Deutschland Studie zufolge queerstes Land Europas

Deutschland Studie zufolge queerstes Land Europas

Während überall auf der Welt Homo- und Bisexuelle sowie Transgender, mit mal größerem und mal geringerem Erfolg, für mehr Akzeptanz und Anerkennung kämpfen, weiß bis heute eigentlich keiner so genau, wie viele Menschen wirklich zu diesen Gruppen gehören. Es ist nicht so, als sei dieser Frage noch niemand auf den Grund gegangen, im Gegenteil: Es gab schon viele Untersuchungen dazu. Das Problem ist: Diese liefern extrem unterschiedliche Ergebnisse. Während manche Studien die Zahl im unteren Prozentbereich sehen, kommen andere auf deutlich zweistellige Prozentzahlen, die meisten hingegen liegen irgendwo zwischen diesen Extremen. Diese Unterschiede erklären sich zum einen durch die Art der Befragung. Nicht jeder legt bereitwillig seine sexuelle Orientierung oder Identität offen, und schon Nuancen in der Formulierung können Auswirkungen auf die Ergebnisse haben. Zum anderen unterscheiden sich die Definitionen, ab wann jemand als Homo- oder Bisexuell oder Transgender erfasst wird. Das schränkt natürlich die Aussagekraft und Vergleichbarkeit der Ergebnisse ein.

Dalia Research hat sich nun erneut dieser Fragestellung angenommen, und eine länderübergreifende Untersuchung mit über 11.000 Teilnehmern in allen EU-Mitgliedsstaaten durchgeführt. Das Ergebnis: Im EU-Durchschnitt ordneten sich selbst 5,9% der Befragten in mindestens eine der Kategorien homosexuell, bisexuell oder Transgender (LGBT) ein. Ein Blick auf die Details offenbart allerdings, dass auch diese Studie mit den großen Problemen dieser Fragestellung zu kämpfen hat: Während in relativ homophob geprägten Ländern die Zahlen deutlich darunter liegen (in Ungarn nur 1,5%), ziehen die meisten mittel- und westeuropäischen Staaten den Durchschnitt nach oben. Mit 7,4% liegt Deutschland im europäischen Vergleich an der Spitze. Auch wenn Dalia durch anonyme Online-Befragungen versucht hat, möglichst ehrliche und unverfälschte Ergebnisse zu erzielen, hat die gesellschaftliche Akzeptanz das Ergebnis offenbar verzerrt.

Interessant ist dabei, dass auf die erste Frage „Do you identify as lesbian, gay, bisexual or transgender?“ die o.g. 5,9% mit „yes“ antworteten, während bei der zweiten Frage, bei der die Teilnehmer gebeten wurden, sich selbst auf einer Skala ähnlich der Kinsey-Skala einzuordnen, 10% der Beteiligten eine der Antwortoptionen von „mostly heterosexual, sometimes homosexual“ bis „only homosexual“ wählten. Wieso fast die Hälfte dieser Leute sich selbst dennoch nicht als homo- oder bisexuell identifiziert, bleibt offen.

In sämtlichen Ländern stuften sich mehr Frauen als Männer als LGBT ein (wobei dieser Unterschied in Großbritannien sehr gering, in den Niederlanden hingegen extrem hoch ausfiel, im Schnitt beträgt die Differenz 1 Prozentpunkt). Auch ergab sich ein deutliches Altersgefälle: Während jeweils gut 4% der 30-49- und 50-65jährigen mit „yes“ antworteten, lag der Anteil bei den 14-29jährigen Europäern bei ca. 10%. Interessanterweise bildet Österreich hier mit über 9% bei den 50-65jährigen eine deutliche (möglicherweise durch die Größe der Stichprobe bedingte) Ausnahme.

Wie schon bei früheren Untersuchungen sollten also auch diese Zahlen nicht überbewertet werden. Nichtsdestotrotz sind die Ergebnisse interessant, und durch die einheitliche Befragungsmethode lassen sich – zumindest für diejenigen Länder, in denen genügend Teilnehmer für ein repräsentatives Ergebnis vorhanden waren – die Ergebnisse aus verschiedenen Ländern miteinander vergleichen.

