Museums-Tipp: „Homosexualität_en“-Werbeplakat zu heißer Stoff für die DB

Museums-Tipp: „Homosexualität_en“-Werbeplakat zu heißer Stoff für die DB

Letztes Jahr war zwischen Juni und Dezember die Ausstellung „Homosexualität_en“ in Berlin zu sehen. Diesen Mai geht es in weiter Münster. Doch diesmal gibt es Ärger mit dem Werbeplakat der Ausstellung, die über Monate an den präsenten Stellen der Hauptstadt prangten. In den Augen mancher verletzt das Plakat zu viele Grenzen. Für die Deutsche Bahn ist es gar zu „sexualisiert“ und „sexistisch“, als dass es in Bahnhöfen gezeigt werden dürfe. Das umstrittene Plakat zeigt nackte, gepiercte Brüste, einen stark geschminkten Mund – ohne Zweifel Elemente, die schnell mit der Sexualisierung des weiblichen Körpers in Verbindung gebracht werden. Doch zugleich zeigt es auch einen muskelbepackten, vernarbten Oberkörper, ein markantes Gesicht. Die eigentliche Irritation des Bildes liegt nicht in der Nacktheit und im Make-Up, sondern darin, dass sich der abgebildete Mensch den klassischen Kategorien entzieht. Schnell ertappt man sich bei der Überlegung, ob dort nun eigentlich ein Mann oder eine Frau auf dem Plakat abgebildet ist – eine Frage, auf die Model und Künster_in Heather Cassils bewusst keine Antwort geben möchte. Die Verwendung der gegenderten Schreibweise, die sich auch im Ausstellungstitel wiederfindet, ist ein weiteres bekanntes Reizthema, an dem sich oft die Geister scheiden.

Das Plakat enthält keine Forderungen, es zwingt dem Betrachter keine Botschaft auf. Aber es provoziert, und regt zum Nachdenken an. Was man daraus macht, liegt im Auge des Betrachters selbst. Für die einen ist es ein Angriff auf traditionelle Rollenbilder, für die anderen ist es ein Symbol für Vielfalt und auf Aufbrechen klassischer Schubladen.

Doch worum geht es eigentlich genau bei der Ausstellung, deren Werbeplakat für solchen Wirbel sorgt? Das Bild zeigt uns bereits, dass es nicht nur um nüchterne Fakten und historisch-soziologische Abrisse geht (obwohl auch das thematisiert wird), sondern auch um die Fragen von Normalität und Heterogenität, um Emotionen und Kultur, und auch dass man nicht nur Homosexualität(en) im engeren Sinne, sondern das ganze Feld der LGBTIQ-Bewegung im Blick hat. Mikiyo bietet uns brandheiße Eindrücke aus erster Hand:

Die Ausstellung besteht aus verschieden Räumen mit entsprechenden thematischen Schwerpunkten.
Der Besucher beginnt mit im „Ersten Mal“. Hier geht es in Audio-Beiträgen  vor allem um die Selbsterfahrung und Gedanken zum Coming-Out. Persönliche Gegenstände, wie Briefe, Schmuck oder Schuhe der Interview-Partner runden diesen Bereich ab und bringen den Besucher näher an die Personen, die hier einen Einblick in ihren ganz persönlichen Selbstfindungsprozess geben. Dabei bleibt auch das Politische immer von Bedeutung.
Als nächstes folgt ein Raum, der durch Porträts, Selbstporträts und Fotos, die auf die unterschiedlichen Frauenbilder der Geschichte aufmerksam machen. Bei so manchem Foto  verharrt der Betrachter und überlegt, ob es sich bei den beiden Frauen auf dem Bild wohl um Freundinnen, Schwestern oder gar Geliebte handelt. Die Abweichung von der Heteronormativität wird durch Fotos des 20 Jahrhunderts und Darstellungen vielfältigen Lustempfindens und Eindrücken schwul-lesbischer Kultur in“Andere Bilder“ ergänzt.
Ein wirkliches Highlight der Ausstellung ist das „Wilde Wissen“. Dort werden in alphabetischer Reihenfolge Schlaglichter Gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse der LGBTIQ-Szene präsentiert. Nicht nur die Spiegel-Cover der 80er haben es in diesen Bereich geschafft. Auch ein Glory Hole und das Kaffeeservice, dass die deutsche Fußballnationalmannschaft der Damen 1989 als „offizielle Siegprämie“ des DFB für die Europameisterschaft erhielt, können hier bestaunt  (und natürlich kritisch hinterfragt) werden.
Besonders beeindruckend und bedrückend zugleich ist der Abschnitt „Schimpf und Schande“. Dort hört der Besucher in Akustik-Boxen sitzend, Bibel-Zitate und originale Audio-Dateien von Predigern, Politikern, Prominenten und Aktivisten. Hier geht es um die Thematisierung von Homophobie.
„Vor Gericht“ behandelt die juristische Situation und Entwicklung von Nichtheterosexuellen rund um den Globus. Gerichtsakten, Zeitungsartikel und eine beeindruckende Weltkarte geben einen Einblick in die, in vielen Ländern noch immer, problematische Situation vieler LGBTIQs.
Der Rosa Winkel gedenkt den queeren Opfern des Nationalsozialismus. Auch in den Jahrzehnten nach ´45 schwiegen viele Opfer, die in den Arbeits- und Konzentrationslagern den Rosa Winkel tragen mussten über ihr Leid und ihre Erlebnisse. Einige haben es doch getan. Ausgewählte Biographien bilden den Inhalt dieses Raumes.
Zwischen diesen Räumen befindet sich ein Kunstwerk von Heather Cassils. Mit Audioaufnahmen unterlegt, führt dieses Kunstwerk durchaus zu erneuter Irritation. Die Akustik ist auch noch im angrenzenden Bereich „Der Matrix“ zu hören. Dort geht es um den medizinisch, psychologisch und sexualwissenschaftlichen Blick. Auch hier belegen historische Dokumente den Wandel der Betrachtungsweise.

Alles in Allem handelt es sich bei Homosexualität_en um eine wirklich sehenswerte Zusammenstellung. Der Besucher, der nicht nur beiläufig einen Blick auf die Bilder werfen möchte, sollte viel Zeit mitbringen um die Ausstellung in vollem Umfang nutzen zu können. Wer einen Überblick über den gesellschaftlichen Umgang mit Homosexualität und Geschlecht und verschiedenen Aspekten erhalten möchte, sollte diese Ausstellung nicht verpassen!

Haltet ihr die Kritik am Plakat für gerechtfertigt?
Wer von euch war schon in der Ausstellung oder hat noch vor hinzugehen?

Was war euer Highlight? Würdet ihr die Ausstellung weiter empfehlen?

*Titelbild: Cover des Bildbandes zur Ausstellung. Das  gleiche Motiv ist auf den Werbeplakaten abgebildet.

Dieser Beitrag ist eine Kooperation von Brooklyn Bridge und Mikiyo.

Quellen und Links zum Weiterlesen
Spiegel.de: Mein Körper, das Kunstwerk
Deutsche Bahn zensiert „Homosexualität_en“-Poster
Homosexualität_en | Schwules Museum
„Homosexualität_en“: Deutsches Historisches Museum
Kulturstiftung des Bundes – Homosexualität_en
DHM: Homosexualität_en

Geplantes „Prostituiertenschutzgesetz“ umstritten

Geplantes „Prostituiertenschutzgesetz“ umstritten

„Mit unserem Gesetz werden wir sie vor Gefährdungen ihrer Gesundheit, ihrer sexuellen Selbstbestimmung und vor Gewalt wirksamer schützen und sie in der Wahrnehmung ihrer Rechte stärken.“, so Familienstaatssekretärin Elke Ferner (SPD).

Das neue „Prostituiertenschutzgesetz“, das nach den Plänen der Bundesregierung bis zum Herbst durch Bundestag und Bundesrat abgesegnet werden soll, sieht unter anderem vor, dass Bordelle vor Eröffnung einer Genehmigung und Überprüfung unterzogen werden sollen. Dabei muss ein Betriebskonzept vorgelegt werden. Durch die Prüfung und Genehmigungspflicht der Konzepte sollen menschenunwürdige Konzepte wie „Flatrate-Bordell“ künftig verboten werden und vom Markt verschwinden.
Arbeits- und Wohnräume müssen in den Freudenhäuser getrennt sein. Eine Notrufnummer für Prostituierte, die Drohungen oder Gewalt erfahren, soll eingeführt werden.  Eine strikte Kondompflicht soll risikobehaftetes Verhalten gegen Aufpreis unterbinden und so auch die Sexarbeiter(innen) vor STIs und HIV schützen. Bei der Verletzung der Kondompflicht drohen dem Freier bis zu  €50.000 Geldstrafe.

