Das „HIV-Outing“ von Charlie Sheen ging in den letzten Wochen durch die Medien. Das Thema HIV, die Schuldfrage und die Folgen waren wieder in den Medien präsent. Wie Sheen erleben immer noch viele der weltweit 35 Millionen Menschen mit HIV Ausgrenzung und Stigmatisierung. Dagegen soll seit 1988 am 1.Dezember ein Zeichen gesetzt werden.

Seit Ende Oktober hängen daher überall in Deutschland Plakate, die darauf aufmerksam machen, dass die Diagnose HIV im Prinzip nichts ändert und das Zusammenleben weiterhin völlig unproblematisch ist. Auch auf Planet Liebe wurde die Frage „Was passiert, wenn dein Date HIV hat?“diskutiert. Auch hier wurde deutlich, dass oftmals veraltetes Wissen die Ursache für Ängste ist. Ein Grund mehr für uns die Kampagne zum Weltaidstag zu unterstützen! 🙂

Was passiert denn nun, wenn mein Freund/Kumpel/die Lehrerin des Kindes HIV hat? Prinzipiell muss gar nichts passieren. Der Fußballer kann weiter Tore schießen und seinen Verein unterstützen. Mit dem Kumpel kann man sich auch weiterhin die Bierflasche teilen. Die Lehrerin braucht, wie immer, starke Nerven und Geduld mit den Kleinen. Ein Infektionsrisiko besteht im normalen Alltag nicht!

Quelle: BZgA

Quelle: BZgA

Eine Infektion mit dem HIVirus geschieht nur, wenn Schleimhäute oder frische(!) Wunden in Kontakt mit Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit, Muttermilch oder Gehirnwasser eines unbehandelten(!) HIV Positiven kommen. Und auch dann muss es nicht zu einer Infektion kommen. Bedeutend sind hier auch Dauer, Menge und der Grad der Reibung mit dem man mit der Flüssigkeit in Kontakt kommt.

Im vergangenen Jahr haben sich ca. 3200 Menschen in Deutschland mit dem HIVirus infiziert. Das geht aus dem aktuellen Bericht des Robert  Koch-Institutes in Berlin hervor. Damit bleibt die Zahl der Neuinfektionen seit 2006 weitestgehend stabil. Auffällig sei dabei, dass die Zahl der heterosexuellen Neuinfektionen weiter zunimmt. Insgesamt sollen ca. 10500 Heterosexuelle in Deutschland betroffen sein. Gerade in dieser Gruppe wird die Diagnose oft erst nach Jahren gestellt. Geringeres Risikobewusstsein führe zu geringer Testhäufigkeit, niedrigen Testfrequenzen und daraus resultierend zu späten Diagnosen. Das RKI weist Mediziner daher darauf hin auch bei heterosexuellen Patienten einen HIV Test in Betracht zu ziehen.

Neuinfektionen bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) geht in den letzten Jahre leicht zurück. Schätzungsweise leben derzeit 53800 MSM mit HIV in Deutschland. Damit sind sie immer noch die Hauptbetroffenengruppe.

Die Anzahl der HIV Positiven, die unter Therapie stehen und dadurch unter die Nachweisgrenze des Immunschwächevirus gelangt sind, steigt von Jahr zu Jahr. Im Jahr 2005 hatten nur 2,2 Millionen Positive Medikamente. Im Jahr 2015  sind es fast 16 Millionen. Bis 2030 sollen (gemäß der Zielsetzung von UNADS) 90% aller HIV Infizierten weltweit Zugang zu Medikamenten haben (Quelle: UNAIDS November 2015).
Dank der modernen Medikamente können sie ein nahezu normales Leben führen. Liegt die Viruslast dauerhaft unter der Nachweisgrenze, ist auch Sex ohne Kondom bzw. die Schwangerschaft einer HIV Positiven Frau möglich. Das Infektionsrisiko sinkt massiv. (Weltweit existiert nur ein Fall wo eine Infektion unter Therapie nachgewiesen wurde.) Sex unter Therapie (auch bekannt als“Schutz durch Therapie“) gilt inzwischen (im Bezug auf HIV, nicht auf andere STIs) als genauso sicher wie Sex mit Kondomen (Deutsche Aids-Hilfe). In den USA (und ab 2016 auch in Frankreich) kann man inzwischen auch Medikamente erwerben, die vor einer Infektion schützen sollen (vergleichbar mit der Antibabypille) und den Risikogruppen so mehr Sicherheit geben sollen.

Nur 37% der Betroffenen weltweit haben Zugang zu Medikamenten. Die Versorgung mit Medikamenten ist vor allem in Subsahara-Afrika, Zentralasien und Osteuropa ein Problem .

Problematisch ist die Zahl von 13200 Menschen, die nichts von ihrer Infektion mit dem HIVirus wissen. Eine späte Diagnose führt nicht nur zu einer schlechteren Ausgangslage bei der Behandlung des Virus. Dem Risiko unwissend Andere zu infizieren soll künftig vermehrt durch Prävention und sinkende Barrieren für Testverfahren begegnet werden. Dazu müssen gerade die Bevölkerungsgruppen mit Risikokontakten sensibilisiert und auf Testverfahren aufmerksam gemacht werden.
Auch gegen die Stigmatisierung HIV-Positiver muss weiter vorgegangen werden. So stellt das RKI fest, dass „bei Män­nern, die Sex mit Män­nern haben, in Län­dern mit höheren Levels der Stig­ma­ti­sie­rung der Anteil diag­nos­ti­zier­ter HIV-Infektionen geringer und das Sexualverhalten riskanter ist“ (RKI 2015).

Bild: Planet Liebe ist auch in der U-Bahn aufmerksam :)

Bild: Planet Liebe ist auch in der U-Bahn aufmerksam 🙂

Heute ist HIV in Deutschland kein Todesurteil mehr. Dank moderner Medikamente können HIV-Positive weitestgehend normal leben und bedenkenlos am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Nur die Medikamente müssen konsequent eingenommen werden. Ein Umstand, den man sich durch den Gebrauch von Kondomen, einem bewussten Umgang mit seiner Gesundheit und sich selbst auch vermeiden bzw. minimieren kann.

Wir arbeiten daran, euch in den nächsten Wochen aktuelle Beiträge zum Thema HIV und HIV-Test, Post-Expositions-Prophylaxe (PeP), Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP), und ähnliche relavante Themen rund um das Thema präsentieren zu können.

Quellen und Links zum Weiterlesen:
Robert Koch-Institut: Neue Schätzungen zu HIV/Aids in Deutschland (Pressemitteilung 9.11.15)
Deutsche Aids-Hilfe :Schutz durch Therapie
S
piegel: HIV Infektionen nehmen unter Heterosexuellen zu
Weltaidstag.de
U
NAIDS: Pressemitteilung vom 24.11.2015