 

Was denkt ihr über Sinn und Machbarkeit solcher Befragungen?

Decken sich die Ergebnisse mit euren Erwartungen und Beobachtungen?

Glaubt ihr, dass die Zahl derer, die sich selbst als LGBT identifizieren, mit steigender Akzeptanz und dem Generationenwechsel noch weiter wachsen wird?

 

Links:

dalia research: Counting the LGBT population

jetzt.de: Dalia-Studie zu LGBT-Anteil

quartz: why you shouldn’t trust surveys about sexual orientation

 

TV-Tipp: „Mutter, Mutter, Vater, Kind – Elternglück für Lesben und Schwule“ (Doku)

TV-Tipp: „Mutter, Mutter, Vater, Kind – Elternglück für Lesben und Schwule“ (Doku)

Für viele Menschen ist ein eigenes oder gemeinsame Kind ein zentrales Lebensziel und der Weg zum persönlichen Glück. Für gleichgeschlechtliche Paare und homo- (und hetero)sexuelle Singles, ist der Weg zum Familienglück aber schwer. Co-Parenting scheint ein Lösungsweg zu sein, der diesen unglücklich Kinderlosen zum Familienleben verhelfen kann. Auch auf Planet-Liebe haben wir schon über dieses Konzept diskutiert. Bei uns stand die Diskussion aber unter einem „heterosexuellen“ Stern.

Die 37 Grad Dokumentation begleitet zwei Regenbogenfamilien und thematisiert die Hürden, die sich ihnen entgegenstellen. Wie schwer ist der Weg zur Familie? Was sagt das Umfeld? Wie ist die rechtliche Situation?
Der Zuschauer lernt Regina und Anika kennen. Regina hat den gemeinsamen Sohn Sverre geboren. Schwanger wurde sie durch eine Eizellspende ihrer Partnerin in den Niederlanden, wo der Vorgang legal ist. Der Vater des Kindes ist der homosexuelle Nils. Rein rechtlich betrachtet, ist aber nur Regina die Mutter des Jungen, auch wenn sich alle drei Eltern auch als Eltern verstehen. Rechtlich bleibt bei dieser Konstellation immer ein Elternteil außen vor. Die drei Eltern sind sich aber einig, dass Sverre rechtlich zu seinen beiden Müttern gehören soll. Ein langer und teurer Adoptionsprozess ist die Folge, bei dem die Familie von der Kamera begleitet wird.

Die zweite Regenbogenfamilie besteht aus Rüdiger, Bibiane und Aurelia. Die beiden Eltern lernten sich über eine Internetplattform kennen, auf der Erwachsene mit Kinderwunsch Gleichgesinnte suchen und finden können. Über zwei Jahre haben sich die beiden kennengelernt. Sie wurden Freunde und schließlich Eltern – ohne Beziehung. Die 37 Grad Autorin bezeichnet das als „familiäre Pionierarbeit“.
Den Alltag mit Kind wollen Rüdiger und Bibiane gleichmäßig teilen. Ob und wie ihnen das in den ersten Monaten gelingt, kann man in der Dokumentation sehen.

Alles in allem eine interessante Dokumentation, die den Blick für Probleme und Diskriminierung öffnet, die im heteronormativ geprägten Alltag vielen wohl gar nicht präsent sind.

Die Dokumentation:

https://www.youtube.com/watch?v=t9SeUUUc8HE

Kennt ihr selbst Regenbogenfamilien? Haben diese eine ähnliche oder eine ganz andere Geschichte als die Familien in der Dokumentation? 
Wie hat das Umfeld reagiert, als der Kinderwunsch bekannt wurde? 