Weiterhin sollen sich Sexarbeiter in Deutschland fortan behördlich registrieren lassen, und regelmäßige Unterweisungen in rechtlichen und gesundheitlichen Fragen erhalten. Dies soll auch für Frauen und Männer gelten, die sich nur gelegentlich prostituieren und damit nicht ihren Lebensunterhalt verdienen. Besonders die Registrierungspflicht führt zu scharfer Kritik beim Bundesverband der Sexarbeiter und der deutschen AIDS-Hilfe. Eine solche Registierungspflicht (wie sie auch unter dem Nationalsozialismus bestand) führe zu Stigmatisierung und dränge Prostituierte in den Untergrund. Die Betroffenen seien somit für Schutz- und Hilfsmaßnahmen erst Recht unerreichbar.

„Uns ein Bündel von diskriminierenden Zwangsmaßnahmen als „Schutz“ verkaufen zu wollen, ist wirklich zynisch“, so Undine de Rivière, eine der Sprecherinnen des Berufsverbandes für sexuelle und erotische Dienstleistungen e.V.. „Eine Registrierung bei der Polizei wäre für viele von uns eine Katastrophe und käme einem Zwangsouting gleich. Wir brauchen weder Idiotentests für Sexworker noch einen Hurenpass. Statt jetzt etwas einzuführen, was wir nur „Prostituiertenkontrollgesetz“ nennen können, sollten erst einmal die ganzen bereits vorhandenen diskriminierenden Sondergesetze gestrichen, Bordelle ganz normal dem Gewerbeamt unterstellt und Sexarbeit endlich rechtlich anderen Berufen gleichgestellt werden.“
Eine solche Meldepflicht am Tätigkeitsort sei für die Branche illusorisch. Oft seien die Frauen nur wenige Wochen am selben Ort, manche arbeiten bundesweit. Die Trennung von Wohn- und Arbeitsräumen in Bordellen sei gerade die Frauen aus dem europäischen Ausland, die einen Großteil der Einnahmen in die Heimat schicken, eine Katastrophe. Sie müssten dann große Teile ihres Einkommens für Hotelzimmer und Mieten ausgeben.
Der Bundesverband fordert eine Ende der Stigmatisierung und die Anerkennung der Sexarbeit als normales Gewerbe. Andere Freiberufler, die im ganzen Land arbeiten, müssten sich schließlich auch nicht an jedem neuen Ort registrieren lassen.

Was haltet ihr von diesem Gesetzentwurf?
Wird er die Sexarbeiter(innen) schützen oder die Stigmatisierung lediglich verschärfen?

Quellen und Links zum Weiterlesen:
http://www.queer.de/detail.php?article_id=25834
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/prostituiertenschutzgesetz-kondom-wird-pflicht-standards-fuer-bordelle/13361646.html
http://www.aidshilfe.de/de/aktuelles/meldungen/prostituiertenschutzgesetz-neue-gefahren-statt-schutz
Neues Prostituiertenschutzgesetz
Berufsverband der Sexarbeiterinnen übt scharfe Kritik am Prostitiertenschutzgesetz (Juli 2015)

TV-Tipp: „Aus der Haut“ (Spielfilm)

TV-Tipp: „Aus der Haut“ (Spielfilm)

Die ARD zeigt gleich um 20:15 ein Familiendrama (Eigenproduktion). In „Aus der Haut“ geht es um.d.en 17-jährigen Milan. Er betrinkt sich, nimmt mit 1,7 Promille im Blut das Auto seines Vaters, rast durch die Stadt und überschlägt sich damit. Der scheinbare Unfall im jugendlichen Leichtsinn entpuppt sich als Selbstmordversuch des Teenagers.

Ganz einfach hatten Susann und Gustav es nie mit ihrem Sohn. „Anstregend“ und „unbrechenbar“ sei er wegen seinem ADS gewesen. Vor dem Unfall scheint sich Milan gefangen zu haben. Die Mutter konnte die lange ruhende Karriere wieder aufnehmen, macht sich selbstständig. Der Vater fühlt sich in seinem Job plötzlich unterfordert. Das über Jahre funktionale Familiengefüge beginnt zu wackeln.

