„Hi, wie geht’s?“ – Selbstversuch Singlebörse (Fazit)

„Hi, wie geht’s?“ – Selbstversuch Singlebörse (Fazit)

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Fazit

6 Wochen später

Es stimmt alles: Online-Dating ist anstrengend, frustrierend und ärgerlich. Entweder man wird um Aufmerksamkeit angebettelt oder zum Sexobjekt reduziert. Trotzdem, die letzten Wochen waren sehr lehrreich für mich. Ich habe viel über mich erfahren, viel mit (komplett) anderen Menschen interagiert, und neues erlebt, das mir sonst nicht passiert wäre. Und auch wenn es viele unangenehme Begegnungen gab, der Großteil der Männer war wirklich höflich und unkompliziert. Aber über diese Menschen schreibt man natürlich keinen interessanten Artikel. Mit meinem Date treffe ich mich übrigens immer noch. Und eine Person, mit der ich mich über die Plattform auf platonischer Ebene gut unterhalten habe, besucht mich nächstes Wochenende in meiner Stadt. Meine Erfahrungen mit OkCupid sind daher eher positiv, und das, obwohl ich maximal skeptisch war, ob mir Online-Dating überhaupt liegt. Die Bedenken, dass der Kennenlernprozess zu künstlich ist, sind schnell verflogen, wenn es dann mal mit einer Person geklappt hat.

Die Kunst des Aussortierens

Die Schattenseite des Online-Datings ist, dass man gezwungen ist, Menschen auszusortieren. Was man beim Offline-Dating unbewusst permanent tut, bekommt beim Online-Dating dadurch, dass es ein bewusster Akt ist, eine schale Note. Trotzdem, aussortieren muss man, gerade als Frau auf so einer Plattform. Ansonsten kann man sich nämlich nie auf die Leute konzentrieren, die einen wirklich interessieren. Und das Aussortieren will gelernt sein. Ich persönlich achte als erstes auf das Profilbild und den Anschreibtext. Wenn das Profilbild sympathisch oder interessant ist (muss kein Gesicht für mich sein, ich zeige meines ja auch nicht), kann das Profil auch leer sein.

Von Profiltexten halte ich sowieso nicht besonders viel. Ich habe kaum welche gesehen, die sich positiv von der Masse abgehoben haben und wirklich interessant und einladend waren. Die meisten waren eher farblose, unaussagekräftige, dabei aber oft sehr ausführliche 0815-Selbstbeschreibungen. Jeder mag halt irgendwelche Bücher und irgendwelche Filme, aber was sagt das wichtiges über den Charakter der Person aus? Außerdem ist gefühlt jeder sarkastisch und witzig, ohne dass auch nur ein Profil wirklich witzig, sarkastisch oder sonst wie scharfsinnig gewesen wäre. Eine ironische Anmerkung, die als ironische Anmerkung markiert ist, ist keine ironische Anmerkung mehr, zumindest keine, die ich wertschätzen kann. Da vergeht einem ja die Lust zum Mitdenken. Im Allgemeinen waren die meisten Profiltexte einfach zu beliebig, zu bemüht, hatten zu wenig Ecken und Kanten und waren nicht mutig genug. Die meisten Texte waren weder sympathisch noch unsympathisch, was für mich ein schlechtes Zeichen ist. Das bedeutet nämlich, dass sie nichtssagend waren. Jemand, der keinen Profiltext hatte, dafür ein interessantes Profilbild und einen gute Nachricht geschickt hat, hatte ergo größere Chancen, dass ich ihm antworte, als einer mit den gleichen Eigenschaften, der aber einen langweiligen Profiltext hatte.

Warum „Hi, wie geht’s?“ nicht optimal ist

Bei der ersten Nachricht achte ich darauf, ob es eine copy&paste-Nachricht ist, die man wahllos an jeden verschicken kann, oder ob die Leute etwas schreiben, mit dem sie zeigen, dass sie sich von meinem Profil wirklich angesprochen fühlen. Schließlich sollte es ja als Filter dienen. Wer also auf die Schlüsselwörter in meinem Profil eingegangen ist, hat definitiv Sympathiepunkte gesammelt. Ich mochte besonders gerne Anschriften, die sich zwar ein wenig kritisch, aber gleichzeitig witzig und geistreich mit meinem Profil auseinander gesetzt haben. Da hatte man sofort etwas, worüber man reden konnte, wodurch sich das unsägliche Gesmalltalke vermeiden ließ. Natürlich ist aber weder eine gute erste Nachricht noch ein gutes Profil ein Garant dafür, dass es zu einem Treffen kommt. Die Konkurrenz ist schließlich hoch, und es wird schnell klar, wen man näher kennenlernen will und wen nicht.