 

Quellen und Links zum Weiterlesen:
ZDF – Mutter, Mutter, Vater, Kind
ZDF Mediathek 

Uni Köln: Erstes Analverkehr-Seminar abgesagt

Uni Köln: Erstes Analverkehr-Seminar abgesagt

Vor einer Woche verbreitete sich die Einladung zum „Workshop für Arschficker_Innen und die, die es werden wollen“.  Veranstalter war die Studierendenvertretung der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln. Geplant war der Workshop am 3. Juni in der Zeit von 17-21 Uhr. In der Facebook-Einladung wurde der genaue Veranstaltungsort noch nicht bekanntgegeben, dafür aber die Intention hinter der Veranstaltung: „Während der größte und kräftigste Muskel des Menschen gemeinhin ‚Allerwertester‘ genannt und als Sitzgelegenheit gebraucht wird und man sich auch meist täglich der Entleerung des Darms hinwendet, haftet dem Arsch als erogene Zone und Fickgelegenheit immer noch das Tabu, der Schmutz, der Schmerz an“. Der Umgang mit Tabus, Verboten, die Wissensvermittlung um Tipps und Tricks „zur lustvollen Verwirklichung sexueller Phantasien und Wünsche“ sollten im Fokus der Veranstaltung stehen.

Screenshot Veranstaltungseinladung Facebook (https://www.facebook.com/events/237473346619548/)

Screenshot Veranstaltungseinladung Facebook (https://www.facebook.com/events/237473346619548/)

Worum sollte es genau gehen?
Wer nun glaubt, bei so einer Veranstaltung in eine Orgie zu geraten, wurde direkt auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Die Studierendenverwaltung stellte klar, dass weder Kondome noch Gleitgel mitzubringen sind, da im Workshop kein sexuellen Handlungen vollzogen werden. Vielmehr sollen die maximal 12 Teilnehmer in kleinen Gruppen über die wesentlichen Fragen des Analverkehrs diskutieren: Welche Hilfsmittel kann man nutzen? Was muss anatomisch beachtet werden? Wie sprechen wir über Analverkehr? Wer fickt hier eigentlich wen? u.v.m.
Eingeladen sind auch Nicht-Studierende. Grundsätzlich sollte die Veranstaltung Erwachsenen jeglicher sexueller Orientierung offen stehen.

 

Was zunächst noch so offen und kommunikativ klang, wurde wenige Stunden später wieder abgesagt. Die Studierendenvertretung der Uni Köln hat die Veranstaltung absagen lassen.

Als sich die Einladung in der Lokalpresse, bei einem Blogger und in der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ verbreitete, erhielt die Uni Köln Presseanfragen.
Der Studierendenausschuss der (eigentlich organisierenden) Fakultät ruderte zurück und sagte die Veranstaltung ab. In der dazugehörigen Pressemitteilung entschuldigte sich die Studierendenvertretung für die gewaltvolle und pornografische Sprache in der Einladung, die von einigen Menschen als „verletzend und übergriffig“ bezeichnet worden war. Die Fakultät hätte bei der Werbung für die Veranstaltung die Verwendung der stark sexualisierten Sprache und deren Wirkung zu wenig bedacht. Das eigentliche Anliegen, den Ausbau der Sexualpädagogik an der Uni-Köln, sei damit nicht erreicht worden. Die Fakultät sei, durch den unbedachten Sprachgebrauch, ihrem Wunsch nach positiver Kommunikation bezüglich Sexualität und vielfältigem Begehren nicht gerecht geworden.
Die Univerwaltung selbst hat übrigens nichts gegen den Workshop gehabt.

Wer sollte das Seminar überhaupt durchführen?
Leiten sollte den Workshop Marco Kammholz, der diese Seminarkonzeption am Insitut für Sexualpädagogik (ISP) entwickelt hat. Es soll ein Bestandteil der Fortbildung zum Sexualpädagogen sein. Das ganze ist also durchaus (sexual)wissenschaftlich fundiert und kein „Schmuddel-Seminar“. Mit Humor, Fachwissen und spielerischen Methoden sollten die Teilnehmer miteinander ins Gespräch über Analverkehr kommen. Er ist enttäuscht über die Absage und verweist gegenüber queer. de auch auf das begrenzte deutsche Sprachrepertoire für Sexualität. Dass der Titel den Begriff „Arschficker_Innen“ verwendet, sei eine bewusste Entscheidung gewesen, die aufrütteln und die repressive Sexualmoral entlarven sollte. „Hinter dem Vorwurf, dieser Begriff sei „gewaltvoll und pornographisch“ und dadurch „verletzend und übergriffig“ verbirgt sich meiner Meinung nach ein reaktionäres und gefährlich ungenaues Verständnis von Sexualität und Intimität – sichtbar wird dabei die Vorstellung einer „richtigen“, sauberen, provokations- und widerspruchsbefreiten Sexualität – in einer Öffentlichkeit, die wiederum frei von Widersprüchen und Konflikten sein soll.“ (Kammholz auf queer.de „Arschficken gegen Rechts“ am 18.05.2016)

