Zwangsprostitution: unantastbare Menschenwürde

Zwangsprostitution: unantastbare Menschenwürde

Eine Kampagne der Stadt Stuttgart macht auf Zwangsprostitution aufmerksam. Neben dem Schutz der Frau wirft diese Kampagne eine Diskussion über Frauenbild, Sexualität und Partnerschaft auf.

Zwangsprostitution findet dann statt, wenn ein Mensch einen anderen Menschen zur Arbeit als Prostituierten zwingt. Mit falschen Vorstellungen werden osteuropäische und afrikanische Frauen nach Europa gelockt. Ihnen werden Jobs in der Gastronomie, in der Modebranche als Model oder in anderen Branchen versprochen. Die Menschenhändler, die sie nach Europa holen, häufig aus der eigenen Familie, kassieren horrende Summen von den Zwangsprostituierten. Sie müssen den Menschenhändlern die Vermittlungsgebühr dafür, dass sie sie nach Europa brachten, zurückzahlen. In Europa angekommen wird den Frauen der Pass abgenommen, sodass sie handlungsunfähig sind. Zur Prostitution werden sie durch psychische oder physische Gewalt gezwungen oder sehen aufgrund ihrer Hilf- und Aussichtslosigkeit keine andere Alternative.

Die Frauen, die ohne Papiere im Land sind und kaum Deutsch sprechen, werden in Bordellen, Appartements und anderen Etablissements untergebracht. Ihren Verdienst müssen sie abgeben und auch sonst können sie sich kaum ein soziales Umfeld aufbauen, da sie die Landessprache nicht sprechen, häufig den ganzen Tag arbeiten müssen oder den Wohnort häufig wechseln.

Zwangsprostituierte kamen nach Europa, um sich ein besseres Leben aufzubauen und leiden unter den Folgen der Vergewaltigungen.

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Kuhn rief nun eine Kampagne ins Leben (http://stuttgart-sagt-stopp.de/), um Freier über die menschenunwürdigen Verhältnisse in Bordellen aufzuklären. Provokante Slogans auf Plakatwänden in S-/U-Bahnhöfen und an Bushaltestellen machen auf die kritischen Umstände in Bordellen aufmerksam. Schätzungen zufolge arbeiten täglich 600 Prostituierte in Stuttgart. Der Anteil an Zwangsprostituierten ist unklar und die Dunkelziffer vermutlich höher.

Die Stadt Stuttgart nutzt Slogans wie „Die Würde des Menschen ist auch beim Ficken unantastbar“, „Kondome benutzt man, Frauen nicht“ und „Nutten sind Menschen“, um aufzuklären.

Aufklärungskampagne Zwangsprostitution der Stadt Stuttgart

Aufklärungskampagne Zwangsprostitution der Stadt Stuttgart

Was denkt ihr über diese Kampagne? Denkt ihr, dass sie wirksam ist? Denkt ihr, dass Freier ihr Verhalten überdenken? Ist es Freiern egal, ob die Prostituierte freiwillig als Sexarbeiterin arbeitet oder dazu gezwungen wird? Muss es schärfere Regeln und Kontrollen in Rotlichtvierteln geben? Kann Zwangsprostitution überhaupt verhindert werden? Denkt ihr, dass diese Kampagne etwas dazu beiträgt, das Bild von Frauen, Sexualität und Gesellschaft zu schärfen?

