Deutschland Studie zufolge queerstes Land Europas

Deutschland Studie zufolge queerstes Land Europas

Während überall auf der Welt Homo- und Bisexuelle sowie Transgender, mit mal größerem und mal geringerem Erfolg, für mehr Akzeptanz und Anerkennung kämpfen, weiß bis heute eigentlich keiner so genau, wie viele Menschen wirklich zu diesen Gruppen gehören. Es ist nicht so, als sei dieser Frage noch niemand auf den Grund gegangen, im Gegenteil: Es gab schon viele Untersuchungen dazu. Das Problem ist: Diese liefern extrem unterschiedliche Ergebnisse. Während manche Studien die Zahl im unteren Prozentbereich sehen, kommen andere auf deutlich zweistellige Prozentzahlen, die meisten hingegen liegen irgendwo zwischen diesen Extremen. Diese Unterschiede erklären sich zum einen durch die Art der Befragung. Nicht jeder legt bereitwillig seine sexuelle Orientierung oder Identität offen, und schon Nuancen in der Formulierung können Auswirkungen auf die Ergebnisse haben. Zum anderen unterscheiden sich die Definitionen, ab wann jemand als Homo- oder Bisexuell oder Transgender erfasst wird. Das schränkt natürlich die Aussagekraft und Vergleichbarkeit der Ergebnisse ein.

Dalia Research hat sich nun erneut dieser Fragestellung angenommen, und eine länderübergreifende Untersuchung mit über 11.000 Teilnehmern in allen EU-Mitgliedsstaaten durchgeführt. Das Ergebnis: Im EU-Durchschnitt ordneten sich selbst 5,9% der Befragten in mindestens eine der Kategorien homosexuell, bisexuell oder Transgender (LGBT) ein. Ein Blick auf die Details offenbart allerdings, dass auch diese Studie mit den großen Problemen dieser Fragestellung zu kämpfen hat: Während in relativ homophob geprägten Ländern die Zahlen deutlich darunter liegen (in Ungarn nur 1,5%), ziehen die meisten mittel- und westeuropäischen Staaten den Durchschnitt nach oben. Mit 7,4% liegt Deutschland im europäischen Vergleich an der Spitze. Auch wenn Dalia durch anonyme Online-Befragungen versucht hat, möglichst ehrliche und unverfälschte Ergebnisse zu erzielen, hat die gesellschaftliche Akzeptanz das Ergebnis offenbar verzerrt.

Interessant ist dabei, dass auf die erste Frage „Do you identify as lesbian, gay, bisexual or transgender?“ die o.g. 5,9% mit „yes“ antworteten, während bei der zweiten Frage, bei der die Teilnehmer gebeten wurden, sich selbst auf einer Skala ähnlich der Kinsey-Skala einzuordnen, 10% der Beteiligten eine der Antwortoptionen von „mostly heterosexual, sometimes homosexual“ bis „only homosexual“ wählten. Wieso fast die Hälfte dieser Leute sich selbst dennoch nicht als homo- oder bisexuell identifiziert, bleibt offen.

In sämtlichen Ländern stuften sich mehr Frauen als Männer als LGBT ein (wobei dieser Unterschied in Großbritannien sehr gering, in den Niederlanden hingegen extrem hoch ausfiel, im Schnitt beträgt die Differenz 1 Prozentpunkt). Auch ergab sich ein deutliches Altersgefälle: Während jeweils gut 4% der 30-49- und 50-65jährigen mit „yes“ antworteten, lag der Anteil bei den 14-29jährigen Europäern bei ca. 10%. Interessanterweise bildet Österreich hier mit über 9% bei den 50-65jährigen eine deutliche (möglicherweise durch die Größe der Stichprobe bedingte) Ausnahme.

Wie schon bei früheren Untersuchungen sollten also auch diese Zahlen nicht überbewertet werden. Nichtsdestotrotz sind die Ergebnisse interessant, und durch die einheitliche Befragungsmethode lassen sich – zumindest für diejenigen Länder, in denen genügend Teilnehmer für ein repräsentatives Ergebnis vorhanden waren – die Ergebnisse aus verschiedenen Ländern miteinander vergleichen.

 

Was denkt ihr über Sinn und Machbarkeit solcher Befragungen?

Decken sich die Ergebnisse mit euren Erwartungen und Beobachtungen?