Man kann nicht jedem eine Chance geben, das funktioniert praktisch einfach nicht. Und wer seine Chance am Anfang der Konversation „verspielt“ – sei es durch Aufdringlichkeit, Unhöflichkeit oder auch einfach nur durch mangelnde Sympathie oder Langweiligkeit –, der verliert sie dann eben und bekommt meistens keine zweite. Männer machen das übrigens ähnlich mit Frauen, habe ich mir sagen lassen. Außerdem darf man den Aspekt Zufall nicht vernachlässigen. Mit dem Date, mit dem ich mich immer noch treffe, hatte ich beispielsweise keine besonders aufregende Unterhaltung (aber auch keine schlechte), getroffen haben wir uns am Ende aber trotzdem, und ich bin froh, dass das passiert ist. Er sagte mir hinterher, er weiß, dass er schriftlich nicht so charmant ist wie in Echt, deswegen schlägt er lieber schnell ein Treffen vor. Das ist dann wohl die Strategie, die für ihn am besten funktioniert.

Online oder offline? Beides!

Online-Dating ist wie wenn man sich auf einem Jahrmarkt befindet und jede Person, die einem entgegen kommt, als potenzielles Match betrachtet. Natürlich muss man sich durch den Wust an Menschen durchkämpfen, die nicht zu einem passen, und das werden die meisten sein. Natürlich begegnen einem Personen, die unhöflich oder aufdringlich sind. Aber ab und an findet man auch Perlen und Schätze, vor allem dort, wo man sonst vielleicht nicht hingeschaut hätte bzw. nie Gelegenheit hat hinzuschauen. Die Möglichkeiten so einer Plattform überwiegen, vor allem für Menschen, die sich von unangenehmen oder nervigen Begegnungen nicht runterziehen lassen.

Wer über solche Ereignisse hinwegsehen kann und seine Leichtigkeit nicht verliert, wird auch andere Menschen kennenlernen. Je aussagekräftiger das Profil (Tipp: Show, don’t tell), je eher man weiß, was man will oder nicht will und sich auch traut, das zu kommunizieren, desto besser funktioniert es wohl. Online-Dating ist sicher nicht für jeden sinnvoll, schon gar nicht für Menschen mit niedriger Frusttoleranz. Eine interessante Ergänzung zum Offline-Dating – besonders dann, wenn dort gerade Ebbe herrscht – ist es allerdings schon.

„Hi, wie geht’s?“ – Selbstversuch Singlebörse (Teil 3)

„Hi, wie geht’s?“ – Selbstversuch Singlebörse (Teil 3)

Teil 1

Teil 2

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Ein Date mit einem Beinahe-Arschloch

Als ich fast dabei bin, das Handtuch zu werfen und Urlaub vom Online-Ding zu machen, erinnert mich einer meiner ersten Kontakte daran, dass wir uns ja diese Woche treffen wollten. Weil ich genervt und gestresst bin und mich an der Schwelle zum Arschloch-Sein befinde, antworte ich ihm knapp und nicht sehr freundlich, ich könne nur an dem einen Abend um 18 Uhr für eine dreiviertel Stunde, und er müsse in die Nähe meiner Arbeitsstelle, am anderen Ende der Stadt kommen, anders ginge es nicht. Seine Antwort: „Klar, kein Problem.“ Ich merke, mein eigener Kopf fängt an in der verqueren Singlebörsenlogik zu denken: Der Mensch sieht viel zu gut aus auf seinem Profilfoto, hat gleichzeitig als einer der wenigen nicht nach einem Foto gefragt, und er ist ohne Widerrede bereit sich von einer wenig freundlichen Person irgendwo hinbestellen zu lassen, und das nur für kurze Zeit. Verdächtig. Irgendwas kann da doch nicht stimmen. Entweder der schaut deutlich schlechter aus als auf seinem Foto oder etwas anderes ist faul an der Sache.

Frosch oder Prinz?

