Wir alle haben schon davon gehört, viele von uns haben auch schon Erfahrungen damit gesammelt, ein das Thema wurde im Forum schon des öfteren diskutiert (z.B. hier): Singlebörsen, Dating-Seiten, Plattformen für die Partnersuche. Eine Planet-Liebe-Userin, die gerne anonym bleiben möchte, hat kürzlich den Selbstversuch gestartet, und war so freundlich, einen ausführlichen Bericht zu schreiben.

 

Teil 1

Ein paar Monate solo, nach einer langjährigen, ernsthaften Beziehung. Das Interesse, neue Leute kennenzulernen, ist groß, die Möglichkeiten im Alltag gering. Dabei wäre ein bisschen vertraute Nähe gerade sehr schön. Aber wo kann man interessante Menschen kennenlernen, wenn es im Alltag nicht klappt? Zum Glück drängt sich im Internetzeitalter eine einfache Lösung auf: Dating-Plattformen. Als jemand, der den natürlichen Kennenlernprozess liebt, habe ich mich bisher immer gesträubt, diese unelegante und künstliche Form der Kontaktaufnahme für mich zu nutzen. Aber nachdem sich mehrere Wochen lang im Reallife immer noch nichts tut, freunde ich mich langsam mit dem Gedanken an. Probieren kann man’s ja mal.

Okay Cupido, zeig mir was du kannst

Ich recherchiere und lese viele Berichte von frustrierten Männern und arroganten Frauen über ihre Erfahrungen beim Online-Dating. Bevor ich mich bei einer Singlebörse anmelde, weiß ich schon ungefähr, was mich erwartet: Zu viele Männer, zu wenige Frauen, und der Spielplatz des anonymen Internets, wo alles erlaubt zu sein scheint. Mein Ziel: Ganz andere Leute kennenlernen als ich sonst treffe, mich ausprobieren, neue Erfahrungen sammeln, dabei an kein Arschloch geraten und selbst kein Arschloch werden. Eine Beziehung suche ich nicht, aber auch keinen One Night Stand, sondern irgendetwas dazwischen.

Ich lasse mir von Freunden OkCupid empfehlen. Diese Seite ist kostenfrei und zeichnet sich dadurch aus, dass man Fragen beantworten kann und mit Leuten gematcht wird, die angeblich zu einem passen. Außerdem erhält man auf Basis seiner Antworten eine Persönlichkeitseinschätzung. Die Seite will, dass ich ein Foto von mir hochlade, das idealerweise mein Gesicht zeigt. Entgegen aller Ratschläge, die ich bekomme, lade ich ein Foto hoch, auf dem weder mein Gesicht zu erkennen ist noch viel von meinem Körper. Bis auf die Ästhetik des Bildes nicht sehr aussagekräftig. Allerdings verfasse ich einen zum Profilbild passenden ironischen Profiltext, der in Kombination mit OkCupids Persönlichkeitseinschätzung hoffentlich bei den richtigen Menschen das Interesse weckt und gleichzeitig bei den falschen das Gegenteil bewirkt. Mir ist klar, dass ich mit dem gesichtslosen Foto weniger Leute anspreche, als wenn ich ein anderes Foto hochladen würde, aber auf einen Versuch lege ich es dann doch an.

„Would you like an American creampie?“

Interessanterweise hagelt es trotz des anonymen Profils von der ersten Sekunde an Likes und Nachrichten. Die Freunde, die mir von dem Profilfoto abrieten, erklären mir die verquere Singlebörsenlogik so: Wer sein Gesicht nicht zeigt, hat was zu verbergen. Dann melden sich eher die Leute, die sonst schlechte Chancen haben, weil sie denken, sie hätten mehr Glück bei einer vermutlich unattraktiven Frau. Ist das so? Wenn ja, wie traurig. Da ich mir vorgenommen habe, kein Arschloch zu sein, verfolge ich anfangs den Vorsatz, jede freundliche Nachricht zu beantworten, auch jene von für mich uninteressanten Profilen. Nach einem verregneten Wochenende verbracht vor dem Bildschirm mit der Beantwortung dutzender Nachrichten und dem Verteilen fast ebenso vieler Körbe, sehe ich ein, wie irrsinnig diese Idee war.

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Teil 3

Teil 4 / Fazit