tipps dürfte es jetzt ja keine Probleme mehr geben. Endlich bekommen Eltern mal so eine richtige Hilfestellung…

    Und ernsthaft: überflüssig.

  2. Fenriswolf
    11. Oktober 2015

    Ich finde das grundsätzlich eine gute Idee, wobei ich die Punkte für zumindest meine potenzielle Vaterschaft eh für selbstverständlich erachte, unabhängig des Coming Out Hintergrundes.
    Solange es nur einem Coming Out Kanditaten was bringt, ist es meiner Meinung nach sinnvoll.

  3. Incitatus
    11. Oktober 2015

    Find ich reichlich überzogen und unnötig. Vor allem der erste Punkt klingt auf Dauer unmöglich umzusetzen. Ich möchte meine Kinder irgendwann mal nicht übervorsichtig erziehen müssen und sämtliche Eventualitäten und Konsequenzen ständig abwägen. Zumal auch homosexuelle Paare einen Kinderwunsch haben dürfen.

    Ich denk der am einfachsten umzusetzende Punkt fehlt sogar: Homosexualität ist vielleicht etwas anderes, als die Eltern vorleben, aber sicherlich kein Makel, den es zu gestehen gibt.

  4. Antyla
    Antyla
    11. Oktober 2015

    Da sind Dinge aufgelistet die für mich als selbstverständlich gelten,auch ohne ein mögliches Coming Out.Wobei ich auch nicht verstehe warum sich mein Kind vor mir outen sollte.Bin ja auch nicht vor meine Eltern getreten und hab gesagt:"So,ich bin hetero". :kopfwand:

  5. BrooklynBridge
    BrooklynBridge
    11. Oktober 2015

    Ich denke, der eine oder andere Tipp hätte durchaus besser ausgeführt werden, ein paar andere eher selbstverständlich. Daher ist das für mich nicht die Neuerfindung des Rades.

    Für manche Eltern mag das ein erster Ansatzpunkt sein, auch wenn man sich dann definitiv noch ausführlicher informieren sollte.

  6. strawberries
    11. Oktober 2015
    BrooklynBridge

    Die Eltern sollten keine Annahmen über die Sexualität ihres Kindern treffen. So sollte man das Kind nicht mit heteronormativen Erwartungen (z.B. eines Tages Kinder zu bekommen) unter Druck setzen. Umgekehrt sollte man sein Kind aber auch nicht Vermutungen, LGBT zu sein.

    darauf wird kommentiert:

    Incitatus

    Vor allem der erste Punkt klingt auf Dauer unmöglich umzusetzen.

    und ich meine, dass man das durchaus umsetzen kann, @Incitatus . Man kann zum Beispiel fragen: "Bist du in jemanden verliebt? Wünschst du dir eine Beziehung?" – damit sagt man noch nichts darüber aus, ob man von einer gleichgeschlechtlichen Beziehung oder einer im "klassischen Sinne" hat.

    Off-Topic:
    Ich selbst bezeichne mich bspw. als "hetero mit einer ausgeprägten Bi-Ader". Soll heißen, ich würde nie mit einer Frau eine Beziehung führen wollen, fühle mich aber trotzdem zu ihnen hingezogen und hab auch schon mal was mit einer Frau gemacht. Davon weiß in meiner Familie niemand, mein Partner weiß es, ganz wenige Freunde wissen es. Ich wüsste selbst nicht, wie ich mich besser bezeichnen sollte, was meine sexuelle Orientierung betrifft…

    Ich bin ja nicht 50:50 bi, also dass ich Männer und Frauen gleichermaßen anziehend finde. Ich bin eher so 70:30 für Männer. Wenn man jetzt aber sagt "ich bin bi", dann heißt das wohl, dass man Frauen und Männer gleichermaßen anziehend findet und auch mit beiden Geschlechtern eine Beziehung eingehen würde.