Noch hat die zynische Singlebörsenlogik mich nicht voll im Griff. Ich lasse mich von den negativen Gedanken nicht beirren, stelle mich allerdings darauf ein, dass das Treffen eine Zeitverschwendung sein könnte. An dem besagten Tag kurz vor 18 Uhr warte ich am vereinbarten Treffpunkt. Es ist dunkel, ich sehe nicht viel. Um Punkt kommen mir zwei Männer entgegen, ein älterer, etwas ungepflegt wirkender Mann und ein jüngerer Schönling. Einer schlurft an mir vorbei, der andere bleibt vor mir stehen. „Wartest du auf mich?“ Es ist der Schönling. Er schaut noch besser aus als auf seinem Foto.

Leicht verdattert begrüße ich ihn und schon fangen die Gedanken wieder an. Ist der nicht total „out of my league“? Er hatte kein Foto von mir gesehen. Ist er jetzt enttäuscht? Wir gehen in eine Bar, bestellen uns etwas zu trinken, plaudern. Er ist distanziert, redet nicht viel, ist aber professionell charmant und stiehlt sicher die Herzen aller Schwiegermütter. Ich bin leicht irritiert. Schön wie er ist, muss er wegen mir auch nicht viel reden. Ich mustere ihn interessiert, aber skeptisch, er bleibt distanziert-freundlich. Nach 45 Minuten beendet er das Treffen. Wir zahlen getrennt. Er fragt mich, wie verbleiben wir denn? Ich frage ihn „Willst du mich denn nochmal sehen?“. Zu meiner Überraschung nickt er bejahend.

Ein schlechter Film mit Happy Ending

Wir treffen uns zügig ein zweites Mal, diesmal tagsüber. Er schaut immer noch so gut aus, und er ist immer noch distanziert, aber charmant liebenswürdig. Wir gehen etwas essen, wir reden nicht viel, es ist ein wenig seltsam, vor allem, weil ich nicht das Gefühl habe, dass er sich für mich interessiert, sondern einfach nur höflich ist. Hinterher schlägt er vor, noch spazieren zu gehen. Wir gehen nebeneinander, wohlgesinnt, aber offensichtlich verunsichert. An einer roten Ampel wartend nimmt er mich plötzlich in den Arm und küsst mich. Ich falle aus allen Wolken und fange zu kichern an. Was ist denn jetzt passiert? Danach scheint das Eis gebrochen, ein wenig zumindest. Wir laufen durch die Stadt wie zwei frisch Verliebte, ohne es zu sein. Irgendwann sagt er „Hier wohn ich. Magst du mit hoch?“ Ich muss lachen. Ernsthaft? Ist ja wie in einem schlechten Film. Aber ich gehe trotzdem mit ihm mit. Er ist nett und sieht gut aus. Das ist doch genau das, wonach ich gesucht habe.

 

Hier geht es zum letzten Teil (Fazit).

„Hi, wie geht’s?“- Selbstversuch Singlebörse (Teil 2)

„Hi, wie geht’s?“- Selbstversuch Singlebörse (Teil 2)

Teil 1

Teil 2

3 Tage und 151 Likes später

Zum Glück scheinen meine Freunde mit ihrer Theorie nicht ganz Recht gehabt zu haben. Trotz vieler verteilter Körbe habe ich relativ schnell eine Handvoll Kontakte zusammen, die für mich interessant sein könnten. Da ich mich nicht online vergucken kann, sondern erst bei einem Offline-Treffen feststellen kann, ob jemand für mich wirklich Potenzial hat, vereinbare ich zügig erste Treffen. In der ersten Woche habe ich gleich drei Dates. Man verabredet sich zum Kaffee, geht spazieren, etc. Die Treffen sind komisch, beide wissen es, beide bemühen sich. Es ist eine Kombination aus „Ich will dem/der anderen imponieren“ und „Hab ich überhaupt Interesse an der Person?“. Die Männer sind grundsätzlich nett, die Treffen in Ordnung, aber sie ziehen sich, sind anstrengend, und ein lockerer Flirt scheint ferner denn je. Gefunkt hat da jedenfalls nichts, aber alle wollen mich gerne noch ein zweites Mal treffen. Haben sie nicht gemerkt, dass da nichts war? Da ich die frustrierten Berichte der Singlebörsenveteranen kenne, bin ich ehrlich, ghoste nicht und gebe allen drei Männern einen klaren, aber höflichen Korb.

