Auch wenn sie beide „-sexualität“ im Namen tragen, sind Homo-/Bisexualität und Transsexualität/Transgender doch zwei ganz verschiedene Paar Schuhe. Das eine bezieht sich auf die sexuelle Orientierung (welches Geschlecht liebt/begehrt man?), das andere auf die sexuelle Identität (welchem Geschlecht ist man zugehörig?).

Dennoch wird beides oft in einem Atemzug genannt, gerade wenn es um politische Initiativen geht. Unter dem Begriff „queer“ findet beides ein gemeinsames Dach (-> Gender Studies). Und es macht ja auch durchaus Sinn: Beide Gruppen streben nach gesellschaftlicher Akzeptanz und Freiheit von geschlechtlichen Zwängen. Doch die Lesbenbewegung ist außerdem seit ihrer Anfangszeit geprägt vom Feminismus. Und diese beiden Prägungen können in Konflikt geraten, sagt die Publizistin Andrea Roedig.

Es ist allgemein bekannt (und mitunter Gegenstand bösartigen Spottes), dass manche Frauen in der Lesbenbewegung besonders betont maskulin auftreten. Wen wundert es, dass in Zeiten steigender Bekanntheit und Akzeptanz von Transsexualität manche dieser „Butches“ einen Schritt weiter gehen, und sich vollständig als Mann identifizieren? Oft finden sie in der Lesbenszene Unterstützung und Ermutigung. Manche sind aber auch anderer Ansicht: Eine Butch, die ihr Geschlecht „wechselt„, ist keine Lesbe mehr, keine Frau mehr, ja nicht einmal mehr homosexuell. Sie Er ist ein heterosexueller Mann. Und dies löst bei manchen vergessen geglaubte antimännliche Reflexe aus. Denn selbstverständlich fühlen sich die Betreffenden nach wie vor in der Szene heimisch, in der sich somit ein unerwarteter Männeranteil einschleicht. Zugleich schrumpft mit jedem Butch-Transmann die Zielgruppe derjenigen homosexuellen Frauen, die auf Butches stehen.

Problematisch, so Roedig, sei eine Hinwendung zum herrschenden männlichen Modell, eine „phallische Überwindung des Weiblichen“. An diesem Punkt beiße sich Queer-Toleranz und feministische Überzeugung.

Interessanterweise wirkt das Outing als transsexuell für Butches oft sehr befreiend – auch was gesellschaftliche Diskriminierung betrifft. Scheinbar überwiegen die Vorurteile gegen „Kampflesben“ immer noch diejenigen gegenüber Transsexuellen.

Was haltet ihr davon? Könnt ihr ihren Gedanken nachvollziehen? Sehr ihr dort einen Konflikt, oder ist das in euren Augen eher das Relikt einer überholten Herangehensweise?

Habt ihr vielleicht persönliche Erfahrungen (von euch selbst, oder aus eurem Umfeld) mit dem Umgang mit Transsexualität unter Lesben?