Syphilis als Großstadtphänomen

Syphilis als Großstadtphänomen

Kürzlich veröffentlichte das Robert-Koch-Institut in Berlin (RKI) die neuen Zahlen über die Verbreitung von Syphilis in Deutschland.  Noch nie gab es, seit der Wiedereinführung der Meldepflicht 2001, so viele Neuinfektionen in Deutschland!
Die Deutsche Hauptstadt bleibt leider auch in dieser unrühmlichen Statistik die Hauptstadt – die Presse titel: Berlin ist die Hauptstadt der Syphilis.

Das Ranking

Mit 39 Fällen auf 100.000 Einwohner ( 6834 Fälle) führt Berlin in der Statistik. Schon 2014 war Berlin Spitzenreiter Statistik. Damals gab es aber nur 31 Infektionen pro 100.000 Einwohner. Seit 2006 hat sich diese Zahl sogar mehr als verdoppelt (16,8).

Die neue Statistik des RKI belegt wieder mal die Tatsache, dass sich sexuell übertragbare Infektionen (STI) vor allem in Großstädten und Ballungszentrum ausbreiten. Auch Städte wie Köln (36 Fälle pro 100.000 Einwohner), München (30), Frankfurt (30), Düsseldorf (27), Leipzig (24), Hamburg (21) und Stuttgart (20) liegen weit über dem Bundesschnitt mit 8,5 Fällen.

Am niedrigsten seien die Zahlen aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen (maximal 3,7 Fälle pro 100.000 Einwohner) gewesen.

Was ist Syphilis?

Syphilis wird durch Treponema pallidum, ein Bakterium, hervorgerufen. Zunächst treten kleinere Geschwüre oder Knötchen im Intim– oder Mundbereich auf, die eine sehr ansteckende Flüssigkeit absondern, dabei manchmal aber weder sichtbar noch schmerzhaft sind. Diese Flüssigkeit wird vor allem beim Geschlechtsverkehr übertragen. Kondome schützen, können aber das Risiko aber nicht völlig auf Null senken, weil die Flüssigkeit auch über die Finger oder Kontakt mit Körperstellen, die nicht von Kondom geschützt werden, übertragen wird. Auch bei der gemeinsamen Verwendung von Sextoys sollten Kondome benutzt werden. Bei Infektionen im Mundraum kann auch Küssen und Oralsex zum Übertragungsweg werden. Die Verwendung von Kondomen oder Lecktüchern kann hier eure Gesundheit schützen.
Nach dem Abheilen der Geschwüre verläuft die STI in Schüben:
In der zweiten Phase kann Fieber oder Hautausschlag an Rumpf, Handflächen und Fußsohlen auftreten. In der Spätphase der Syphilis treten gummiartige verhärtete Knoten am ganzen Körper auf.

doctor-563428_1920Wie wird Syphilis behandelt?

Sollte man Anzeichen bei sich oder dem Sexualpartner feststellen, ist ein Gang zum Arzt Pflicht.  Der Bluttest bringt Gewissheit. Mit Penizillin lässt sich Syphilis gut behandeln und es sind keine Folgeschäden zu befürchten. Dabei müssen aber natürlich auch beide bzw. alle Sexualpartner behandelt werden, um den Ping-Pong-Effekt (gegenseitige Wiederansteckung) zu vermeiden.
Unbehandelt führt Syphilis nicht nur zu Hautausschlägen. Es kann nachhaltige und lebensgefährdende Organschäden, auch im Gehirn, hervorrufen und sollte daher unbedingt behandelt werden. Die Infektion wird daher auch anonym ans RKI gemeldet.

Nur bei Rund 30% der Infektionen wird die Erkrankung im Frühstadium entdeckt. Ein Grund mehr, gut auf sich, seinen Körper und seine Partner zu achten!

Warum die Großstädte?