Matchscore Fail

Als nächstes versuche ich eine andere Strategie, ich werde proaktiv. Ich fange an mir selbst Profile herauszusuchen, schreibe Leute an, deren Profil auf mich attraktiv wirkt und mit denen ich einen hohen Matchscore habe. Aber auch das entpuppt sich als nicht sehr erfolgreiche Methode. Am Ende führe ich Gespräche mit einem AfD-Politiker, einem eingebildeten Banker und einem sexistischen Sportwagenfanatiker. Wie zur Hölle sind wir bitte auf unseren >90%igen Matchscore gekommen? Neinnein, ich will zwar neue Erfahrungen machen, meinen Horizont erweitern und andere Leute kennenlernen, als ich es sonst tue, aber sowas funktioniert dann leider auch nicht. Ich fahre wohl doch besser damit abzuwarten, welche Leute an meinem Profil Gefallen finden. Das scheint der bessere Filter zu sein.

Online-Dating in seiner vollen Schönheit

Für den zweiten Schwung an Dates will ich trotzdem den Schriftverkehr klüger angehen, den Flirt von Anfang an provozieren, offener beim Schreiben sein, klar machen, worum es mir geht: Körperlichkeit und Nähe, kein ewig langsames Kennenlernen, keine falsche Rücksichtnahme. Ich werde indirekt direkt, wie es sich für eine wohlerzogene Lady gehört. Die Männer verstehen, die Grundlage ist gelegt, das Interesse steigt. Mich wollen sogar Leute treffen, die eitel und schön sind, und sich offline wohl niemals für mich interessiert hätten. Sie wollen aber natürlich ein Foto von meinem Gesicht sehen, ich schicke ihnen eines. Ein Modeltyp schreibt dann „Hm… Hast du noch eines?“. Ich sage „Wenn ich nicht dein Typ bin, ist das voll in Ordnung, sag es mir ruhig ehrlich.“ Er: „Nein, ist schon ok, das geht schon.“, wie charmant. Für den bin ich wohl gerade noch so „fickbar“, wie man heutzutage sagt. Wirklich große Lust auf ihn habe ich jetzt nicht mehr.

Andere disqualifizieren sich sofort, weil sie nicht verstehen, dass man an Körperlichkeit interessiert sein kann, aber das nicht zwangsläufig heißt, dass man ihre Phantasien befriedigen möchte. Mehrmals versuchen mich Leute in eine Cybersex-Unterhaltung zu manövrieren, trotz Hinweis, dass mir das nichts gibt. Mehrmals wollen sie mich zum Sexting überreden, obwohl sie mein „Nein“ bereits kennen. Ich bemühe mich, zwar deutlich, aber nicht zu unfreundlich zu werden, aber es zehrt tatsächlich an den Nerven, und manche scheinen am Ende leider keine andere Sprache zu verstehen als das Geblockt-Werden. Langsam wird mir das alles zu viel. Ich verliere immer mehr die Lust am Online-Daten. Kann man nicht einfach nette Menschen offline kennenlernen? Wie kann sowas so anstrengend werden…

 

Teil 3 gibt es hier… 😉

Teil 4 / Fazit

„Hi, wie geht’s?“ – Selbstversuch Singlebörse (Teil 1)

„Hi, wie geht’s?“ – Selbstversuch Singlebörse (Teil 1)

Wir alle haben schon davon gehört, viele von uns haben auch schon Erfahrungen damit gesammelt, ein das Thema wurde im Forum schon des öfteren diskutiert (z.B. hier): Singlebörsen, Dating-Seiten, Plattformen für die Partnersuche. Eine Planet-Liebe-Userin, die gerne anonym bleiben möchte, hat kürzlich den Selbstversuch gestartet, und war so freundlich, einen ausführlichen Bericht zu schreiben.

 

Teil 1

Ein paar Monate solo, nach einer langjährigen, ernsthaften Beziehung. Das Interesse, neue Leute kennenzulernen, ist groß, die Möglichkeiten im Alltag gering. Dabei wäre ein bisschen vertraute Nähe gerade sehr schön. Aber wo kann man interessante Menschen kennenlernen, wenn es im Alltag nicht klappt? Zum Glück drängt sich im Internetzeitalter eine einfache Lösung auf: Dating-Plattformen. Als jemand, der den natürlichen Kennenlernprozess liebt, habe ich mich bisher immer gesträubt, diese unelegante und künstliche Form der Kontaktaufnahme für mich zu nutzen. Aber nachdem sich mehrere Wochen lang im Reallife immer noch nichts tut, freunde ich mich langsam mit dem Gedanken an. Probieren kann man’s ja mal.