Glaubt ihr, dass die Zahl derer, die sich selbst als LGBT identifizieren, mit steigender Akzeptanz und dem Generationenwechsel noch weiter wachsen wird?

 

Links:

dalia research: Counting the LGBT population

jetzt.de: Dalia-Studie zu LGBT-Anteil

quartz: why you shouldn’t trust surveys about sexual orientation

 

Regelmäßiger Oralverkehr erhöht das Krebsrisiko

Regelmäßiger Oralverkehr erhöht das Krebsrisiko

Heute meldet eine große deutsche Tageszeitung mit vier Buchstaben, dass eine neue Studie aus den USA bewiesen haben soll, dass häufiger Oralverkehr zu einem erhöhten Krebsrisiko führt. Bis zu 22 Mal häufiger sollen Menschen, die eine HPV Erkrankung im Mund- und Rachenraum haben, an Tumoren in dieser Körperregion erkrankt sein. Veröffentlicht wurde die Studie im  Fachjournal Jama Oncology.

Neu ist die Diskussion nicht. Seit Micheal Douglas 2010 an Krebs erkrankte und daraufhin seine  angebliche(!) Vermutung über die Ursache in den Medien öffentlich gemacht wurde, wird über die langfristigen gesundheitlichen Gefahren von Oralsex gesprochen. Douglas hat diese Äußerung , sein Kehlkopfkrebs stehe nicht in Verbindung mit Alkohol oder Rauchen, sondern könne vom Oralverkehr kommen, später durch einen Sprecher zurückweisen lassen. Er hätte nur im allgemeinen auf einen möglichen Zusammenhang hindeuten wollen, es aber nicht im Bezug zu seiner eigenen Krebserkrankung gesehen.

So ganz neu ist auch die medizinische Grundlage der neuen US-Studie nicht. Es ist schon länger bekannt, dass HPV  die Entstehung von Krebsleiden begünstigen kann – nicht am Gebärmutterhals, sondern auch im Kopf- un Halsbereich. Eben überall dort, wo man Schleimhäute in Kontakt mit Körperflüssigkeiten kommen. Beim Oralverkehr geht das unabhängig der beteiligten Geschlechter ganz schnell. Die Enttabuisierung von Oralverkehr in den letzten Jahrzehnten und der damit gestiegene Beliebtheitsgrad oraler Praktiken spiegle sich nun in den Zahlen. Auch die steigende Zahl von Sexualpartnern im Leben eines Menschen sei ein Grund für die Entwicklung.

In Deutschland gäbe es jedes Jahr mehr als 18 000 Menschen die als Mundraum- oder Halstumoren erkranken. Der Großteil der Patienten sei männlich. Bei etwa der Hälfte der Patienten sei HPV mitverantwortlich für die Tumorbildung gewesen, zitiert die Welt im Jahr 2013 die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
Nach Auskunft des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg  können mehrere Krebsarten durch HPV übertragen werden. „Schätzungen zufolge wird rund ein Drittel der Mund-Rachen-Tumoren durch die Viren ausgelöst. […] der durch die Viren verursachte Krebs gelte aber als besser behandelbar als bei anderen Ursachen.“ (Merkur) In Heidelberg werde aktuell auch an Früherkennungsdiagnostik geforscht, die lange vor einer Tumorbildung greifen soll und so die Behandlungschancen noch weiter verbessert.

Die Hälfte aller sexuell aktiven jungen Männer und Frauen sollen den HP-Virus in sich tragen. Bis zu 75 Prozent aller Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit dem Virus – bekanntlich sind Tumore in der vom Oralverkehr beanspruchten Region weitaus seltener. In vielen Fällen sind HPViren durch das eigene Immunsystem gut in Schach zu halten. Selbst wenn der Körper das Virus erfolgreich bekämpft, ist eine Neuinfektion nicht ausgeschlossen. Wie der Herpesvirus kann auch HPV immer im Körper bleiben.

Für Mädchen gibt es daher seit gut 8 Jahren die HPV- Impfung/Impfung gegen Virenstämme, die in Verdacht stehen Gebärmutterhalskrebs auszulösen. Die Impfung wird aufgrund von möglichen Nebenwirkungen und der begrenzten Zahl an abgedeckten Viren aber auch kritisch gesehen und diskutiert.