  7. cr4nberry
    11. Oktober 2015

    Ich unterliege irgendwie der Träumerei, dass das in unsere Generation (also wir = Eltern) kein Problem mehr darstellt.
    Ich habe früher mit LGBTs (mit mir dann eine Truppe aus LGBTSs) in meiner Altersgruppe Schulaufklärung über die sexuelle Identität durchgeführt.
    Was meine Kollegen da ständig von ihren Coming Outs und den Reaktionen ihrer Eltern erzählt haben, war wirklich schaurig. Bei vielen hat sich das Verhältnis zum Glück wieder eingerenkt, bei einigen gar nicht.
    Jedenfalls waren die Eltern häufig nicht die Stütze, die sie in so einer Situation sein sollten.
    Andererseits empfand ich auch viele Sorgen der Elter als nachvollziehbar. So sagten die eines Transmanns, sie hätten eine Tochter verloren, aber auch einen Sohn dazu gewonnen. Denn eine Geschlechtsumwandlung ist ja nicht nur ein äußerer Prozess. Das fand ich immer ziemlich ergreifend und irgendwie halt nachvollziehbar.

    Diese Tips halte ich – wie gesagt – in meiner Naivität für selbstverständlich.

  8. simon1986
    11. Oktober 2015

    Als "technische Ratschläge" finde ich es nicht schlecht. Aber die Bereitschaft die Sexualität der Kindes zu akzeptieren muss bereits da sein. Solang der Begriff "Outing" noch herum geistert sind wir noch nicht so weit.

    Für Eltern die keine Vorurteile haben, sind die Tipps irgendwie unfreiwillig komisch.
    Den Eltern die Homosexualität für eine Verfehlung halten, helfen sie nicht.

  9. g_hoernchen
    11. Oktober 2015

    Überflüssig find ich das überhaupt nicht, wenn ich an mein Outing und an meine Eltern zurückdenke. Selbst wenn die Formulierung einiger Punkte noch verbesserungswürdig ist, im Kern steckt da vieles drin, was Eltern beherzigen sollten.

    Und Ja, selbst wenn es für Viele erstaunlich scheint, dass auf so etwas in unserer heutigen (angeblich) so offenen Gesellschaft noch hingewiesen wird: Meine Mutter (eine eigentlich sehr offene, tolerante Person) bestätigte mir, dass es ganz anders ist, wenn es plötzlich das eigene Kind betrifft.

    Eltern haben nun mal Vorstellungen ihren Kindern gegenüber, nur die Ausprägung dessen ist eben verschieden. Ich rede hier nicht von Frühchinesisch oder Geigenunterricht, sondern dem Wunsch, dass das Kind ein glückliches Leben führen soll. Und "Glück" messen viele Eltern erst einmal an ihren eigenen Maßstäben. Da steht dann womöglich gar nicht die Sorge über die "Andersartigkeit" des Kindes an sich im Vordergrund, sondern die Angst, dieses könnte es nun in der Gesellschaft schwieriger haben, mehr anecken etc.

    Von daher – Allein die Tatsache, dass sich Eltern mit einem Coming Out an sich beschäftigen wollen, ist rein positiv und wenn Manchen dann eben durch das Lesen solcher Tipps geholfen ist, kann ich keinen Schaden erkennen.

  10. Ravenna
    11. Oktober 2015

    Für mich wären diese Punkte selbstverständlich und mir ist es in einem gewissen Sinn auch egal, welche Orientierung meine künftigen Kinder haben. Wenn sie glücklich sind, dann ist mir egal, ob Männlein oder Weiblein mein Schwiegerkind wird :zwinker:

    Ich sehe es außerdem ähnlich wie @Antyla.
    So hoffe ich meine Kinder auch erziehen zu können, bzw sie so aufwachsen zu lassen, dass nicht das Gespräch aufkommt, dass das Kind auf das gleiche Geschlecht steht oder was auch immer. Ich hoffe, es wird mir den oder die Glückliche(n) einfach vorstellen können, wie man seine(n) Liebste(n) halt mal mit heim bringt
    (wie umsetzbar das ist ist eine andere Frage, aber ich hoffe, dass es mir zumindest ansatzweise gelingen wird)

  11. SecretWoman
    11. Oktober 2015
    strawberries

    .

