Bisexuelle und homosexuelle Männer dürfen künftig in den Niederlanden offiziell Blut spenden. Bedingung: Sie dürfen in den letzten 12 Monaten keinen Sex gehabt haben! Eine ähnliche Regelung gibt es bereits in Großbritannien.

Die Aufhebung des Totalverbotes soll für mehr Gleichberechtigung sorgen. Die Wartezeit hebe das Totalverbot auf „ohne die Sicherheit der Blutprodukte zu gefährden“ (Schippers – Gesundheitsminister NL).

Aber ist das wirklich ein Schritt zur Gleichberechtigung?

LGBT – Aktivisten stimmen dem symbolischen Charakter der Entscheidung zwar zu. Betonen aber auch, dass die Änderung durch die Wartezeitregelung eigentlich für bisexuelle Männer, die eine Beziehung mit einer Frau führen gelten würde. Weiterhin gilt nicht das  Sexualverhalten (Wie viele Partner hatte man im Zeitraum X? War der Sex safe?) sondern die sexuelle Orientierung als Ausschlusskriterium für eine Spende.  Der Europäische Gerichtshof hat dieses Vorgehen im April in einem Grundsatzurteil für rechtmäßig erklärt, jedoch auch hervorgehoben, dass eine Einschränkung der Blutspende verhältnismäßig sein (eine Verbindung von Infektionszahlen und der sexuellen Orientierung muss nachgewiesen werden) muss.
Geklagt hatte ein Homosexueller aus Frankreich, der sich von den Bestimmungen diskriminiert fühlte.
Die Tatsache, dass Heterosexuelle aufgrund ihres Sexualverhaltens (viele wechselnde Partner, kein Safer Sex) teilweise höhere Risiken für die Spende mit sich bringen als ein gesunder schwuler Mann, der in einer monogamen Beziehung lebt, bleibt auch in Deutschland zunächst weiter unbeachtet. Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) fordert eine Regelung, die Blutspenden nach ungeschütztem sexuellen Kontakt für einen festgesetzten Zeitraum für alle Spender ausschließt.

In Argentinien ist das Blutspendeverbot für Männer, die Sex mit Männern haben vor zwei Monaten (übrigens ohne Wartezeit!) aufgehoben worden. Dort erklärte der Gesundheitsminister im September, dass homosexuelle Beziehungen nicht automatisch risikobehafteter als heterosexuelle Beziehungen sind. In Argentinien steht, wie in Bulgarin, Italien, Lettland, Polen, Portugal und Spanien, das individuelle Risikoverhalten im Fokus.
In den USA dürfen Homosexuelle übrigens nur Blut spenden, wenn sie seit 1977(!) enthaltsam gelebt haben.

Was haltet ihr von einer solchen Wartezeitregelung? Wäre das auch ein Modell für Deutschland? Ist das ein Schritt zu mehr Gleichberechtigung? 

 

Quellen und Links zum Weiterlesen:
queer.de: Niederlande – Keusche Schwule dürfen Blut spenden
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ueer.de: Argentinien hebt Blutspendeverbot für Schwule auf (September (2015)
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ueer.de: EU: Blutspendeverbot für Schwule kann rechts sein (April 2015)
zeit.de: Schwulen darf Blutspende verweigert werden (April 2015)