Quellen:

http://stuttgart-sagt-stopp.de/


http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.zwangsprostitution-in-stuttgart-bordelle-sind-keine-wellness-oasen.8acd7c1d-acac-4aeb-a8ef-c3ef6060f974.html

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.kampagne-gegen-zwangsprostitution-in-stuttgart-die-wuerde-des-menschen-ist-auch-beim-ficken-unantastbar.95875e80-a507-4016-87f0-ee004b5c96c1.html

http://mission-freedom.de/menschenhandel/zwangsprostitution/

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/neue-kampagne-gegen-zwangsprostitution-in-stuttgart-14198822.html

TV-Beitrag zum Thema Zwangsprostitution:

http://www.ardmediathek.de/tv/die-story/Ware-M%C3%A4dchen-Prostitution-unter-Zwang/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=7486242&documentId=34674232

Beiträge zum Weiterlesen im PL-Blog:

TV-Tipp: Ware Mädchen – Prostitution unter Zwang

Geplantes „Prostituiertenschutzgesetz“ umstritten

 

Geplantes „Prostituiertenschutzgesetz“ umstritten

Geplantes „Prostituiertenschutzgesetz“ umstritten

„Mit unserem Gesetz werden wir sie vor Gefährdungen ihrer Gesundheit, ihrer sexuellen Selbstbestimmung und vor Gewalt wirksamer schützen und sie in der Wahrnehmung ihrer Rechte stärken.“, so Familienstaatssekretärin Elke Ferner (SPD).

Das neue „Prostituiertenschutzgesetz“, das nach den Plänen der Bundesregierung bis zum Herbst durch Bundestag und Bundesrat abgesegnet werden soll, sieht unter anderem vor, dass Bordelle vor Eröffnung einer Genehmigung und Überprüfung unterzogen werden sollen. Dabei muss ein Betriebskonzept vorgelegt werden. Durch die Prüfung und Genehmigungspflicht der Konzepte sollen menschenunwürdige Konzepte wie „Flatrate-Bordell“ künftig verboten werden und vom Markt verschwinden.
Arbeits- und Wohnräume müssen in den Freudenhäuser getrennt sein. Eine Notrufnummer für Prostituierte, die Drohungen oder Gewalt erfahren, soll eingeführt werden.  Eine strikte Kondompflicht soll risikobehaftetes Verhalten gegen Aufpreis unterbinden und so auch die Sexarbeiter(innen) vor STIs und HIV schützen. Bei der Verletzung der Kondompflicht drohen dem Freier bis zu  €50.000 Geldstrafe.

Weiterhin sollen sich Sexarbeiter in Deutschland fortan behördlich registrieren lassen, und regelmäßige Unterweisungen in rechtlichen und gesundheitlichen Fragen erhalten. Dies soll auch für Frauen und Männer gelten, die sich nur gelegentlich prostituieren und damit nicht ihren Lebensunterhalt verdienen. Besonders die Registrierungspflicht führt zu scharfer Kritik beim Bundesverband der Sexarbeiter und der deutschen AIDS-Hilfe. Eine solche Registierungspflicht (wie sie auch unter dem Nationalsozialismus bestand) führe zu Stigmatisierung und dränge Prostituierte in den Untergrund. Die Betroffenen seien somit für Schutz- und Hilfsmaßnahmen erst Recht unerreichbar.

„Uns ein Bündel von diskriminierenden Zwangsmaßnahmen als „Schutz“ verkaufen zu wollen, ist wirklich zynisch“, so Undine de Rivière, eine der Sprecherinnen des Berufsverbandes für sexuelle und erotische Dienstleistungen e.V.. „Eine Registrierung bei der Polizei wäre für viele von uns eine Katastrophe und käme einem Zwangsouting gleich. Wir brauchen weder Idiotentests für Sexworker noch einen Hurenpass. Statt jetzt etwas einzuführen, was wir nur „Prostituiertenkontrollgesetz“ nennen können, sollten erst einmal die ganzen bereits vorhandenen diskriminierenden Sondergesetze gestrichen, Bordelle ganz normal dem Gewerbeamt unterstellt und Sexarbeit endlich rechtlich anderen Berufen gleichgestellt werden.“
Eine solche Meldepflicht am Tätigkeitsort sei für die Branche illusorisch. Oft seien die Frauen nur wenige Wochen am selben Ort, manche arbeiten bundesweit. Die Trennung von Wohn- und Arbeitsräumen in Bordellen sei gerade die Frauen aus dem europäischen Ausland, die einen Großteil der Einnahmen in die Heimat schicken, eine Katastrophe. Sie müssten dann große Teile ihres Einkommens für Hotelzimmer und Mieten ausgeben.
Der Bundesverband fordert eine Ende der Stigmatisierung und die Anerkennung der Sexarbeit als normales Gewerbe. Andere Freiberufler, die im ganzen Land arbeiten, müssten sich schließlich auch nicht an jedem neuen Ort registrieren lassen.