    Off-Topic:
    Ich selbst bezeichne mich bspw. als "hetero mit einer ausgeprägten Bi-Ader". Soll heißen, ich würde nie mit einer Frau eine Beziehung führen wollen, fühle mich aber trotzdem zu ihnen hingezogen und hab auch schon mal was mit einer Frau gemacht. […] Ich wüsste selbst nicht, wie ich mich besser bezeichnen sollte […]
    Off-Topic:
    Bei mir ist es genauso, es gibt aber mittlerweile einen Begriff dafür: heteroflexibel :zwinker:
  12. Mondfinsternis
    11. Oktober 2015

    Ich fürchte, solche Tipps erreichen nur einen Bruchteil der anvisierten Zielgruppe. Nämlich Eltern, die bereits offen und wohlwollend damit umgehen und sich noch besser informieren wollen. Ich denke, das meiste davon, wissen diese Eltern dann schon oder hätten instinktiv auch so gehandelt.
    Homophobe Eltern würden sich diese Tipps niemals durchlesen oder sich nur drüber lustig machen.
    Und Eltern, die sich ihren Ängsten noch nicht stellen können, wollen das natürlich auch nicht und würden solchen Tipps aus dem Weg gehen.
    Von daher glaube ich nicht, dass solche Tipps etwas ändern können – Eltern betroffener Kinder, die bereits richtig damit umgegangen sind, lesen das vielleicht und freuen sich, dass sie alles richtig gemacht haben und Eltern, die selbst keine betroffenen Kinder haben, denken sich vielleicht "Oh schön, ich bin ein/e gute Mutter/Vater, so hätte ich das auch gemacht." 😀

    Heißt: Entweder man braucht diese Tipps nicht oder man nimmt sie eh nicht an. Vielleicht bin ich aber auch nur etwas verbittert durch meine eigenen Eltern. :ups:
    Allgemein bin ich der Meinung, man könnte vieles noch besser ausführen und mehr auf die Eltern selbst eingehen.
    Eltern, die damit Probleme haben, würden sich sicher gerne auch angesprochen und verstanden fühlen.
    Sie sollten wissen, wohin sie sich mit ihren Ängsten wenden können, weil die Ängste ja das eigentliche Problem sind. Der richtige Umgang mit betroffenen Kindern nützt da erstmal wenig.

    Den ersten Tipp finde ich auch nicht realisierbar. Ich glaube, dass krampfig und schwierig zu vermeiden ist, dass Thema Kinder/Enkel/spätere Lebenspartner anzusprechen. Kommt dann einfach nur auf die Art und Weise an, wie das geschieht. Ich selbst fand das z. B. nie schlimm, eher lästig. Ich fühlte mich dadurch nicht unter Druck gesetzt. Es hat mich nur wütend gemacht. Vor allem in der Verwandtschaft das ständige Nachbohren, wenn ich endlich eine Freundin habe – Cousins und Cousinen wären schließlich auch schon längst so weit. Ich hab mich mit der Zeit auch mehr und mehr distanziert, weil ich wusste, ich würde in dieser Familie immer nur der Schwulibert sein, über den gelacht wird und der gefragt wird, ob er auf kleine Jungs steht. Danke, kein Bedarf. :pfff: Gab ohnehin schon immer kognitive Schwierigkeiten in meiner Familie. :tongue: Hätte mich also sicher auch ohne das Zusatzproblem Homosexualität distanziert.
    Btw… ich glaube, selbst ich als schwuler Vater würde meine Tochter oder meinen Sohn sicherlich mal humorvoll auf Kinder/Enkel oder Jungs und Mädchen ansprechen – aber nur um das Gefühl zu vermitteln, dass es immer angenommen ist, egal wer oder was es sein möchte.