Die deutschen Großstädte sind auch ein Raum für Party, Drogen, unverbindlichen und käuflichen Sex und (gerade im Bezug auf Städte wie Berlin und Hamburg) Sextourismus. Gerade in der „Schwulenszene“, sei die STI sehr verbreitet. Das RKI vermutet, aufgrund von Aussagen der Patienten, dass bis zu 85 Prozent der Infektionen bei Sex zwischen Männern übertragen wurde. Auch die Übertragung über käuflichen Sex steigt im Bundesdurchschnitt weiter an (146 Fälle).
In anderen Regionen der Welt wird Syphilis eher zwischen heterosexuellen Kontakten übertragen.

Egal mit wem oder wie ihr Sex habt: Achtet auf eure Gesundheit! Benutzt Kondome, Lecktücher und habt immer ein Auge auf euch, euren Körper und eure Partner.

Quellen und Links zum Weiterlesen:
Rundfunk Berlin-Brandenburg: Berlin ist die Hauptstadt der Syphilis
Merkur: Syphilis: Die meisten Fälle gibt es in Berlin
Liebesleben: Syphilis

Tripper bald resistent gegen Antibiotika?

Tripper bald resistent gegen Antibiotika?

So ganz neu ist das Thema nicht. In den letzten Jahren wurde immer wieder über resistente Stämme von sexuell übertragbaren Krankheiten wie Tripper berichtet. Auch das Robert-Koch Institut (RKI) in Berlin warnte 2014 war vor H041 – einem mutierten Erreger des Trippers, der 2011 zuerst in Japan entdeckt wurde. 2013 setzte die WHO Tripper wieder auf die Prioritätenliste der öffentlichen Gesundheit. Dort waren Geschlechtskrankheiten wie Tripper und Syphilis seit 1928 nicht mehr zu finden. Antibiotika waren seit dem billig und weitverbreitet. Die meisten STIs waren kein Problem mehr und schnell behandelbar.

Zum Jahreswechsel bringen britische Ärzte die aktuellen Entwicklungen durch einen Brandbrief aber erneut in den Fokus der Öffentlichkeit.

In Großbritannien warnt  eine Chefärztin aktuell in einem offenen Brief vor resistenten Stämmen der sexuell übertragbaren Krankheit Tripper (Gonorrhoe). In Leeds sei  bereits im März ein Stamm der STI (= Sexual transmitted Infektion) entdeckt worden, der bereits resistent „gegen einige Medikamente ist“.  Da der Stamm nicht auf das gängige Antibiotikum Azithromycn anschlug, verbreitete der Stamm sich offenbar auch in umliegenden Orten.
Der Tripper-Stamm  in Großbritannien sei dabei sich zu einer unheilbaren Krankheit zu entwickeln. Derzeit gäbe es nur wenige Alternative Behandlungsmöglichkeiten abseits der Antibiotika, welche aber noch effektiv eingesetzt werden können. Aber auch die Alternativen könnten durch neue Resistenzen bald nutzlos werden.

S. Hofschlaeger / pixelio.de

S. Hofschlaeger / pixelio.de

Problematisch ist das vor allem, weil viele Betroffene lange überhaupt keine Symptome bemerken und die Krankheit so weiter streuen können. So kann es zwar u.a. zu Schmerzen beim urinieren kommen, aber bei fast der Hälfte der infizierten Frauen und immerhin zehn Prozent der männlichen Betroffenen treten gar keine Symptome auf. So wurde Tripper im letzten Jahr zur zweit häufigsten STI in Großbritannien.
Langfristig kann ein unbehandelter Tripper, der durch Kontakt mit einer infizierten Schleimhaut beim Sex übertragen wird, zu Unfruchtbarkeit, Eileiterschwangerschaften, Bauchhöhlenentzündungen oder gar Blutvergiftungen führen.