Auf Facebook kann man übrigens immer noch an der Veranstaltung teilnehmen.

Findet ihr so ein Seminar an einer Universität unpassend?
Was haltet ihr von der Absage und der Begründung? 
Ist die deutsche Universitätslandschaft noch zu prüde für solche Veranstaltungen?

Quellen und Links zum Weiterlesen:
queer. de: Erstes Analverkehr-Seminar an der Uni-Köln
queer.de: Uni Köln: Prüde Studierendenvertretung sagt Analsex-Workshop ab
S
tAVV der Uni Köln (Humanwissenschaftliche Fakultät): Stellungsnahme der Studierendenvertretung der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln vom 13.05.2016
q
ueer.de (Marco Kammholz): Arschficken gegen Rechts.
queer.de: Analverkehr- Workshop erregt AfD und FDP 

Museums-Tipp: „Homosexualität_en“-Werbeplakat zu heißer Stoff für die DB

Museums-Tipp: „Homosexualität_en“-Werbeplakat zu heißer Stoff für die DB

Letztes Jahr war zwischen Juni und Dezember die Ausstellung „Homosexualität_en“ in Berlin zu sehen. Diesen Mai geht es in weiter Münster. Doch diesmal gibt es Ärger mit dem Werbeplakat der Ausstellung, die über Monate an den präsenten Stellen der Hauptstadt prangten. In den Augen mancher verletzt das Plakat zu viele Grenzen. Für die Deutsche Bahn ist es gar zu „sexualisiert“ und „sexistisch“, als dass es in Bahnhöfen gezeigt werden dürfe. Das umstrittene Plakat zeigt nackte, gepiercte Brüste, einen stark geschminkten Mund – ohne Zweifel Elemente, die schnell mit der Sexualisierung des weiblichen Körpers in Verbindung gebracht werden. Doch zugleich zeigt es auch einen muskelbepackten, vernarbten Oberkörper, ein markantes Gesicht. Die eigentliche Irritation des Bildes liegt nicht in der Nacktheit und im Make-Up, sondern darin, dass sich der abgebildete Mensch den klassischen Kategorien entzieht. Schnell ertappt man sich bei der Überlegung, ob dort nun eigentlich ein Mann oder eine Frau auf dem Plakat abgebildet ist – eine Frage, auf die Model und Künster_in Heather Cassils bewusst keine Antwort geben möchte. Die Verwendung der gegenderten Schreibweise, die sich auch im Ausstellungstitel wiederfindet, ist ein weiteres bekanntes Reizthema, an dem sich oft die Geister scheiden.

Das Plakat enthält keine Forderungen, es zwingt dem Betrachter keine Botschaft auf. Aber es provoziert, und regt zum Nachdenken an. Was man daraus macht, liegt im Auge des Betrachters selbst. Für die einen ist es ein Angriff auf traditionelle Rollenbilder, für die anderen ist es ein Symbol für Vielfalt und auf Aufbrechen klassischer Schubladen.