Der Grund für den Selbstmordversuch bleibt den Eltern zunächst verborgen: Milan ist schwul. Milan hatte angetrunken seinen besten Freund geküsst. Dieser war entsetzt, Milan am Boden zerstört und zutiefst verunsichert. Die ( leider berechtigte) Angst vor der Reaktion in der Schule und die Unsicherheit über seine eigene sexuelle Orientierung ist groß. Der Autounfall ist eine Aktion aus purer Verzweiflung.
Milan versucht sich selbst zu finden. Er beginnt schließlich eine Affäre mit einem älteren Mann, offenbart sich seinen Eltern. Die reagieren scheinbar cool, treffen in der Folge aber Entscheidungen, die die Familie aufs Spiel setzen, während Milan versucht den Weg zu sich selbst zu finden.

Trailer:

„Er ist allerdings dennoch die seit Langem wahrste und berührendste Fernseherzählung eines Coming-outs. Ein peinigender Blick ins Innere der Scheinliberalität. Und ein annähernd komplettes Kompendium aller Verhaltensweisen und Sätze, die man sich als Eltern sparen sollte. Seit Jahrzehnten.“ (Die Welt)

„Viel früher als in der Dramaturgie von solchen TV-Filmen üblich erzählt Milan seinen Eltern von seiner Homosexualität. Eine starke Entscheidung, denn so schafft es der Autor, mehr als nur ein Coming Out eines 17-jährigen zu erzählen.[…] Ein reifer Film, der auf vielen Ebenen gut funktioniert. Merlin Rose spielt den jungen Milan wunderbar energisch.“ (Frankfurter Rundschau)

Eckdaten:
TV-Familiendrama
Deutschland/Österreich 2016
Dauer: 90 Min.
Erstausstrahlung 9. März 2016 20:15 Uhr
In der Ard Mediathek bis: 09.06.2016
Quellen und Links zum Weiterlesen:
daserste.de:  Aus der Haut
Die Welt: Mein Sohn ist schwul. Na und? Hauptsache gesund!
F
rankfurter Rundschau: Mit aller Wucht

Beitragsbild: RainerSturm  / pixelio.de

8. März – Weltfrauentag

8. März – Weltfrauentag

In Berlin und zahlreichen anderen Städten wird heute gegen Sexismus und für Solidarität „hier und überall“ demonstriert. In den Fußgängerzonen werden von Lokalpolitikern Blumen an Frauen verteilt. Die Zeit veröffentlicht eine Fotostrecke mit den „28 der Allergrößten“  Frauen, darunter Schriftstellerinnen, Schauspielerinnen, Aktivistinnen und Frauen, die es geschafft haben Einfluss zu nehmen.
Anlass ist der „Internationale Frauentag“, „Frauenkampftag“ oder auch „Weltfrauentag“. Im Mittelpunkt steht dabei seit über 100 Jahren die Rolle der Frau in der Gesellschaft.

2016 lautet das Motto der Vereinten Nationen zum Internationalen Frauentag:„Planet 50-50 by 2030: Step It Up for Gender Equality“. Schauspielerin Emma Watson hat dazu heute in New York eine Ausstellung eröffnet.
In Deutschland lautet das Motto auch in diesem Jahr „Heute für morgen Zeichen setzen!“. Als „alten Hut“ oder inzwischen für Deutschland völlig überholte Aktion, wird der Frauentag zum Teil abfällig deklariert. Ist das berechtigt? Haben wir in Deutschland die Gleichstellung erreicht? Schlägt das Pendel vielleicht sogar in eine andere Richtung aus? Nein.

Bundespräsident Gauck betont Montag wiederholt die Rolle der Frauen im Arbeitsalltag und im Ehrenamt, wo nach wie vor mehr Männer Leitungspositionen einnehmen. Frauen seien dadurch „weniger wahrnehmbar“. Er fordert eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Angleichung von Löhnen bei gleicher Arbeit und eine Stärkere Präsenz von Frauen in Führungspositionen. Forderungen, die sich auch in den politischen Ämtern wiederspiegeln, auch wenn der Bundesregierung eine Frau vorsitzt:  Der Frauenanteil im Bundestag beträgt 36%. Er variiert von Partei zu Partei: Sind bei der CDU die Frauen mit 76 zu 234 Plätzen in der Minderheit, haben sowohl die Gründen als auch die Linke jeweils 5 Frauen mehr im Plenarsaal. Weltweit sind sogar nur 20% der Parlamentssitze von Frauen besetzt. 2014 gab es nur 19 weibliche Staatsoberhäupter.