    Und wie gesagt – die Frage "Wie stelle ich mich meinen Ängsten?", sollte klar beantwortet werden. Denn die betroffenen LGBT haben ja selbst Ängste, mit denen sie sich an niemanden wenden können. Wäre ja schön, wenn die Eltern ihnen da eine Stütze sein könnten und nicht noch suggerieren, dass es wirklich ein Problem ist, schwul zu sein á la "Wir haben nichts dagegen – aber die Welt da draußen ist dein Feind." :ups:
    Wäre schön, wenn Eltern diese Ängste nicht noch verstärken, sondern dem Kind das Gefühl vermitteln könnten, dass es eine Bereicherung für die Welt ist… und auch selbst helfen die nötigen Schritte in die Tat umzusetzen, sei es ein nötiger Schwulwechsel bei Zwangsouting oder so.

    Ich musste z. B. in der Schule mit einem Outing durch meine Exfreundin klar kommen. Meine Eltern fanden, ich hätts nicht anders verdient, wenn ich schon so einer bin. War kein schönes Gefühl. Wäre ich halt normal geblieben und würde mir nicht einreden… :sorry: Ich hatte dadurch ziemliche Schuldgefühle, die mich auch bis heute im Bezug auf meine Sexualität prägen. Ich fühle mich oft noch heute so, als hätte ich die Probleme die mir meine Sexualität in der Gesellschaft macht, selbst verursacht, weil mir halt suggeriert worden ist, ich hätte eine Wahl gehabt und hätt mich für den falschen Weg entschieden.

    Ich war immer der Meinung, meine Eltern hätten es ganz gut aufgenommen – weil sie nicht ausgerastet sind, aber sie haben mich im Grunde immer spüren lassen, dass sie mich so nicht haben wollen. Sie haben meine Probleme, die mir durch die Homosexualität entstanden sind, ins lächerliche gezogen und mich nie ernst genommen.
    Wie schon im Tipp steht… ständig dieses "Du kannst ja jetzt noch gar nicht wissen, ob…"
    Bis zu meiner aktuellen Beziehung, bis vor ca. einem Jahr noch, wurde ich wiederholt gefragt, ob ich endlich eine Freundin habe – kein Wort über diese "Phase" von damals.
    Sie haben meine Homosexualität verdrängt und mir damit auf "untypische" Weise klar gemacht, dass sie keinen schwulen Sohn haben möchten.
    Und trotzdem haben sie mich auch bei Bedarf vor anderen geoutet "Unser Sohn glaubt ja auch, dass er so einer ist…"
    Ich bin mir nicht sicher, ob und wie sehr mich das in all den Jahren geprägt und verletzt hat. Meine Eltern haben sich früher schon noch mehr geleistet, so dass mich der Umgang mit meiner Homosexualität gar nicht mehr wirklich erschrocken hat. Das hat unser Verhältnis nicht schlimmer gemacht, als es war und eigentlich war ich damals froh, dass sie mich weder raus geworfen noch offensiv beleidigt haben. Die Verdrängungsmasche und Erheiterung war da noch die angenehmere Alternative, auch wenn es zwischendurch natürlich mal einen weniger schönen Streit hier und da gegeben hat und ich immer den Eindruck hatte, meine Eltern waren echt glücklich, als ich dort verschwunden bin, bevor die Nachbarn noch mitbekommen, was sie da in die Welt gesetzt haben. :sorry:

    Ich glaube nicht, dass die Tipps bei meinen Eltern was geändert hätten.
    Sie hätten drüber gelacht und darauf beharrt, ihr Sohn wäre ja nicht schwul, der redet sich das nur ein.
    Die Eltern, die diese Tipps ziemlich nötig hätten, fühlen sich davon sowieso nicht angesprochen – zumal sie ja auch nur die Ängste triggern.

  13. Firebird
    Firebird
    11. Oktober 2015

    Ich denke einfach, dass Eltern ganz normale Erwartungen an ihre Kinder haben. Ob die dann erfüllt werden, steht auf einem anderen Blatt. So ein Kind wird jetzt aber auch keinen Schaden davontragen, wenn er vom Enkelwunsch seiner Eltern weiß.