Was haltet ihr von diesem Gesetzentwurf?
Wird er die Sexarbeiter(innen) schützen oder die Stigmatisierung lediglich verschärfen?

Quellen und Links zum Weiterlesen:
http://www.queer.de/detail.php?article_id=25834
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/prostituiertenschutzgesetz-kondom-wird-pflicht-standards-fuer-bordelle/13361646.html
http://www.aidshilfe.de/de/aktuelles/meldungen/prostituiertenschutzgesetz-neue-gefahren-statt-schutz
Neues Prostituiertenschutzgesetz
Berufsverband der Sexarbeiterinnen übt scharfe Kritik am Prostitiertenschutzgesetz (Juli 2015)

TV-Tipp: „Sugardaddy – Suche Jugend, biete Geld“ (Doku)

TV-Tipp: „Sugardaddy – Suche Jugend, biete Geld“ (Doku)

Auf den roten Teppichen dieser Welt sind Paare mit großem Altersunterschied normal. Viele ältere Schauspieler schmücken sich mit hübschen jungen Kolleginnen. In der Presse sind diese Bilder Normalität geworden. Kritisch beäugt werden andere „Prominente“. Den Beziehungen von Hugh Hefner und seinen Playboy-Bunnies (um nur ein Beispiel zu nennen) werden immer wieder andere Motive als die ganz großen Gefühle nachgesagt. Ist auch er im Prinzip nicht nur ein Sugardaddy?

Wie funktioniert das Prinzip dieser Beziehungen beim normalen Bürger?

Wenn man in der Fußgängerzone ältere Herren mit augenscheinlich sehr viel jüngeren Damen sieht, schweifen die Gedanken schnell in die bipolare Überlegung zwischen „Vater und Tochter oder Sugardaddy und Betthäschen?“ oder „Die bekommt doch sicher Geld von dem!“. Aufgelöst werden diese Gedanken von Passanten wohl nur in wenigen Fällen.

Hinter eben solchen Überlegungen stecken in vielen Fällen Vorurteile. In den wenigsten Fällen handelt sich dabei wohl um wirkliche Sugardaddy und Sugarbabes, denn die haben stets einen (mehr oder weniger offenen) finanziellen Hintergrund: Zeit, Begleitung und Sex im Tausch gegen Geld, Geschenke und Reisen.
Das ZDF hat Anfang Februar eine Doku zu eben dieser Thematik ausgestrahlt. 37 Grad begleitet Sugarbabes und (werdende) Sugardaddys beim Kennenlernen und gibt einen Einblick in die Beweggründe.

Wo liegt die Grenze zwischen Sugardaddy-Sugarbabe-Beziehungen und Prostitution?  In beiden Konstellationen geht es um ein Tauschgeschäft, das auf der Schönheit und dem Körper junger Frauen basiert. Auch dazu äußern sich die Protagonisten.

Sehen könnt ihr die 30 minütige Dokumentation in der ZDF-Mediathek.

 

Quellen und Links zum Weiterlesen:
ZDF: Sugardaddy
t-online: Wie sich ältere Männer Jugend und Sex erkaufen
Die Welt: Sugardaddys – Der Deal mit der Frau als Accesoire

Serien-Tipp: Secret Diary of a Call Girl

Serien-Tipp: Secret Diary of a Call Girl

„Der Kunde ist König!“ erhält in dieser Serie eine ganz neue Bedeutung. Denn hier wird das Mantra so mancher Branche zur Realität!