Die Vielzahl an HPV Stämmen sei auch ein Grund, warum die Menschen sich jetzt nicht von dem Zusammenhang verunsichern lassen sollten. In den meisten Fällen seien die Erreger nämlich ungefährlich, zitiert der Merkur den Arzt Michael Brady im Jahr 2013. Tabak und Alkohol seien die häufigsten Verursacher Tumoren im Mund und Rachenbereich. Der Lebenswandel eines Menschen ist also auch bei dieser Krebserkankung ein entscheidender Faktor.

Grundsätzlich kann man einer Infektion durch folgende Tipp vorbeugen bzw. das Risiko reduzieren:

  • Wer häufig wechselnde Sexualpartner hat, sollte immer darauf achten sich (und seine Schleimhäute) entsprechend zu schützen: Kondome und Dental Dams helfen weiter!
  • Körperhygiene im Genital- und Analbereich schützt auch vor anderen Infektionen und damit auch die Schleimhäute
  • Vermutet man bei sich oder dem/der Partner/in Genitalwarzen sollte man unbedingt zeitnah einen Arzt aufsuchen und den Verkehr vorerst einstellen. HPV zeigt sich nur selten so deutlich, sollte dann aber unbedingt Anlass zum Arztbesuch werden.
  • Die Impfung gegen HPV (16) ist auch für Männer möglich und wird sogar von einigen Krankenkassen übernommen.

Überraschen euch die Ergebnisse? Wird sich euer Sexualverhalten jetzt ändern? Seit ihr vorsichtiger und achtet mehr auf Safer (Oral)Sex?
Quellen und Links zum Weiterlesen:
Die Welt: Oralsex – wie groß ist die Krebsgefahr wirklich? (2013)
Merkur: Krebs durch Oralsex- Was sagen die Ärzte? (2013)
Menscore: Macht Oralsex Mundkrebs (2014)
Jama Oncology

Studie: Jugendsexualität 2015 (BZgA)

Studie: Jugendsexualität 2015 (BZgA)

Heute wurde in Berlin die neue BZgA Studie „Jugendsexualität 2015“ vorgestellt. Schwerpunktthemen der Befragung sind Aufklärung in Schule und Elternhaus, erste sexuelle Erfahrungen, Verhütungswissen und Verhütungsverhalten. Befragt wurden 5750 Jugendliche (1750 mit Migrationshintergrund*) zwischen 14 und 17 Jahren im gesamten Bundesgebiet. Erstmals wurden in diesem Jahr auch die 18 bis 25 zu ihrer Einstellung und ihrem Verhalten zu Fragen der Sexualität und Verhütung interviewt.
Ergebnis: Die Jugendlichen haben nicht (wie es manchmal den Anschein haben mag) immer früher Sex. Auch das Verhütungsverhalten der Jugendlichen entwickelt sich weiter positiv! Die von der Presse auch als „Generation – Porno“ bezeichnete Generation von Jugendlichen scheint sich eher auf konservative Werte zu berufen.

Sex vor dem 14. Geburtstag ist und bleibt die absolute Ausnahme unter den Jugendlichen in Deutschland. Im Alter von 17 Jahren haben 2015 mehr als die Hälfte der Jugendlichen bereits ihre ersten Erfahrungen gemacht. Bis zum Ende des 19. Lebensjahres haben 90 Prozent der jungen Frauen ihr erstes Mal bereits hinter sich. Einen Unterschied gäbe es hier bei der Herkunt: Frauen mit ausländischen Wurzeln sind etwas später dran. Mit 21 Jahren haben zwei Drittel von ihnen Sex gehabt. Als Ursache werden auch sozialisationsbedingte Moralvorstellungen (28 Prozent „Kein Sex vor der Ehe“) angegeben. Bei den Mädchen deutscher Herkunft wollen nur 4% bis zur Ehe warten. Gerade bei jungen Mädchen spiele auch die Angst, „dass die Eltern davon erfahren“ eine große Rolle. Diese Angst verliert mit zunehmenden Alter jedoch an Bedeutung. Der Hauptgrund für Zurückhaltung in Sachen Sex sei bei den meisten Jugendlichen der fehlende Partner. Eine Beziehung ist dem Großteil der Befragten wichtig für das erste Mal.
Die jungen Herren sind bei ihren ersten Erfahrungen im Durchschnitt 2 bis 3 Jahre älter als die Damen.
Insgesamt seien die Jugendlichen auch offener für Bi- und Homosexualität. Knutschen mit dem gleichen Geschlecht sei für einen Teil kein Problem mehr, sich in Sachen Orientierung „festzulegen“ hingegen schon. Bestehen bleibt der Trend zur festen Beziehung. Forscher sehen darin einen Retro-Trend, den Willen es besser zu machen als die Elterngeneration, die von unbeständigen Beziehungen und Ehen geprägt sei (Berliner Morgenpost).