    Das Coming out ist ein Prozess, durch den man nun mal als Betroffener durch muss. Dazu gehört das eigene, wie auch das vor anderen. Ich denke nicht, dass man ein Kind da permanent in Watte packen muss. Oft entwickelt sich aus dieser Zeit ein neues Verhältnis, eine neue Denkweise hinsichtlich der eigenen Eltern – das muss ja nicht immer negativ sein.

    Die im Artikel genannten Punkte sind deshalb überflüssig, weil sie eine Grunddenkweise innerhalb der Erziehung darstellen – die sollten zwar eigentlich alle Eltern verfolgen, aber es wäre naiv zu glauben, dass es dann wirklich so ist. Jeder erzieht seine Kinder, wie er oder sie es für richtig hält – und sicher nicht nach irgendwelchen gut gemeinten Zeitungsartikeln.

    Davon abgesehen finde ich es auch völlig normal, wenn Eltern nicht glücklich mit der sexuellen Orientierung ihres Kindes sind. Man muss ja jetzt nicht alles toll finden. Ich selbst wünsche mir für mein Kind auch, dass er möglichst NICHT schwul wird, sondern eine klassische Beziehung führen kann. Wenn das dann anders ist, wird mich das jetzt zwar nicht in Depressionen stürzen, aber natürlich wäre ich traurig und genauso verunsichert, wie viele andere Eltern auch.

  14. Eswareinmal
    15. Oktober 2015
    Firebird

    Ich selbst wünsche mir für mein Kind auch, dass er möglichst NICHT schwul wird, sondern eine klassische Beziehung führen kann. Wenn das dann anders ist, wird mich das jetzt zwar nicht in Depressionen stürzen, aber natürlich wäre ich traurig und genauso verunsichert, wie viele andere Eltern auch.

    Das finde ich gerade durchaus überraschend. Wieso wärst du denn traurig darüber? Wieso verunsichert?
    Ich bin einfach deshalb überrascht, WEIL du schwul bist. Ich hätte gedacht, als jemand, der selbst dann, hm, einfach einen anderen Lebensstil als "VaterMutterKind" praktiziert, wäre es dir eher "Egal". Deswegen interessiert mich, welche negativen Vorstellungen du da hast.

    Ich glaube leider, dass all die Tipps nichts bringen. Als ich mich als Jugendliche und junge Erwachsene daheim geoutet habe, hab ich echt alles versucht. Ich habe Briefe geschrieben, geredet, geschrien, bin mit Pro Familia-Broschüren herumspaziert, hab Freundinnen pro Familia-Broschüren und Briefe bringen lassen… völlig egal. Wenn für Eltern Homosexualität ein Makel ist, helfen alle Tipps nichts. Wie hier schon geschrieben wurde: für Eltern, für die es kein oder kein dramatisches Problem darstellen würde, sind die Tipps überflüssig. Für alle anderen leider sinnfrei. Schade. Traurig.

  15. Wentj
    15. Oktober 2015

    Ich stimme dem Grundtenor hier in der Diskussion zu. Und jetzt noch mit Kommentar:

    BrooklynBridge

    Die Eltern sollten keine Annahmen über die Sexualität ihres Kindern treffen.

    Das funktioniert meiner Meinung nach einfach nicht. Es gibt halt nunmal sex und gender und irgendwie muss man das Kind ja erziehen. Wie sollte man ein Kind absolut neutral erziehen? Ich empfand beispielsweise nie, dass ich als heterosexuell weiblich erzogen wurde. Wenn ich mit meinen Cousins raufen wollte durfte ich das, wenn ich kein Kleidchen anziehen wollte musste ich nicht. Aber gerade den Kinderwunsch kann man ja unabhängig vom Geschlecht ansprechen. Für mich schliesst Homosexualität keinesfalls einen Kinderwunsch aus. Schwieriger finde ich die Nachfrage nach einer Beziehung: man fragt schnell mal nach Freund oder Freundin. Partner hat halt etwas Sachliches, Erwachsenes. Im Dialekt meines Freundes gibt es aber ein Sächliches Wort dafür, vermutlich muss ich das bis dann in meinen aktiven Wortschatz aufnehmen.