Belle de Jour ist eine Dame für die ganz besonderen Stunden der Londoner Herren. Diese Stunden, in den Edel-Hotels der britischen Hauptstadt, lässt sie sich entsprechend gut bezahlen. Sie bezeichnet sich selbst u.a. als „Edel-Escort“, scheut sich aber nicht das Wort „Hure“ in den Mund zu nehmen. Sie scheut sich auch nicht davor, die noch so merkwürdig anmutenden Wünsche ihrer Kunden zu erfüllen und legt sich dabei voll ins Zeug. Das führt im Laufe der Serie zu nicht nur einer eher witzigen als erotischen Szene. Belle liebt ihren Job. Sie liebt das Geld und den Sex.
Der Zuschauer begleitet Belle de Jour dabei nicht nur zu den Kunden. Auch die umfangreiche Vorbereitung vor „einem Termin“, und die Gespräche mit Chefin und Kolleginnen haben ihren festen Platz in der Serie.
Ihr Privatleben trennt Belle kategorisch von ihrem Job. Dann ist sie als Hannah für ihre nichtsahnenden Freunden und Familie eine Sekretärin. Natürlich bringt das Doppelleben so einige (für den Zuschauer äußerst unterhaltsame) Verwirrungen und Herausforderungen mit sich, die Belle dem Zuschauer mit Witz und so manchen Anekdoten näher bringt. Dabei besticht die Serie durch die ansprechende Inszenierung der „Kundenkontakte“, die trotz der Thematik und der relativ eindeutigen Bilder nicht billig erscheinen oder nach Porno aussehen.

 

Billie Piper, die so manchem noch von „Doctor Who“ bekannt sein dürfte, verkörpert Hannah/Belle mit koketten Blicken und einer vielseitigen Garderobe.

Die Serie, die auf einen Blog von Brooke Magnanti und dem späteren dazugehörigen Buch basiert, umfasst vier Staffeln mit je acht Folgen (ca. 23 Minuten). Sehen kann man alle vier Staffeln aktuell kostenlos unter anderem auf Amazon Prime oder Myvideo. Auch Netflix, Maxdome und iTunes bieten die Serie an. Auch Sixx strahlte die Serie seit 2013 aus.

Männliche Prostitution in deutschen Großstädten – Aus dem Gespräch mit einem Streetworker

Männliche Prostitution in deutschen Großstädten – Aus dem Gespräch mit einem Streetworker

Fast jeder wird die Geschichte von Christiane F. und ihrer Jugend auf dem Kinderstrich am Bahnhof Zoo kennen. Drogen brachte nicht nur sie, sondern auch zahlreiche Jungs und junge Männer in die Szene. Doch wie sieht es heute in den deutschen Großstädten aus? Das Milieu steckt für Außenstehende voller Geheimnisse und mindestens genauso vieler Vorurteile. Grund genug euch heute einen kleinen Einblick in die Arbeit von Streetworkern zu geben, die versuchen genau diesen Jungs hilfreich zur Seite zu stehen.
Meine Informationen beziehen sich dabei auf Gespräche mit Mitarbeitern eines Vereins, der sich in einer deutschen Großstadt aktiv für die Jungs einsetzt. Die Stadt und der Verein werden bewusst nicht genannt.Wenn man(n) eine Bar betritt und im Gastraum nur junge sehr attraktive Männer und tendenziell eher Herren Ü50 vorfindet, wird einem schnell klar wo man ist: in einer der in der Szene einschlägig bekannten Stricherkneipen. Diese Kneipen sind ein zentraler Punkt an dem Jungs und Freier aufeinandertreffen. Nicht immer endet das beim Sex, oftmals aber schon und die ungleichen Paare verlassen gemeinsam die Lokalität. Die Wirte wissen natürlich, was sich in ihren Räumlichkeiten abspielt. Sie sind Teil der Szene, kennen ihre Stammkunden und sind ein wichtiger Teil der lokalen, teilweise familiär anmutenden Szene.