Empfohlen wird von den britischen Medizinern daher der konsequente Gebraucht von Kondomen (gerade bei wechselnden und neuen Sexualpartnern) sowie regelmäßige Arztbesuche von Menschen mit erhöhtem Risiko. Darunter fallen laut RKI vor allem junge Menschen und Männer die Sex mit Männern haben und öfter den Sexualpartner wechseln sowie Sexarbeiter_innen. Die Diagnose erfolgt mit einem Abstrich von der betroffenen Region im Genital-, Anal- oder Rachenraum.

Tripper und Chlamydien sind die beiden in Europa am meisten verbreiteten bakteriellen Infektionen. Im Jahr 2011 zählte die europäische Seuchenbehörde ECDC in Stockholm 39.179 Fälle; 59 Prozent davon wurden aus Großbritannien gemeldet. Die hohen Zahlen ergeben sich für Großbritannien aus der Meldepflicht, die in vielen anderen Ländern für Tripper nicht besteht. In Deutschland wurde sie 2001 (bis auf Sachsen) abgeschafft.

Quellen und Links zum Weiterlesen:
Heipraxis.net: Tripper lässt sich künftig nicht mehr mit Arzneimittel behandeln?
Apothekenumschau: Tripper: bald unheilbar? (2014)
Robert-Koch-Institut: Gonorrhö (Tripper)

Studie: Jugendsexualität 2015 (BZgA)

Studie: Jugendsexualität 2015 (BZgA)

Heute wurde in Berlin die neue BZgA Studie „Jugendsexualität 2015“ vorgestellt. Schwerpunktthemen der Befragung sind Aufklärung in Schule und Elternhaus, erste sexuelle Erfahrungen, Verhütungswissen und Verhütungsverhalten. Befragt wurden 5750 Jugendliche (1750 mit Migrationshintergrund*) zwischen 14 und 17 Jahren im gesamten Bundesgebiet. Erstmals wurden in diesem Jahr auch die 18 bis 25 zu ihrer Einstellung und ihrem Verhalten zu Fragen der Sexualität und Verhütung interviewt.
Ergebnis: Die Jugendlichen haben nicht (wie es manchmal den Anschein haben mag) immer früher Sex. Auch das Verhütungsverhalten der Jugendlichen entwickelt sich weiter positiv! Die von der Presse auch als „Generation – Porno“ bezeichnete Generation von Jugendlichen scheint sich eher auf konservative Werte zu berufen.

Sex vor dem 14. Geburtstag ist und bleibt die absolute Ausnahme unter den Jugendlichen in Deutschland. Im Alter von 17 Jahren haben 2015 mehr als die Hälfte der Jugendlichen bereits ihre ersten Erfahrungen gemacht. Bis zum Ende des 19. Lebensjahres haben 90 Prozent der jungen Frauen ihr erstes Mal bereits hinter sich. Einen Unterschied gäbe es hier bei der Herkunt: Frauen mit ausländischen Wurzeln sind etwas später dran. Mit 21 Jahren haben zwei Drittel von ihnen Sex gehabt. Als Ursache werden auch sozialisationsbedingte Moralvorstellungen (28 Prozent „Kein Sex vor der Ehe“) angegeben. Bei den Mädchen deutscher Herkunft wollen nur 4% bis zur Ehe warten. Gerade bei jungen Mädchen spiele auch die Angst, „dass die Eltern davon erfahren“ eine große Rolle. Diese Angst verliert mit zunehmenden Alter jedoch an Bedeutung. Der Hauptgrund für Zurückhaltung in Sachen Sex sei bei den meisten Jugendlichen der fehlende Partner. Eine Beziehung ist dem Großteil der Befragten wichtig für das erste Mal.
Die jungen Herren sind bei ihren ersten Erfahrungen im Durchschnitt 2 bis 3 Jahre älter als die Damen.
Insgesamt seien die Jugendlichen auch offener für Bi- und Homosexualität. Knutschen mit dem gleichen Geschlecht sei für einen Teil kein Problem mehr, sich in Sachen Orientierung „festzulegen“ hingegen schon. Bestehen bleibt der Trend zur festen Beziehung. Forscher sehen darin einen Retro-Trend, den Willen es besser zu machen als die Elterngeneration, die von unbeständigen Beziehungen und Ehen geprägt sei (Berliner Morgenpost).