    Das hier:

    BrooklynBridge

    Eltern sollten sich ihren Ängsten stellen.

    BrooklynBridge

    Eltern sollten aufgeschlossen sein.

    BrooklynBridge

    Eltern sollten immer ein offenes Ohr für ihre Kinder haben.

    BrooklynBridge

    Bedingungslose Liebe.

    BrooklynBridge

    Dem Kind Glauben schenken.

    Ist für mich aber auch abseits von dieser Frage selbstverständlich – oder sollte es zumindest sein.

    BrooklynBridge

    Sich für den Mut und die Offenheit bedanken.

    Problematisiert man es damit indirekt nicht gleich wieder? Ich finde bedanken in dem Kontext förmlich und irgendwie seltsam. Ich würde eher sagen: "Ich finde es schön, dass du mir das erzählt hast." So wie meine Mama, als ich ihr von meinem ersten Freund erzählt habe.

    BrooklynBridge

    Seine eigenen Ängste und Nöte ausdrücken.

    Vielleicht stehe ich auf dem Schlauch, aber ich kann mir im Moment nicht vorstellen was das sein sollte. Für mich ist im Moment klar, dass ich mich nur der Sorgen und Nöten meines Kindes annehmen werden. Auch mich würde deshalb noch eine Rückmeldung von @Firebird freuen. Das soll keinesfalls eine Kritik sein an denen, die solche Ängste haben, aber ich kann mir im Moment einfach keine vorstellen.
    Und in Kombination mit dem vorherigen Tipp stelle ich mir das Gespräch einfach nur grauslig vor.

    BrooklynBridge

    Niemals das Kind vor anderen outen

    Auch hier: Das ist selbstverständlich für mich.

    Ich habe einige LGBT in Freundes- und Verwandtenkreis. Das gab in dem Kern, der davon weiss nie seltsame Reaktionen oder Probleme, sondern wurde immer offen angenommen. Fand ich auch von den Eltern jeweils sehr schön. Allerdings ist niemand vollständig geoutet und niemand will das in absehbarer Zeit tun. Muss man ja auch nicht. Denn bei diesen Kreisen handelt es sich eh um solche, wo die sexuelle Beziehung nicht wirklich Gesprächsthema ist. Es wird also nicht geleugnet, aber halt auch nicht rumerzählt. Es interessiert einfach nicht.
    Ich habe mich für meinen besten Freund sehr gefreut, als er mir seinen Freund vorgestellt hat. Er ist für mich immer noch der gleiche Mensch wie vorher, weshalb ich glaube, dass ich mir keine Sorgen machen muss als Mutter falsch zu reagieren. Dass diese Haltung allerdings nicht selbstverständlich ist hat mir seine Reaktion leider sehr deutlich gezeigt. Aussagen wie "Ich wusste schon immer, dass du so einer bist" und "Woah, das hätte ich jetzt nie von dir gedacht" haben ihn manchmal schon getroffen. Vor allem da es zu diesem Zeitpunkt bereits eine geoutete Frau in seinem Freundeskreis gab, bei der nie solche Sätze gefallen sind. Es scheint hier irgendwie einen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Homosexuellen zu geben, den ich mir nicht so ganz erklären kann.

    Leider denke ich auch, dass der Artikel dort wo es wirklich nötig wäre nicht zu einem Umdenken führen wird, aber wenigstens die anderen in ihrem Handeln bestärken kann.

  16. GreenAndGrey
    15. Oktober 2015
    Wentj

    Aber gerade den Kinderwunsch kann man ja unabhängig vom Geschlecht ansprechen. Für mich schliesst Homosexualität keinesfalls einen Kinderwunsch aus.