Nachts mischen sich regelmäßig die Streetworker unter die Gäste. Verteilen Kondome und Gleitgel (welche auch oft in Boxen des Vereines in den Bars ausliegen), zeigen Präsenz und bieten somit auch die Gelegenheit zur Kontaktaufnahme und Beratung. Je nach Verein/ Stadt fahren auch regelmäßig Fahrzeuge auf den Straßenstrich um auch diese Jungs zu erreichen. Sie verteilen Flyer und Visitenkarten um auch im Notfall für die Jungs da zu sein. Gelegentlich werden sie auch zu Polizeieinsätzen im Milieu gerufen um zu vermitteln. Man kennt sich.

Diese Beratung selbst findet meist in den Vereinsräumen statt, welche ab dem späten Vormittag bis zum Abend für die Jungs offen stehen. Hier steht den Jungs nicht nur Fachpersonal zur Verfügung. Sie können sich duschen, ihre Wäsche waschen, gemeinsam kochen, schlafen und einfach mal von der Szene abschalten und zur Ruhe kommen. Hier dürfen keine Drogen konsumiert werden. Regelmäßig findet auch eine medizinische Sprechstunde statt, in der es vor allem um „Safer Work“ geht. Die Jungs werden nicht dazu überredet auszusteigen. Wenn sie es wünschen, werden sie beim Weg aus der Szene begleitet. Oftmals kommt es aber auch vor, dass die Beratungsgespräche den schon eingeschlagenen Weg in die Szene begleiten und die Grundlagen des Safer Sex erstmals vermitteln müssen. In den Beratungsgesprächen wird auch weitervermittelt: Beratungsstellen zur Drogen-/Spielsucht, Geschlechtskrankheiten, je nachdem was gebraucht wird.
Da stellt sich die Frage „Welcher junge Mann entscheidet sich freiwillig für diesen Weg?“

Die Szene ist schnelllebig. Zu Beginn der 90er war die Szene in den Großstädten voll mit deutschen Jungs aus eher ländlichen Regionen, die ihre ersten homosexuellen Erfahrungen machen wollten. Heute sind in der Szene eher wenige deutsche Jungs zu finden. Diese nutzen eher das Internet zur Kontaktaufnahme. So bleiben die Bars, einschlägigen Pornokinos und die Straße für diejenigen, die technische oder sprachliche Probleme haben. Junge Männer aus Südamerika beherrschen die Szene in Städten wie Köln. In Berlin und München sind junge Bulgaren und Rumänen aktuell in der Mehrheit. Viele können bei ihrer Ankunft kein Wort deutsch und nur sehr wenig Englisch.

Oft kommen sie nach Deutschland weil Verwandte, Bekannte oder Nachbarn ihnen vom großen Geld in Deutschland erzählen. Wie sie dieses Geld verdienen sollen, erfahren einige Jungs erst, wenn sie schon fern der Heimat sind. Im Idealfall werden die Neuankömmlinge von ihren „Anwerbern“ angelernt, in die Szene eingeführt und auf ihre Gefahren aufmerksam gemacht. Im schlechtesten Fall werden sie ins Kalte Wasser gestoßen und um ihr Geld gebracht. Besonders problematisch ist die Situation für Jungs aus Kulturkreisen in denen Homosexualität ein Tabu ist. Sie handeln wider ihrer moralischen Vorstellungen und greifen in vielen Fällen zu Drogen um die Situation erträglich zu gestalten. Dass sie Kiffen, Heroin, Chrystal, Spielsucht und Alkohol nur noch weiter in die Abwärtsspirale treiben, ist dabei nebensächlich.