Okay Cupido, zeig mir was du kannst

Ich recherchiere und lese viele Berichte von frustrierten Männern und arroganten Frauen über ihre Erfahrungen beim Online-Dating. Bevor ich mich bei einer Singlebörse anmelde, weiß ich schon ungefähr, was mich erwartet: Zu viele Männer, zu wenige Frauen, und der Spielplatz des anonymen Internets, wo alles erlaubt zu sein scheint. Mein Ziel: Ganz andere Leute kennenlernen als ich sonst treffe, mich ausprobieren, neue Erfahrungen sammeln, dabei an kein Arschloch geraten und selbst kein Arschloch werden. Eine Beziehung suche ich nicht, aber auch keinen One Night Stand, sondern irgendetwas dazwischen.

Ich lasse mir von Freunden OkCupid empfehlen. Diese Seite ist kostenfrei und zeichnet sich dadurch aus, dass man Fragen beantworten kann und mit Leuten gematcht wird, die angeblich zu einem passen. Außerdem erhält man auf Basis seiner Antworten eine Persönlichkeitseinschätzung. Die Seite will, dass ich ein Foto von mir hochlade, das idealerweise mein Gesicht zeigt. Entgegen aller Ratschläge, die ich bekomme, lade ich ein Foto hoch, auf dem weder mein Gesicht zu erkennen ist noch viel von meinem Körper. Bis auf die Ästhetik des Bildes nicht sehr aussagekräftig. Allerdings verfasse ich einen zum Profilbild passenden ironischen Profiltext, der in Kombination mit OkCupids Persönlichkeitseinschätzung hoffentlich bei den richtigen Menschen das Interesse weckt und gleichzeitig bei den falschen das Gegenteil bewirkt. Mir ist klar, dass ich mit dem gesichtslosen Foto weniger Leute anspreche, als wenn ich ein anderes Foto hochladen würde, aber auf einen Versuch lege ich es dann doch an.

„Would you like an American creampie?“

Interessanterweise hagelt es trotz des anonymen Profils von der ersten Sekunde an Likes und Nachrichten. Die Freunde, die mir von dem Profilfoto abrieten, erklären mir die verquere Singlebörsenlogik so: Wer sein Gesicht nicht zeigt, hat was zu verbergen. Dann melden sich eher die Leute, die sonst schlechte Chancen haben, weil sie denken, sie hätten mehr Glück bei einer vermutlich unattraktiven Frau. Ist das so? Wenn ja, wie traurig. Da ich mir vorgenommen habe, kein Arschloch zu sein, verfolge ich anfangs den Vorsatz, jede freundliche Nachricht zu beantworten, auch jene von für mich uninteressanten Profilen. Nach einem verregneten Wochenende verbracht vor dem Bildschirm mit der Beantwortung dutzender Nachrichten und dem Verteilen fast ebenso vieler Körbe, sehe ich ein, wie irrsinnig diese Idee war.

Hier geht es weiter zu Teil 2.

Teil 3

Teil 4 / Fazit

Partnerbörsen – Wunsch vs. Realität

Partnerbörsen – Wunsch vs. Realität

Sie werben mit großen Plakaten in der Stadt, auf Werbebannern im Internet und sogar mit Spots im Fernsehen. Die Rede ist von Partnerbörsen, Dating-Portalen, Dating-Apps, Flirtseiten und ähnlichen Plattformen, die die große Liebe oder aufregende Sex-Kontakte versprechen. Dank Internet kann heute jeder, gemäß seinen Interessen, den passenden Partner finden – egal ob für immer, für die Schnelle Nummer oder den Dreier im Hotelzimmer. Dabei muss klar sein, dass nicht alle Seiten gut sind und schon gar nicht gerecht.

Die Kostenfalle

Einige Portale sind kostenpflichtig bzw. bieten nur gegen Geld bestimmte Features, die zur Annäherung an das andere oder gleiche Geschlecht benötigt werden. Die Kostenfalle der Partnerbörsen betrifft meist nur die interessierten Herren, denn sie gibt es auf den hetero-orientierten Dating-Portalen quasi im Überfluss. Tatsache ist, dass dort verhältnismäßig viele Single-Männer auf eine Single-Frau kommen, was auch dazu führt, dass Männer sich weitaus mehr anstrengen müssen um einer Dame dort überhaupt aufzufallen.