Doch worum geht es eigentlich genau bei der Ausstellung, deren Werbeplakat für solchen Wirbel sorgt? Das Bild zeigt uns bereits, dass es nicht nur um nüchterne Fakten und historisch-soziologische Abrisse geht (obwohl auch das thematisiert wird), sondern auch um die Fragen von Normalität und Heterogenität, um Emotionen und Kultur, und auch dass man nicht nur Homosexualität(en) im engeren Sinne, sondern das ganze Feld der LGBTIQ-Bewegung im Blick hat. Mikiyo bietet uns brandheiße Eindrücke aus erster Hand:

Die Ausstellung besteht aus verschieden Räumen mit entsprechenden thematischen Schwerpunkten.
Der Besucher beginnt mit im „Ersten Mal“. Hier geht es in Audio-Beiträgen  vor allem um die Selbsterfahrung und Gedanken zum Coming-Out. Persönliche Gegenstände, wie Briefe, Schmuck oder Schuhe der Interview-Partner runden diesen Bereich ab und bringen den Besucher näher an die Personen, die hier einen Einblick in ihren ganz persönlichen Selbstfindungsprozess geben. Dabei bleibt auch das Politische immer von Bedeutung.
Als nächstes folgt ein Raum, der durch Porträts, Selbstporträts und Fotos, die auf die unterschiedlichen Frauenbilder der Geschichte aufmerksam machen. Bei so manchem Foto  verharrt der Betrachter und überlegt, ob es sich bei den beiden Frauen auf dem Bild wohl um Freundinnen, Schwestern oder gar Geliebte handelt. Die Abweichung von der Heteronormativität wird durch Fotos des 20 Jahrhunderts und Darstellungen vielfältigen Lustempfindens und Eindrücken schwul-lesbischer Kultur in“Andere Bilder“ ergänzt.
Ein wirkliches Highlight der Ausstellung ist das „Wilde Wissen“. Dort werden in alphabetischer Reihenfolge Schlaglichter Gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse der LGBTIQ-Szene präsentiert. Nicht nur die Spiegel-Cover der 80er haben es in diesen Bereich geschafft. Auch ein Glory Hole und das Kaffeeservice, dass die deutsche Fußballnationalmannschaft der Damen 1989 als „offizielle Siegprämie“ des DFB für die Europameisterschaft erhielt, können hier bestaunt  (und natürlich kritisch hinterfragt) werden.
Besonders beeindruckend und bedrückend zugleich ist der Abschnitt „Schimpf und Schande“. Dort hört der Besucher in Akustik-Boxen sitzend, Bibel-Zitate und originale Audio-Dateien von Predigern, Politikern, Prominenten und Aktivisten. Hier geht es um die Thematisierung von Homophobie.
„Vor Gericht“ behandelt die juristische Situation und Entwicklung von Nichtheterosexuellen rund um den Globus. Gerichtsakten, Zeitungsartikel und eine beeindruckende Weltkarte geben einen Einblick in die, in vielen Ländern noch immer, problematische Situation vieler LGBTIQs.
Der Rosa Winkel gedenkt den queeren Opfern des Nationalsozialismus. Auch in den Jahrzehnten nach ´45 schwiegen viele Opfer, die in den Arbeits- und Konzentrationslagern den Rosa Winkel tragen mussten über ihr Leid und ihre Erlebnisse. Einige haben es doch getan. Ausgewählte Biographien bilden den Inhalt dieses Raumes.
Zwischen diesen Räumen befindet sich ein Kunstwerk von Heather Cassils. Mit Audioaufnahmen unterlegt, führt dieses Kunstwerk durchaus zu erneuter Irritation. Die Akustik ist auch noch im angrenzenden Bereich „Der Matrix“ zu hören. Dort geht es um den medizinisch, psychologisch und sexualwissenschaftlichen Blick. Auch hier belegen historische Dokumente den Wandel der Betrachtungsweise.

Alles in Allem handelt es sich bei Homosexualität_en um eine wirklich sehenswerte Zusammenstellung. Der Besucher, der nicht nur beiläufig einen Blick auf die Bilder werfen möchte, sollte viel Zeit mitbringen um die Ausstellung in vollem Umfang nutzen zu können. Wer einen Überblick über den gesellschaftlichen Umgang mit Homosexualität und Geschlecht und verschiedenen Aspekten erhalten möchte, sollte diese Ausstellung nicht verpassen!