Mit #OneDayIWill hat Google zum heutigen Tag 337 Frauen in 13 verschiedenen Ländern mit interviewt. In den entstanden Clips, die man sich auch für spezifische Orte anschauen kann, berichten die Frauen und Mädchen von ihren Träumen. Was wünschen sie sich von ihrer Zukunft? Wo soll es beruflich hingehen? Dass die Voraussetzungen für die Erfüllung dieser Träume in vielen Regionen der Welt weitaus schwieriger sind als in Deutschland, steht nicht zur Debatte.  Uns erinnert die gelungene Aktion an den Internationalen Mädchentag, der im Oktober begangen wird.

Das Thema Arbeitsplatz bleibt auch an derer Stelle präsent: Zum internationalen Frauentag legt die Antidiskriminierungsstelle des Bundes einen Leitfaden für Beschäfte, Arbeitgeber und Betriebsräte vor – Thema: Offensiver Umgang gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Die Enttabuisierung steht neben den konkreten Handlungsvorschlägen (Rechte und Pflichten, Präventionsmaßnahmen, Personalgespräch) im Vordergrund des Leitfadens.

Gewalt gegen Frauen, die im Rahmen der häuslichen Gewalt als häufigste Verletzungsursache bei Frauen gilt, wird heute auf zahlreichen Demonstrationen rund um die Erde thematisiert. Für Frauen sei das Risiko innerhalb der Beziehung Gewalt zu erfahren, weitaus höher als von einem Fremden angegriffen zu werden.
Nach den Vorfällen in Städten wie Köln und Hamburg in der Silvesternacht sind, Übergriffe von Fremden in den Medien präsenter den je. Mit  Campagnen wie „Mein NEIN meint NEIN!!!!“ oder auch „Consent is simple“ (diese Campagne stellen wir euch noch gesondert vor 😉 ), soll auf  Sexismus und Übergriffe im öffentlichen Raum aufmerksam gemacht werden. Frauen sollen sich gestärkt zur Wehr setzen, Hilfe erhalten und sich dem Sexismus nachhaltig entgegen stellen. Auch eine Reformierung des Strafrechts wird gefordert.

Ein Tag, an dem in vielen Ländern und Städten und der Welt für Frauen agiert und auf die Straße gegangen wird. Man sollte meinen, dass Alice Schwarzer sich darüber freut. Tut sie aber nicht! Schon im Jahr 2010 plädierte sie für eine Abschaffung des internationalen Frauentages.  Als Überbleibsel einer sozialistischen Erfindung, bezeichnet sie den Frauentag und hat damit gar nicht so Unrecht, wenn man sich die Geschichte des Tages (Stichwort: Clara Zetkin auf der 2. Sozialistische Frauenkonferenz in Kopenhagen) oder die Zusammensetzung der Führungsriege in der DDR anschaut (Überraschung! Man(n) wird keine Frau finden), wo der Frauentag sogar ein gesetzlicher Feiertag war. „Unter diesen Vorzeichen ist die Übernahme des sozialistischen Muttertags als „unser Frauentag“ für Feministinnen, gelinde gesagt, der reinste Hohn. Schaffen wir ihn also endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März! Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer.“

 

Habt ihr heute etwas von den Aktionen anlässlich den Weltfrauentages mitbekommen? Habt ihr vielleicht sogar selbst teilgenommen?
Was sagt ihr zu der Kritik von Frau Schwarzer?

Quellen und Links zum Weiterlesen:
t-online : Was der Weltfrauentag forder
Z
eit: 28 der Allergrösten
r
p-online: Internationaler Frauentag 206: Frauen von A-Z
W
AZ: So feiert Google den internationalen Frauentag
A
lice Schwarzer: Schafft den 8. März ab! (2010)

Staatshomophobie in Tunesien

Staatshomophobie in Tunesien

Nachdem im Februar 2015 ein Schwede in Tunesien wegen „homosexueller Akte“ festgenommen und zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde, ist das nordafrikanische Land nun erneut wegen seiner homophoben Gesetzgebung in der Presse.