Kreativität ist gefragt!

Oftmals bekommen die Frauen, gerade wenn sie ein halbwegs annehmbares Foto haben, zig Nachrichten am Tag, die von „Ficken?“ bis zu halbgaren Heiratsanträgen reichen können. Logisch, dass eine nettes „Hallo, wie geht es dir? Was machst du so?“ da eher untergeht als auffällt, die Damen schnell genervt reagieren und der Herr höchstwahrscheinlich vergeblich auf eine Antwort warten wird. Wobei es auch schon fraglich ist, ob die potentielle Angebetete die Nachricht überhaupt liest, wenn sie täglich mit Post im zweistelligen Bereich bombardiert wird. Was kann man(n) also tun um auf einer Partnerbörse doch noch fündig zu werden? Mit einem interessanten Profil, einem guten Foto und einfallsreichen Nachrichten bestechen!

Selbst ist die Frau!

Und was tut die Damenwelt auf der Suche nach Abenteuer oder der großen Liebe im Internet? Zunächst einmal kann man sich natürlich über die vermutlich vielen Interessenten freuen. Wenn sich dort aber kein Mr. Right finden lässt, sollte Frau von Welt auch selbst aktiv werden. Die Auswahl an Herren ist auf diesen Seiten groß und nichts spricht dagegen selbst einen Mann anzuschreiben und zu schauen ob er für ein persönliches Kennenlernen in Frage kommt.

Die hier aufgeführten Verhaltensweisen lassen sich natürlich auch auf bi- oder homosexuell orientierte Personen übertragen. Auch hier kann man davon ausgehen, dass die attraktiven und jungen Menschen recht viele Anfragen bekommen und die Motivation zu antworten daher eher gering ausgeprägt ist. Same same but different, quasi.

Der Sprung vom Internet in die reale Welt

Und da sind wir auch schon einen Schritt weiter. Nach der ersten schriftlichen Kontaktaufnahme, sollte man nicht zu lange warten bis man sich richtig, also persönlich kennen lernt. Natürlich soll man nicht nach der ersten Nachricht auf ein Date drängen.  Ein Jahr und unzählige Nachrichten sollte man aber auch nicht abwarten. Meist merkt man beim Schreiben schon recht schnell, ob das Gegenüber Interesse an einem Kennenlernen haben könnte oder nicht. Gern gesehen ist gerade bei den Frauen ein Telefonat bevor man sich verabredet. Aber auch dafür muss man der Typ sein. Nicht jeder telefoniert gern. Wobei es schon fraglich ist, ob jemand, der nicht telefonieren möchte, dann beim persönlichen Kennenlernen sonderlich gesprächig wird. Da kommt es wohl auf die Beteiligten an.

Eines lässt sich zum Thema Partnerbörsen jedoch nicht abstreiten: Es ist eine tolle Möglichkeit um viele verschiedene Menschen kennenzulernen. Ob für den Kaffee oder das Bier nach Feierabend oder die heiße Nummer im Swinger-Club, hängt von der Plattform ab. Wer auf Abenteuer aus ist, kann auf speziellen Seiten Mitspieler finden, die die gleichen Interessen und Neigungen teilen. Nie war es einfacher und unkomplizierter an schnellen Sex zu kommen, wenn man sich online richtig verkaufen kann.

Privatsphäre schützen

Wie überall im Internet gilt, dass Wert auf den Datenschutz gelegt werden sollte. Die Sichtbarkeit von Bildern und Details zur eigenen Person sollten von außen nicht einsehbar sein. Man selbst sollte sich auch gut überlegen, wem man Details oder Bilder von sich schickt und wie diese aussehen. Peinlich könnte sonst das Gespräch mit den Kollegen oder Bekannten werden, wenn diese auf das Profil im Dating-Portal aufmerksam geworden sind oder gar dort Gesprächspartner waren ohne, dass man es selbst bemerkt hat.

Mit Partnerbörsen verhält es sich wie im richtigen Leben: Alles ist eine Typ-Frage. Nicht jeder ist für das Online-Dating gemacht. Am Ende wird man vielleicht doch eher beim Speed-Dating, der Singleparty, auf der Arbeit, beim Sport oder der Einweihungsparty von Freunden fündig, nach was auch immer man vorher gesucht hat.

 

Wie geht ihr mit Partnerbörsen oder Flirtapps um?
Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

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