    Im Prinzip tut es das natürlich nicht, aber die Schwierigkeit dessen Umsetzung ist dann doch sehr stark geschlechtsabhängig.

  17. Wentj
    15. Oktober 2015
    GreenAndGrey

    Im Prinzip tut es das natürlich nicht, aber die Schwierigkeit dessen Umsetzung ist dann doch sehr stark geschlechtsabhängig.

    Das stimmt natürlich und da gebe ich dir absolut recht. Aber jetzt irgendwie das Thema Kinderwunsch zum Tabu zu erklären finde ich auch doof. Nur weil das Kind evtl. Probleme bei dessen Umsetzung oder gar keinen haben könnte? Dann darf man nie wieder irgendjemanden fragen ob er/sie Kinder will.

  18. GreenAndGrey
    15. Oktober 2015

    [QUOTE="Wentj, post: 12484207, member: 144187" Aber jetzt irgendwie das Thema Kinderwunsch zum Tabu zu erklären finde ich auch doof. Nur weil das Kind evtl. Probleme bei dessen Umsetzung oder gar keinen haben könnte? Dann darf man nie wieder irgendjemanden fragen ob er/sie Kinder will.[/QUOTE]

    Fragen darf man sicherlich. Es spricht auch nichts dagegen, dass Eltern sich Enkel wünschen. Schwierig wird es dann, wenn sie versuchen, diesen Wunsch schon in die Erziehung ihrer Kinder mit einzubauen. Das ist ja erstmal völlig unabhängig von der möglichen sexuellen Orientierung der Kinder zu sehen, gibt ja genügend andere Gründe für (un)gewollte Kinderlosigkeit. Und dann stehen die Kinder da und "müssen" neben den eigenen eventuell vorhandenen Zweifeln auch noch mit den durch die Eltern vorgegebenen Schuldgefühlen umgehen.

  19. MrShelby
    MrShelby
    15. Oktober 2015

    Aber jetzt mal ehrlich: Wie soll denn Erziehung so ganz neutral bzw. in alle Richtungen "sensibel" funktionieren, damit sich das Kind bloß nicht in irgendeiner Weise einegschränkt fühlen könnte?

    -Nie über den Beruf reden, da das Kind ja evtl. Lebenskünstler werden will?
    -Nie über Sexualität reden, da das Kind ja asexuell sein könnte?
    -Nie über Beziehungen reden, da das Kind evtl. Einzelgänger ist?
    etc.

    So gesehen kann man immer mit der "Aber wen du dieses und jenes überhaupt, setzt du das Kind unter Druck"-Keule kommen.

    Wie ist dann die Alternative? Immer ein diffuses Nichts im Sinne von "Also es gibt ja so viele Lebensstile, die ja alle voll supi sind" betonen?

    Ich finde es total legitim, wenn Eltern Erwartungen haben und man dann eben sieht, inwieweit diese realitätskompatibel sind. Die üblichen Kämpfe werden dann ja eh ab der Pubertät ausgetragen.

  20. GreenAndGrey
    15. Oktober 2015
    MrShelby

    Aber jetzt mal ehrlich: Wie soll denn Erziehung so ganz neutral bzw. in alle Richtungen "sensibel" funktionieren, damit sich das Kind bloß nicht in irgendeiner Weise einegschränkt fühlen könnte?

    -Nie über den Beruf reden, da das Kind ja evtl. Lebenskünstler werden will?
    -Nie über Sexualität reden, da das Kind ja asexuell sein könnte?
    -Nie über Beziehungen reden, da das Kind evtl. Einzelgänger ist?
    etc.

    Doch, aber eben nicht normativ. Es muss dabei bspw. klar werden, dass solche Aussagen wie "Wenn Du mal Kinder hast / Wenn Du mal Arzt wirst / …" nicht bedeuten, dass man den Lebensentwurf des Kindes für gescheitert hält, weil es selbst keine Kinder in die Welt setzt oder nicht Medizin studiert. Dass dieses "wenn" eben auch "falls" bedeuten kann.