Eine eindeutig positive Tendenz verzeichnet die Studie beim Verhütungsverhalten. Über 90 Prozent der sexuell aktiven Jugendlichen gaben an, mit ihrem Partner oder der Partnerin über Verhütung zu sprechen. Insgesamt informieren sich viele Teenies vor ihren ersten Erfahrungen.
Heute haben „nur noch“ 6 Prozent der Jungen und 8 Prozent der Mädchen ihr erstes Mal ohne Verhütung. 1980 waren es noch 29 bzw. 20 Prozent! Ein sehr positiver Trend, der sich hoffentlich fortsetzt. Aber auch beim Verhütungsverhalten belegt die Studie kulturelle Unterschiede: So liegt die Zahl des gänzlich ungeschützten ersten Males bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei 10 Prozent. Aber auch hier gibt es sehr positive Entwicklungen: 2005 lag der Wert  noch bei 34 Prozent!

Tomizak / pixelio.de

Tomizak / pixelio.de

Insgesamt bleibt das Kondom das Verhütungsmittel Nummer 1 beim ersten Mal. 73Prozent der Jugendlichen gab dies an. Ein Großteil der Mädchen nimmt schließlich die Pille (Dazu kürzlich: Pillenreport 2015). Andere Verhütungsmittel sind eher unbedeutend.

Das Elternhaus spielt in Sachen Aufklärung heute eine wichtige Rolle. Auch zeigen sich deutliche Unterschiede bezüglich der Herkunft. 63 Prozent der Mädchen und 51 der Jungen deutscher Herkunft gaben ihre Eltern als zentrale Beratungsinstanz in Sachen Verhütung an. Bei Familien mit nichtdeutschem Hintergrund suchen nur 41 Prozent der Mädchen und 36 Prozent das Gespräch mit den Eltern.
Eine große Rolle kommt auch der Schule zu. Im Schnitt gaben 93 Prozent der Jugendlichen an, dass sie in der Schule aufgeklärt wurden. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund seien Lehrkräfte wichtige Bezugspersonen, weil ihnen vielfach die Eltern als Ansprechpartner fehlen. Der flächendeckende Sexualkundeunterricht ist nach Ansicht der Kinder- und Jugendärztin Thaiss auch der Hauptgrund für die „erfreulichen Ergebnisse“.

Überraschen euch die Ergebnisse?

*Damit sind in der Studie Jugendliche gemeint, „die selbst nicht die deutsche Staatsangehörigkeit haben oder bei denen mindestens einer der Elternteile bei der Geburt nichtdeutscher Staatsangehöriger war.“(BZgA)

Quellen und Links zum Weiterlesen:
BZgA: Pressemitteilung „Jugendsexualität 2015“
Süddeutsche Zeitung: So lieben und verhüten Jugendliche
Berliner Morgenpost: Jugendliche besinnen beim Thema Sex auf alte Werte

Shell – Jugendstudie 2015: Was die Jugend heute bewegt

Shell – Jugendstudie 2015: Was die Jugend heute bewegt

Heute wurde in Berlin die aktuelle Shell – Jugendstudie vorgestellt. Sie wird seit 1953 alle drei bis fünf Jahre durchgeführt und wird immer wieder als Beleg herangezogen, wenn es um die Frage geht wie die deutsche Jugend heute „tickt“. Ihre Lebenssituation, ihre Einstellungen und Orientierungen sind das zentrale Thema des standardisierten Fragebogens, den von Januar bis März diesen Jahres über 2.500 Jugendliche zwischen 12 und 25 Jahren aus dem allen deutschen Bundesländern ausgefüllt haben.