Eine eindeutig positive Tendenz verzeichnet die Studie beim Verhütungsverhalten. Über 90 Prozent der sexuell aktiven Jugendlichen gaben an, mit ihrem Partner oder der Partnerin über Verhütung zu sprechen. Insgesamt informieren sich viele Teenies vor ihren ersten Erfahrungen.
Heute haben „nur noch“ 6 Prozent der Jungen und 8 Prozent der Mädchen ihr erstes Mal ohne Verhütung. 1980 waren es noch 29 bzw. 20 Prozent! Ein sehr positiver Trend, der sich hoffentlich fortsetzt. Aber auch beim Verhütungsverhalten belegt die Studie kulturelle Unterschiede: So liegt die Zahl des gänzlich ungeschützten ersten Males bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei 10 Prozent. Aber auch hier gibt es sehr positive Entwicklungen: 2005 lag der Wert  noch bei 34 Prozent!

Tomizak / pixelio.de

Tomizak / pixelio.de

Insgesamt bleibt das Kondom das Verhütungsmittel Nummer 1 beim ersten Mal. 73Prozent der Jugendlichen gab dies an. Ein Großteil der Mädchen nimmt schließlich die Pille (Dazu kürzlich: Pillenreport 2015). Andere Verhütungsmittel sind eher unbedeutend.

Das Elternhaus spielt in Sachen Aufklärung heute eine wichtige Rolle. Auch zeigen sich deutliche Unterschiede bezüglich der Herkunft. 63 Prozent der Mädchen und 51 der Jungen deutscher Herkunft gaben ihre Eltern als zentrale Beratungsinstanz in Sachen Verhütung an. Bei Familien mit nichtdeutschem Hintergrund suchen nur 41 Prozent der Mädchen und 36 Prozent das Gespräch mit den Eltern.
Eine große Rolle kommt auch der Schule zu. Im Schnitt gaben 93 Prozent der Jugendlichen an, dass sie in der Schule aufgeklärt wurden. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund seien Lehrkräfte wichtige Bezugspersonen, weil ihnen vielfach die Eltern als Ansprechpartner fehlen. Der flächendeckende Sexualkundeunterricht ist nach Ansicht der Kinder- und Jugendärztin Thaiss auch der Hauptgrund für die „erfreulichen Ergebnisse“.

Überraschen euch die Ergebnisse?

*Damit sind in der Studie Jugendliche gemeint, „die selbst nicht die deutsche Staatsangehörigkeit haben oder bei denen mindestens einer der Elternteile bei der Geburt nichtdeutscher Staatsangehöriger war.“(BZgA)

Quellen und Links zum Weiterlesen:
BZgA: Pressemitteilung „Jugendsexualität 2015“
Süddeutsche Zeitung: So lieben und verhüten Jugendliche
Berliner Morgenpost: Jugendliche besinnen beim Thema Sex auf alte Werte

Kondomurteil

Kondomurteil

Es mag skurril klingen, aber am Düsseldorfer Landgericht wird ab heute tatsächlich über den „Kondomstreit“ verhandelt. Gegenstand des Prozesses ist der Verpackungsaufdruck des Berliner Kondom-Herstellers Einhorn. Bis vor kurzen konnten Kunden dort „1 Tüte à 7 Stück entspricht bis zu 21 Orgasmen“ lesen. Per einstweiliger Verfügung durch das Landgericht Düsseldorf war dem Berliner Star-Up dies untersagt worden. Antragsteller war ein Konkurent aus NRW, der zum Condomi-Gründer Gothe gehört. Inzwischen sind die Verpackungen an der entsprechenden Stelle geschwärzt.