Haltet ihr die Kritik am Plakat für gerechtfertigt?
Wer von euch war schon in der Ausstellung oder hat noch vor hinzugehen?

Was war euer Highlight? Würdet ihr die Ausstellung weiter empfehlen?

*Titelbild: Cover des Bildbandes zur Ausstellung. Das  gleiche Motiv ist auf den Werbeplakaten abgebildet.

Dieser Beitrag ist eine Kooperation von Brooklyn Bridge und Mikiyo.

Quellen und Links zum Weiterlesen
Spiegel.de: Mein Körper, das Kunstwerk
Deutsche Bahn zensiert „Homosexualität_en“-Poster
Homosexualität_en | Schwules Museum
„Homosexualität_en“: Deutsches Historisches Museum
Kulturstiftung des Bundes – Homosexualität_en
DHM: Homosexualität_en

TV-Tipp: „Aus der Haut“ (Spielfilm)

TV-Tipp: „Aus der Haut“ (Spielfilm)

Die ARD zeigt gleich um 20:15 ein Familiendrama (Eigenproduktion). In „Aus der Haut“ geht es um.d.en 17-jährigen Milan. Er betrinkt sich, nimmt mit 1,7 Promille im Blut das Auto seines Vaters, rast durch die Stadt und überschlägt sich damit. Der scheinbare Unfall im jugendlichen Leichtsinn entpuppt sich als Selbstmordversuch des Teenagers.

Ganz einfach hatten Susann und Gustav es nie mit ihrem Sohn. „Anstregend“ und „unbrechenbar“ sei er wegen seinem ADS gewesen. Vor dem Unfall scheint sich Milan gefangen zu haben. Die Mutter konnte die lange ruhende Karriere wieder aufnehmen, macht sich selbstständig. Der Vater fühlt sich in seinem Job plötzlich unterfordert. Das über Jahre funktionale Familiengefüge beginnt zu wackeln.

Der Grund für den Selbstmordversuch bleibt den Eltern zunächst verborgen: Milan ist schwul. Milan hatte angetrunken seinen besten Freund geküsst. Dieser war entsetzt, Milan am Boden zerstört und zutiefst verunsichert. Die ( leider berechtigte) Angst vor der Reaktion in der Schule und die Unsicherheit über seine eigene sexuelle Orientierung ist groß. Der Autounfall ist eine Aktion aus purer Verzweiflung.
Milan versucht sich selbst zu finden. Er beginnt schließlich eine Affäre mit einem älteren Mann, offenbart sich seinen Eltern. Die reagieren scheinbar cool, treffen in der Folge aber Entscheidungen, die die Familie aufs Spiel setzen, während Milan versucht den Weg zu sich selbst zu finden.

Trailer:

„Er ist allerdings dennoch die seit Langem wahrste und berührendste Fernseherzählung eines Coming-outs. Ein peinigender Blick ins Innere der Scheinliberalität. Und ein annähernd komplettes Kompendium aller Verhaltensweisen und Sätze, die man sich als Eltern sparen sollte. Seit Jahrzehnten.“ (Die Welt)

„Viel früher als in der Dramaturgie von solchen TV-Filmen üblich erzählt Milan seinen Eltern von seiner Homosexualität. Eine starke Entscheidung, denn so schafft es der Autor, mehr als nur ein Coming Out eines 17-jährigen zu erzählen.[…] Ein reifer Film, der auf vielen Ebenen gut funktioniert. Merlin Rose spielt den jungen Milan wunderbar energisch.“ (Frankfurter Rundschau)

Eckdaten:
TV-Familiendrama
Deutschland/Österreich 2016
Dauer: 90 Min.
Erstausstrahlung 9. März 2016 20:15 Uhr
In der Ard Mediathek bis: 09.06.2016
Quellen und Links zum Weiterlesen:
daserste.de:  Aus der Haut
Die Welt: Mein Sohn ist schwul. Na und? Hauptsache gesund!
F
rankfurter Rundschau: Mit aller Wucht

Beitragsbild: RainerSturm  / pixelio.de