Heute wurde in Berlin die neue BZgA Studie „Jugendsexualität 2015“ vorgestellt. Schwerpunktthemen der Befragung sind Aufklärung in Schule und Elternhaus, erste sexuelle Erfahrungen, Verhütungswissen und Verhütungsverhalten. Befragt wurden 5750 Jugendliche (1750 mit Migrationshintergrund*) zwischen 14 und 17 Jahren im gesamten Bundesgebiet. Erstmals wurden in diesem Jahr auch die 18 bis 25 zu ihrer Einstellung und ihrem Verhalten zu Fragen der Sexualität und Verhütung interviewt.
Ergebnis: Die Jugendlichen haben nicht (wie es manchmal den Anschein haben mag) immer früher Sex. Auch das Verhütungsverhalten der Jugendlichen entwickelt sich weiter positiv! Die von der Presse auch als „Generation – Porno“ bezeichnete Generation von Jugendlichen scheint sich eher auf konservative Werte zu berufen.

Sex vor dem 14. Geburtstag ist und bleibt die absolute Ausnahme unter den Jugendlichen in Deutschland. Im Alter von 17 Jahren haben 2015 mehr als die Hälfte der Jugendlichen bereits ihre ersten Erfahrungen gemacht. Bis zum Ende des 19. Lebensjahres haben 90 Prozent der jungen Frauen ihr erstes Mal bereits hinter sich. Einen Unterschied gäbe es hier bei der Herkunt: Frauen mit ausländischen Wurzeln sind etwas später dran. Mit 21 Jahren haben zwei Drittel von ihnen Sex gehabt. Als Ursache werden auch sozialisationsbedingte Moralvorstellungen (28 Prozent „Kein Sex vor der Ehe“) angegeben. Bei den Mädchen deutscher Herkunft wollen nur 4% bis zur Ehe warten. Gerade bei jungen Mädchen spiele auch die Angst, „dass die Eltern davon erfahren“ eine große Rolle. Diese Angst verliert mit zunehmenden Alter jedoch an Bedeutung. Der Hauptgrund für Zurückhaltung in Sachen Sex sei bei den meisten Jugendlichen der fehlende Partner. Eine Beziehung ist dem Großteil der Befragten wichtig für das erste Mal.
Die jungen Herren sind bei ihren ersten Erfahrungen im Durchschnitt 2 bis 3 Jahre älter als die Damen.
Insgesamt seien die Jugendlichen auch offener für Bi- und Homosexualität. Knutschen mit dem gleichen Geschlecht sei für einen Teil kein Problem mehr, sich in Sachen Orientierung „festzulegen“ hingegen schon. Bestehen bleibt der Trend zur festen Beziehung. Forscher sehen darin einen Retro-Trend, den Willen es besser zu machen als die Elterngeneration, die von unbeständigen Beziehungen und Ehen geprägt sei (Berliner Morgenpost).

Eine eindeutig positive Tendenz verzeichnet die Studie beim Verhütungsverhalten. Über 90 Prozent der sexuell aktiven Jugendlichen gaben an, mit ihrem Partner oder der Partnerin über Verhütung zu sprechen. Insgesamt informieren sich viele Teenies vor ihren ersten Erfahrungen.
Heute haben „nur noch“ 6 Prozent der Jungen und 8 Prozent der Mädchen ihr erstes Mal ohne Verhütung. 1980 waren es noch 29 bzw. 20 Prozent! Ein sehr positiver Trend, der sich hoffentlich fortsetzt. Aber auch beim Verhütungsverhalten belegt die Studie kulturelle Unterschiede: So liegt die Zahl des gänzlich ungeschützten ersten Males bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei 10 Prozent. Aber auch hier gibt es sehr positive Entwicklungen: 2005 lag der Wert  noch bei 34 Prozent!

Tomizak / pixelio.de

Tomizak / pixelio.de

Insgesamt bleibt das Kondom das Verhütungsmittel Nummer 1 beim ersten Mal. 73Prozent der Jugendlichen gab dies an. Ein Großteil der Mädchen nimmt schließlich die Pille (Dazu kürzlich: Pillenreport 2015). Andere Verhütungsmittel sind eher unbedeutend.

Das Elternhaus spielt in Sachen Aufklärung heute eine wichtige Rolle. Auch zeigen sich deutliche Unterschiede bezüglich der Herkunft. 63 Prozent der Mädchen und 51 der Jungen deutscher Herkunft gaben ihre Eltern als zentrale Beratungsinstanz in Sachen Verhütung an. Bei Familien mit nichtdeutschem Hintergrund suchen nur 41 Prozent der Mädchen und 36 Prozent das Gespräch mit den Eltern.
Eine große Rolle kommt auch der Schule zu. Im Schnitt gaben 93 Prozent der Jugendlichen an, dass sie in der Schule aufgeklärt wurden. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund seien Lehrkräfte wichtige Bezugspersonen, weil ihnen vielfach die Eltern als Ansprechpartner fehlen. Der flächendeckende Sexualkundeunterricht ist nach Ansicht der Kinder- und Jugendärztin Thaiss auch der Hauptgrund für die „erfreulichen Ergebnisse“.

Überraschen euch die Ergebnisse?

*Damit sind in der Studie Jugendliche gemeint, „die selbst nicht die deutsche Staatsangehörigkeit haben oder bei denen mindestens einer der Elternteile bei der Geburt nichtdeutscher Staatsangehöriger war.“(BZgA)

Quellen und Links zum Weiterlesen:
BZgA: Pressemitteilung „Jugendsexualität 2015“
Süddeutsche Zeitung: So lieben und verhüten Jugendliche
Berliner Morgenpost: Jugendliche besinnen beim Thema Sex auf alte Werte