Tomizak / pixelio.de

Tomizak / pixelio.de

Das Gericht begründet die Entscheidung mit der möglichen Irreführung der Kunden. Der mehrmalige Kondomgebrauch, nach dem Orgasmus des Mannes, kann zum defekt und damit zu ungewollten Schwangerschaften oder der Ansteckung von Geschlechtskrankheiten führen, wenn das Kondom beschädigt ist/wird. Dieser Fakt steht für alle Beteiligten außer Frage.

Die Firma Einhorn verweist darauf, dass mit den 3 Orgasmen pro Kondom auch zwei Orgasmen für die Partnerin mit eingerechnet wären und es somit kein erhöhtes Risiko gäbe. Dann würde die Rechnung für das klassische hetereosexuelle Paar stimmen.

Auch die Anwälte des Unternehmens argumentieren mit dem Werbeeffekt. Beabsichtigte Satire soll die jungen Käufer anlocken und als eben solche verstanden welche. Der Aufdruck würde sich damit an den Spruch „Kann Spuren von Feenstaub enthalten“ anpassen, den man auch auf Verpackungen der Firma Einhorn findet. An anderer Stelle sei außerdem deutlich vor dem Mehrfachgebrauch des Kondoms gewarnt worden – deutlicher als bei der Konkurrenz, die lediglich mit einer durchgestrichen 2 auf die einmalige Nutzung verweist.

Die Richterin bleibt vorerst bei ihrem Verbot. Kondome seien medizinische Produkte, die die Ansteckung vor Geschlechtskrankheiten (STIs) und ungewollte Schwangerschaften verhindern sollen. Es gelten somit besonders strenge Anforderungen an die Verpackungsangaben. Satire in der Beschriftung oder Werbung sei da, gerade für Jugendliche, missverständlich und gefährlich. RP Online stellt dazu die berechtigte Frage, wer sich im Eifer des Gefechtes denn die Packungsbeilage durchlese.

Laut Medienberichten verwandelt sich der Prozess für Einhorn in bares Geld. Auf der Homepage wirbt die Firma bereits mit dem neuen Bekanntsheitgrad. Das dürfte den Kollegen von Condomi und Co. gar nicht gefallen.

Ende November wird das Urteil im Kondomstreit erwartet. Wir sind gespannt!

Was haltet ihr von einem solchen Prozess?
Ist die Kritik am Aufdruck gerechtfertigt, überzogen oder vielleicht einfach nur eine gelungene (wenn auch weitreichende und vielleicht teure) Werbeaktion? Sollten solche Aufdrucke verboten werden?

Quellen und Links zum Weiterlesen:
Merkur.de  – Multiple Orgasmen Gericht fällt Kondom Urteil
Deutschland Radio – 21 Orgasmen sind nicht drin
RP-Online – Von 21 Orgasmen sind 14 leider gelogen

Pillenreport 2015

Pillenreport 2015

Eine aktuelle Studie („Pillenreport“) der Techniker Krankenkasse (TK) und der Uni Bremen kritisiert den Wandel der Pille vom Verhütungsmittel zum Lifestyleprodukt. Auch die gezielte Werbung der Pharmaindustrie in den sozialen Netzwerken wird vom TK Vorsitzenden und im Pillenreport scharf kritisiert. Die „Kostenloskultur“ im Internet trage auch dazu bei, dass Hersteller Werbung setzen können ohne das diese vom Konsumenten groß hinterfragt wird.