    Ich finde es total legitim, wenn Eltern Erwartungen haben und man dann eben sieht, inwieweit diese realitätskompatibel sind.

    Klar ist es legitim, aber diese Erwartungen sollten halt nicht Maßstab für die Kinder werden, je weniger/mehr sie die Erwartungen erfüllen, umso weniger/mehr werden sie geliebt oder sind sie "wert".

  21. 15. März 2016

    However, it is virtually all done with tongues rooted solidly in cheeks, and everyone has absolutely nothing but absolutely love for his or her friendly neighborhood scapegoat. The truth is, he is not just a pushover. He is basically that special variety of person strong enough to take all of that good natured ribbing for exactly what it is.

  22. 17. Juni 2016

    Substantially, the post is really the best on this laudable topic. I concur with your conclusions and will eagerly watch forward to your future updates.Just saying thanx will not just be enough, for the wonderful lucidity in your writing.

  23. MMM123
    30. Oktober 2017

    Ich finde auch, dass diese Punkte eigentlich selbstverständlich sein sollten. Ich denke bei Erwartungen ist auch immer die Frage im Vordergrund, wie ich sie äußere. Bringe ich dem Kind verschiedene Sichtweisen auch habe, oder versuche ich ihm meine aufzudrängen. Ich glaube es ist allerdings wichtiger einfach seine eigenen Einstellungen immer wieder zu hinterfrage, anstatt sich Listen für den Umgang mit dem eigenen Kind zu erstellen.

  24. BrooklynBridge
    BrooklynBridge
    17. November 2017
    Off-Topic:
    Oh… Eine halbwegs aktuelle Antwort. Und ich habe seither sogar ein Coming Out bei meinen Eltern hinter mir!

    Tatsächlich haben meine Eltern es unbewusst geschafft, alle Tipps zu beherzigen (außer was die Vorannahmen betrifft – aber das hätte man auch nicht erwarten können). Im ersten Eifer des Gefechtes sind auch ein, zwei… unglückliche Aussagen gefallen, aber nu… Ich denke, das sei sollte man jedem Zugestehen, ebenso wie eine gewisse Unsicherheit und Überforderung. Wobei ich natürlich erwachsen und gefestigt war, als das geschah. Wenn das Kind z.B. 14 ist, ist es sicher empfindlicher – aber auch dort würde ich Eltern raten: Setzt euch nicht unter Druck, perfekt zu reagieren. Ihm den Rücken stärken, ihm nichts ausreden wollen, und aufgeschlossene Fragen sind eine sehr gute Basis.

  25. deSade1814
    18. November 2017

    Ich hoffe die Gesellschaft ist irgendwann soweit das sich Menschen die Homosexuell Transgender oder Bisexuell sind als selbstverständlich erachtet werden.
    Oder dass ein Mensch nicht mehr verurteilt wird weil er BDSM praktiziert.
    Niemand kann sich seine Sexuellen Wünsche und Vorlieben aussuchen.
    Der eine möchte halt eine Frau, nächste einen Mann und wieder ein anderer Wichst mit der Damenuhr seiner Schwester…
    Ich finde jede Art der Sexualität ist normal auch wenn es Dinge gibt die ich verurteile ( Vergewaltigung von Kindern oder Tieren ). Trotzdem hat auch ein Pädophiler Mensch sich seine Neigung nicht ausgesucht ( er kann sich nur entschließen das Er sich behandeln lässt damit er keine Straftat begibt )

  26. BrooklynBridge
    BrooklynBridge
    18. November 2017

    Zustimmung zu deinem Beitrag, aber

    ich hoffe doch, Vergewaltigung von Erwachsenen verurteilst du ebenfalls. :zwinker:

  27. deSade1814
    18. November 2017

    Hey… SSC

    Nur wenn es nicht Einvernehmlich ist :tongue:
    ( Rape Play )

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