Professionell begleitet wurde die Shell-Studie durch das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest, Forscher der Universitäten Bielefeld und Dortmund sowie der privaten Hertie School of Governance in Berlin. Shell finanziert die Studie seit mehr als 60 Jahren um  „[…] mit seinem Engagement für die Jugendforschung seine Bereitschaft, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen“ zu signalisieren. (dt. Geschäftsführer der Shell Holding GmbH, Dr. Blauwhoff)

Die junge Generation befindet sich im Aufbruch. Marken – oder Produktboykott, Demonstrationen und Petitionen (alles erleichtert durch den Zugang zum Internet) sind für einige Jugendliche heute fester Bestandteil des Alltages. Die aktuellen Entwicklungen (Ukraine-Konflikt, Syrien-Krieg) führen auch dazu, dass immer mehr junge Leute ihr Interesse an Politik entdecken.  Die Sorge um Ausländerfeindlichkeit un Terror hat zugenommen, die Offenheit für Zuwanderer aber auch. 82 Prozent der Jugendlichen ist es wichtig, „die Vielfalt der Menschen anzuerkennen und zu respektieren“. (Zitat Shell-Studie) So sinkt die Zahl der Jugendlichen, die angeben ein Problem mit Homosexuellen zu haben weiterhin auf „nur noch“ 12 Prozent (2010:15).

Ein Auszug der Ergebnisse:

  • 61 Prozent der Jugendlichen blicken optimistisch in die Zukunft. Leider zeichnet sich in diesem Punkt die Spaltung zwischen Jugendlichen aus der Oberschicht und denen aus „sozial benachteiligten Schichten“ (SZ) deutlich ab.
  • 75 Prozent erwarten, dass sie ihre Berufswünsche verwirklichen können.

    Quelle: Marvin Siefke / pixelio.de

    Quelle: Marvin Siefke / pixelio.de

  • 90 Prozent wollen einen Job, bei dem auch Zeit für eine Familie und Kinder bleibt. 75 Prozent möchten in Teilzeit arbeiten, wenn sie selbst Kinder haben.
  • 64 Prozent wünschen sich Kinder (2010: 69 Prozent). Der Kinderwunsch ist bei den männlichen Jugendlicher stärker zurückgegangen als bei den weiblichen.
  • Fast drei Viertel würden ihre Kinder so erziehen, wie sie selbst erzogen wurden. Dieser Wert nimmt seit 2002 stetig zu.
  • Freunde, Partner und Familie stehen bei den Jugendlichen an erster Stelle: 85 Prozent finden es besonders wichtig einen Partner zu haben, dem sie vertrauen können. (Freunde: 89 Prozent, Familie 72)
  • 99 Prozent der Jugendlichen haben Zugang zum Internet und sind durchschnittlich 18,4 Stunden pro Woche online. (2006: <10 Stunden). Das mobile Internet ist für die Jugendlichen unverzichtbar.
  • zwischen online und offline Aktivitäten wird kaum noch unterschieden
  • Der Großteil gibt an, vorsichtig mit seinen Daten in den bekannten Netzwerken umzugehen. 83 Prozent der Jugendlichen sind bei Facebook registriert. Von den verbliebenen 17 Prozent soll der Großteil unter 14 Jahren und damit „einfach noch nicht dabei“ sein.
  • Fast zwei Drittel geben an, dass es ihnen (deutlich oder zum Teil) Spaß macht, im Internet Kontakte zu knüpfen.

Überraschen euch die Ergebnisse? Bestätigen sie den Eindruck, den ihr von den jetzigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter 25 habt?
Was sagen die, deren Einstellungen und Orientierungen die Studie präsentieren soll? Trifft sie eure Lebenssituation?
Findet ihr den Ausdruck „Generation im Aufbruch“ gerechtfertigt?

Wer sich genauer zu den Ergebnissen in den anderen Teilbereichen informieren möchte, kann das mit Hilfe der folgenden Links tun:

Quellen und Links zum Weiterlesen:
17. Shell Jugendstudie: eine Generation im Aufbruch (13.10.2015)
Presseportal: 17. Shell Jugendstudie
Frankfurter Allgemeine Zeitung: Gar nicht mehr so unpolitisch (13.10.2015)
Süddeutsche Zeitung: Das Smatphone ist das halbe Leben (13.10.2015)

 Bildquelle (Titelbild): FranziH  / pixelio.de
Pillenreport 2015

Pillenreport 2015

Eine aktuelle Studie („Pillenreport“) der Techniker Krankenkasse (TK) und der Uni Bremen kritisiert den Wandel der Pille vom Verhütungsmittel zum Lifestyleprodukt. Auch die gezielte Werbung der Pharmaindustrie in den sozialen Netzwerken wird vom TK Vorsitzenden und im Pillenreport scharf kritisiert. Die „Kostenloskultur“ im Internet trage auch dazu bei, dass Hersteller Werbung setzen können ohne das diese vom Konsumenten groß hinterfragt wird.