Quelle: Pillenreport/ Techniker Krankenkasse

Grafik: Pillenreport 2015 / Techniker Krankenkasse

Nachgewiesen wurde, dass die Pillen der zweiten Generation genauso sicher verhüten, wie die Produkte der dritten und vierten Generation, dabei aber ein geringeres Thromboseriskiko mit sich bringen. Trotzdem werden vor allem die Pillen der letzten zwei Generationen in Deutschland von ca. 7 Millionen Frauen in Deutschland eingenommen. Unter den 16-19 jährigen Mädchen nehmen ca. 60% die Pille. Bei den Mädchen unter 16 seien es ca. 7% und das nicht zur Empfängnisverhütung!

Auch in den Threads auf PL fällt in den letzten Jahren immer wieder auf, dass gerade junge Mädchen eine Pille nehmen wollen, die die Haut schöner und die Brüste größer macht. Vernachlässigt wird dabei oft das Thromboserisiko, das zu Schlaganfällen, Lungenembolien und im schlimmsten Fall auch zum Tod führen kann. Studien zu folge ist das Thromboserisiko der dritten Generation auf neun bis zwölf Embolien pro 10.000 Frauen und Jahr erhöht und damit um das 1,5- bis zweifache höher als bei Pillen der zweiten Generation. Auch die Pillen der sogenannten vierten Generation haben Studien zufolge ein ähnliches Risiko. Junge, gesunde Frauen mit Normalgewicht, die nicht rauchen, hätten nichts zu befürchten. Frauen, die rauchen und übergewichtig sind, zählen zur Risikogruppe und müssten (nicht nur von ihrem Frauenarzt) über diese Gefahr des Venenverschlusses aufgeklärt werden. Gerade sie sind besonders gefährdet!

Eine dänische Studie, aus dem Juni 2015, sieht einen Zusammenhang zwischen Hormongabe und der Herausbildung von Gliomen (Hirntumoren). Frauen, die mit einer Minipille verhüten, hätte ein leicht erhöhtes Risiko für diese Hirntumore. Weitere Studien sollen das jetzt prüfen und nachweisen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) weist in regelmäßigen Abständen auf die Risiken der modernen Antibabypillen hin. So wird vor allem Erstanwenderinnen und Frauen unter 30 Jahren empfohlen Pillen mit geringerem Thromboserisiko zu verordnen.

Auch der Pillenreport kritisiert die aktuelle Verschreibungspraxis. Marketing (auch über soziale Netzwerke), die bunte Aufmachung und die Präsenz  in den deutschen Frauenarztpraxen würden dazu führen, dass meist die neuen Generationen verschrieben werden, obwohl sie ein höheres Risiko bergen.

Die Pille ist eine der Ursachen, warum viele Frauen heute frei und unbeschwert ihre Sexualität ausleben können. Sie ist aber keines Falls ein Bonbon oder gar ein Lifestyleprodukt, dass jeder „einfach mal so“ nehmen sollte. Über mögliche Nebenwirkungen, abseits der Thrombose, gibt es auf PL mehr als genug Threads. Libidoverlust und Stimmungsschwankungen sind nur zwei der dort immer wieder auftauchenden Probleme. Trotzdem ist die Pille für viele Frauen die perfekte Verhütung und das kann auch gerne so bleiben. Ein bisschen mehr Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen (nicht nur von Apotheker 😉 ), kann aber mit Sicherheit auch nicht schaden. Gerade wenn man bedenkt, wie viele junge Mädchen bereits die Pille nehmen.

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Grafik: Pillenreport 2015/ Techniker Krankenkasse

Welche Erfahrungen habt ihr mit der Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen gemacht?
Haben eure FAs euch umfassend aufgeklärt?
Habt ihr euch bei der ersten Verschreibung gut beraten gefühlt?
Wurden euch verschiedene Produkte angeboten oder nur eins?

Quellen und Links zum weiterlesen:
Techniker Krankenkasse – Pillenreport 2015
nTV – Pillenreport warnt vor Thromboserisiko
Pharmazeutische Zeitung – Studie findet leicht erhöhtes Risiko

Bildquelle:
Grafiken: Pillenreport 2015/ Techniker Krankenkasse