Die schlechte wirtschaftliche Lage ist es, die die jungen Männer in die deutschen Städte bringt. Die meisten haben keinen Schulabschluss, viele sind Analphabeten. In ihren Dörfern verdienen sie im Monat nur einen Bruchteil von dem, was sie hier in einer Nacht auf die Hand bekommen. In einer Nacht kann ein junger Mann mehrere hundert Euro verdienen. Wenn er ganz neu in der Szene ist verdient er umso besser. Wenn sein Genital entsprechend gut ausgebildet ist, wird es noch mehr. Irgendwann ist man in der Szene bekannt, verdient hier weniger Geld. Die Gelegenheitsprostitution geht ihrem Ende entgegen.
Wer dann noch hier bleiben will, holt Frau und Kinder nach(die teilweise in der Heimat nichts ahnend warten) und bemüht sich um den Ausstieg. Der Großteil geht zurück in die Heimat, baut ein kleines Haus, lebt wieder den Alltag und versucht zu vergessen. Über das erlebte spricht man nicht. In Rumänien gibt es drei Dörfer, aus denen fast jeder junge Mann diesen Weg gegangen ist.

Die Streetworker sind mehrsprachig. Sprechen die Sprachen ihrer Jungs und werden schnell zur Vertrauten. Die Frage nach Kriminalität in der Szene wird wider meinen Erwartungen beantwortet. Die Szene sei familiär. Durch die Kneipen kennt man sich. Den „guten Ruf“ zu verlieren, könne man sich nicht leisten. Man passe auch gegenseitig auf sich auf. Gewaltaten und Diebstähle wären eher ein Problem vor den Kneipen mit Szenenexternen.
Teilweise entstehen „Beziehungen“ zwischen den Jungs und ihren Freiern. Die Jungs wohnen dort, gehen weiter in die Kneipen um Geld zu verdienen und irgendwann wieder in die Heimat oder in eine andere Stadt.

Beruhigend zu wissen, dass sie zumindest im Milieu nicht immer alleine sind, sondern die Vereine und ihre Streetworker für die Jungs da sind und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

In Deutschland gibt es 7 Anlaufstellen für sich prostituierende Jungs und junge Männer. In der Schweiz gibt es in Zürich eine Anlaufstelle. Ich schließe diesen Beitrag mit den Kontaktdaten und einem großen Dank an die Menschen, die den Jungs tagtäglich das Leben erleichtern und ein offenes Ohr für sie haben!

Dieser Beitrag ist bereits im Jahr 2013 im Satelliten erschienen. Nach dem TV-Tipp „Ware Mädchen – Prostitution unter Zwang“ soll er hier eine Ergänzung/ Erweiterung der Thematik darstellen.

Kontaktadressen und Anlaufstellen für Jungs und junge Männer die sich prostituieren:
Berlin
subway
Nollendorfstraße 31
10777 Berlin
Tel.: 030 – 215 57 59
jungs@subway-berlin.de

Essen
Nachtfalke
Varnhorst Str. 17
45127 Essen
Tel.: 0201 / 105 37 22

Frankfurt a.M.
KISS – Kriseninterventionsstelle für Stricher
Alte Gasse 32 HH
60313 Frankfurt
Tel.: 069-293671
kiss@frankfurt.aidshilfe.de

Hamburg
BASIS-Projekt
Pulverteich 17
20099 Hamburg
U/S Hauptbahnhof
Tel.: 040-2801607
basis-projekt@basisundwoge.de

Köln
Looks e.V. Köln
Pipinstraße 7
50667 Köln
Tel.: +49 221 2405650
info@looks-ev.de

München
Marikas
Dreimühlenstraße 1
80469 München
Tel.:089 – 725 90 84
marikas@hilfswerk-muenchen.de

Stuttgart
Café Strich Punkt
Tel.: 0711/553 26 47
info@verein-jugendliche.de

Zürich
HERRMANN
Häringstrasse 3
Eing. „Speak out“
8001 Zürich
Tel.: 044 455 59 00
herrmann@zah.ch

Wer keine der hier genannten Städte in seiner Nähe hat, kann sich auch an andere lokale Beratungsstellen wenden. Eine umfangreiche Auflistung findet ihr in unserem Kummerkasten.