Quelle: Pillenreport/ Techniker Krankenkasse

Grafik: Pillenreport 2015 / Techniker Krankenkasse

Nachgewiesen wurde, dass die Pillen der zweiten Generation genauso sicher verhüten, wie die Produkte der dritten und vierten Generation, dabei aber ein geringeres Thromboseriskiko mit sich bringen. Trotzdem werden vor allem die Pillen der letzten zwei Generationen in Deutschland von ca. 7 Millionen Frauen in Deutschland eingenommen. Unter den 16-19 jährigen Mädchen nehmen ca. 60% die Pille. Bei den Mädchen unter 16 seien es ca. 7% und das nicht zur Empfängnisverhütung!

Auch in den Threads auf PL fällt in den letzten Jahren immer wieder auf, dass gerade junge Mädchen eine Pille nehmen wollen, die die Haut schöner und die Brüste größer macht. Vernachlässigt wird dabei oft das Thromboserisiko, das zu Schlaganfällen, Lungenembolien und im schlimmsten Fall auch zum Tod führen kann. Studien zu folge ist das Thromboserisiko der dritten Generation auf neun bis zwölf Embolien pro 10.000 Frauen und Jahr erhöht und damit um das 1,5- bis zweifache höher als bei Pillen der zweiten Generation. Auch die Pillen der sogenannten vierten Generation haben Studien zufolge ein ähnliches Risiko. Junge, gesunde Frauen mit Normalgewicht, die nicht rauchen, hätten nichts zu befürchten. Frauen, die rauchen und übergewichtig sind, zählen zur Risikogruppe und müssten (nicht nur von ihrem Frauenarzt) über diese Gefahr des Venenverschlusses aufgeklärt werden. Gerade sie sind besonders gefährdet!

Eine dänische Studie, aus dem Juni 2015, sieht einen Zusammenhang zwischen Hormongabe und der Herausbildung von Gliomen (Hirntumoren). Frauen, die mit einer Minipille verhüten, hätte ein leicht erhöhtes Risiko für diese Hirntumore. Weitere Studien sollen das jetzt prüfen und nachweisen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) weist in regelmäßigen Abständen auf die Risiken der modernen Antibabypillen hin. So wird vor allem Erstanwenderinnen und Frauen unter 30 Jahren empfohlen Pillen mit geringerem Thromboserisiko zu verordnen.

Auch der Pillenreport kritisiert die aktuelle Verschreibungspraxis. Marketing (auch über soziale Netzwerke), die bunte Aufmachung und die Präsenz  in den deutschen Frauenarztpraxen würden dazu führen, dass meist die neuen Generationen verschrieben werden, obwohl sie ein höheres Risiko bergen.

Die Pille ist eine der Ursachen, warum viele Frauen heute frei und unbeschwert ihre Sexualität ausleben können. Sie ist aber keines Falls ein Bonbon oder gar ein Lifestyleprodukt, dass jeder „einfach mal so“ nehmen sollte. Über mögliche Nebenwirkungen, abseits der Thrombose, gibt es auf PL mehr als genug Threads. Libidoverlust und Stimmungsschwankungen sind nur zwei der dort immer wieder auftauchenden Probleme. Trotzdem ist die Pille für viele Frauen die perfekte Verhütung und das kann auch gerne so bleiben. Ein bisschen mehr Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen (nicht nur von Apotheker 😉 ), kann aber mit Sicherheit auch nicht schaden. Gerade wenn man bedenkt, wie viele junge Mädchen bereits die Pille nehmen.

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Grafik: Pillenreport 2015/ Techniker Krankenkasse

Welche Erfahrungen habt ihr mit der Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen gemacht?
Haben eure FAs euch umfassend aufgeklärt?
Habt ihr euch bei der ersten Verschreibung gut beraten gefühlt?
Wurden euch verschiedene Produkte angeboten oder nur eins?

Quellen und Links zum weiterlesen:
Techniker Krankenkasse – Pillenreport 2015
nTV – Pillenreport warnt vor Thromboserisiko
Pharmazeutische Zeitung – Studie findet leicht erhöhtes Risiko

Bildquelle:
Grafiken: Pillenreport 2015/ Techniker Krankenkasse