Am 10. Dezember sind in der Stadt Kairouan sechs Männer wegen „homosexueller Aktivitäten“ zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Wegen „unmoralischen Fimmaterials“ soll einer von ihnen 6 weitere Monate absitzen. Nach der Haft müssen die Männer fünf Jahre lang die Stadt verlassen. Kairouan gilt als eine der wichtigsten muslimischen Pilgerstädte. Angezeigt wurden sie offenbar von Nachbarn.
Es wird berichtet, dass die Männer sich (auf Beschluss des Staatsanwaltes) einer Anal-Zwangsuntersuchung unterziehen mussten. Dabei wird unter anderem ein Metallobjekt in Eierform in den Enddarm eingeführt, mit dem ein Arzt feststellen soll, ob Analsex stattgefunden hat. Ärzteverbände in aller Welt haben den Test bereits  vor Jahren für „nutzlos“ erklärt. Die Untersuchung sei eine Form der Vergewaltigung und verstoße damit gegen die UN-Antifolterkonvention. 2012 wurde dieser Test auch bei 36 Männern im Libanon durchgeführt, die zuvor in einem Pornokino verhaftet worden waren.

In Tunesien steht auf Sex mit dem gleichen Geschlecht im private Umfeld eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren (§204). Im Jahr 2012 sprach der damalige Menschenrechtsminister(!) Samir Dilou in einem Fernsehinterview Menschen, die mit dem gleichen Geschlecht Sex haben, das Recht auf freie Meinungsäußerung ab. Homosexualität  sei pervers, gilt immer noch als  absolutes Tabu-Thema.
Laut einer Studie aus dem Jahr 2013 glauben 94% der Tunesier, „dass Homosexualität in der Gesellschaft nicht akzeptiert werden dürfe“ (Pew Research Center). Auf Unterstützung von Selbsthilfegruppen muss die junge Generation verzichten. Die Erfahrungen beim Coming- Out sind oft traumatisch. Beleidigung und Ausgrenzung in der eigenen Familie sind Alltag für viele junge Homosexuelle in Nordafrika. Oft werden die jungen Menschen in arrangierte Ehen gedrängt. Ein unverheiratetes Kind gilt als Schande. Welche Folgen das für das Selbstbild, die Ehe und die Beteiligten Menschen hat, kann man wohl erahnen.

§204 wird heute zwar nur noch selten angewendet, hat aber immer noch eine enorme symbolische Kraft. Er steht für die absolute Tabuisierung bi-, trans- und homosexueller Handlungen und Lebensweisen – ein Grund für die Asylanträge junger Tunesier in Deutschland.

 manwalk / pixelio.de

manwalk / pixelio.de

Nach dem arabischen Frühling soll sich in Tunesien eine Debatte

entwickelt haben, die die Abschaffung der homophoben Gesetzgebung thematisiert. Im September diesen Jahres soll der damalige Justizminister zur Entkriminalisierung von Homosexualität aufgerufen haben. Im Oktober wurde er entlassen.
Die sechs Männer, die letzte Woche verurteilt wurden, sitzen aber anscheinend bereits ihre Strafe ab. In drei Wochen soll eine Anhörung für eine Berufung stattfinden.

Tunesische Menschenrechtsorganisationen und die junge Generation setzen sich weiterhin für die Entkriminalisierung von Homosexualität ein. Blogbeiträge und offene Lebensweise sollen die das Thema in dem streng islamischen Land zum Alltag werden lassen. Dabei stehen gerade die jungen Homosexuellen immer mit einem Fuß vor Gericht. In einschlägigen Clubs ist das fotografieren daher auch nicht erlaubt. Viele, die dort tanzen, haben Frau und Kinder. Die Angst vor dem unfreiwilligen Coming-Out tanzt immer mit.

Quellen und Links zum Weiterlesen:
queer.de : Tunesien: Keine Redefreiheit für Schwule? (2012)
queer.de: Schwuler Schwede in Tunesien verurteilt (02/15)
q
ueer.de: Schwule zwischen Zwangsheirat und Aufbruch (03/14)
q
ueer.de: Sechs junge Männer wegen Homosexualität verurteilt (12/15)
Spiegel online: Gericht in Tunesien verurteilt Schwule zu drei Jahren Haft
T
agesspiegel: Asylgrund Homosexualität: In Tunesien durfte sie keine Lesbe sein (07/15)