TV-Tipp: „Sugardaddy – Suche Jugend, biete Geld“ (Doku)

TV-Tipp: „Sugardaddy – Suche Jugend, biete Geld“ (Doku)

Auf den roten Teppichen dieser Welt sind Paare mit großem Altersunterschied normal. Viele ältere Schauspieler schmücken sich mit hübschen jungen Kolleginnen. In der Presse sind diese Bilder Normalität geworden. Kritisch beäugt werden andere „Prominente“. Den Beziehungen von Hugh Hefner und seinen Playboy-Bunnies (um nur ein Beispiel zu nennen) werden immer wieder andere Motive als die ganz großen Gefühle nachgesagt. Ist auch er im Prinzip nicht nur ein Sugardaddy?

Wie funktioniert das Prinzip dieser Beziehungen beim normalen Bürger?

Wenn man in der Fußgängerzone ältere Herren mit augenscheinlich sehr viel jüngeren Damen sieht, schweifen die Gedanken schnell in die bipolare Überlegung zwischen „Vater und Tochter oder Sugardaddy und Betthäschen?“ oder „Die bekommt doch sicher Geld von dem!“. Aufgelöst werden diese Gedanken von Passanten wohl nur in wenigen Fällen.

Hinter eben solchen Überlegungen stecken in vielen Fällen Vorurteile. In den wenigsten Fällen handelt sich dabei wohl um wirkliche Sugardaddy und Sugarbabes, denn die haben stets einen (mehr oder weniger offenen) finanziellen Hintergrund: Zeit, Begleitung und Sex im Tausch gegen Geld, Geschenke und Reisen.
Das ZDF hat Anfang Februar eine Doku zu eben dieser Thematik ausgestrahlt. 37 Grad begleitet Sugarbabes und (werdende) Sugardaddys beim Kennenlernen und gibt einen Einblick in die Beweggründe.

Wo liegt die Grenze zwischen Sugardaddy-Sugarbabe-Beziehungen und Prostitution?  In beiden Konstellationen geht es um ein Tauschgeschäft, das auf der Schönheit und dem Körper junger Frauen basiert. Auch dazu äußern sich die Protagonisten.

Sehen könnt ihr die 30 minütige Dokumentation in der ZDF-Mediathek.

 

Quellen und Links zum Weiterlesen:
ZDF: Sugardaddy
t-online: Wie sich ältere Männer Jugend und Sex erkaufen
Die Welt: Sugardaddys – Der Deal mit der Frau als Accesoire

TV-Tipp: „Aus der Haut“ (Spielfilm)

TV-Tipp: „Aus der Haut“ (Spielfilm)

Die ARD zeigt gleich um 20:15 ein Familiendrama (Eigenproduktion). In „Aus der Haut“ geht es um.d.en 17-jährigen Milan. Er betrinkt sich, nimmt mit 1,7 Promille im Blut das Auto seines Vaters, rast durch die Stadt und überschlägt sich damit. Der scheinbare Unfall im jugendlichen Leichtsinn entpuppt sich als Selbstmordversuch des Teenagers.

Ganz einfach hatten Susann und Gustav es nie mit ihrem Sohn. „Anstregend“ und „unbrechenbar“ sei er wegen seinem ADS gewesen. Vor dem Unfall scheint sich Milan gefangen zu haben. Die Mutter konnte die lange ruhende Karriere wieder aufnehmen, macht sich selbstständig. Der Vater fühlt sich in seinem Job plötzlich unterfordert. Das über Jahre funktionale Familiengefüge beginnt zu wackeln.

Der Grund für den Selbstmordversuch bleibt den Eltern zunächst verborgen: Milan ist schwul. Milan hatte angetrunken seinen besten Freund geküsst. Dieser war entsetzt, Milan am Boden zerstört und zutiefst verunsichert. Die ( leider berechtigte) Angst vor der Reaktion in der Schule und die Unsicherheit über seine eigene sexuelle Orientierung ist groß. Der Autounfall ist eine Aktion aus purer Verzweiflung.
Milan versucht sich selbst zu finden. Er beginnt schließlich eine Affäre mit einem älteren Mann, offenbart sich seinen Eltern. Die reagieren scheinbar cool, treffen in der Folge aber Entscheidungen, die die Familie aufs Spiel setzen, während Milan versucht den Weg zu sich selbst zu finden.

Trailer:

„Er ist allerdings dennoch die seit Langem wahrste und berührendste Fernseherzählung eines Coming-outs. Ein peinigender Blick ins Innere der Scheinliberalität. Und ein annähernd komplettes Kompendium aller Verhaltensweisen und Sätze, die man sich als Eltern sparen sollte. Seit Jahrzehnten.“ (Die Welt)

„Viel früher als in der Dramaturgie von solchen TV-Filmen üblich erzählt Milan seinen Eltern von seiner Homosexualität. Eine starke Entscheidung, denn so schafft es der Autor, mehr als nur ein Coming Out eines 17-jährigen zu erzählen.[…] Ein reifer Film, der auf vielen Ebenen gut funktioniert. Merlin Rose spielt den jungen Milan wunderbar energisch.“ (Frankfurter Rundschau)

Eckdaten:
TV-Familiendrama
Deutschland/Österreich 2016
Dauer: 90 Min.
Erstausstrahlung 9. März 2016 20:15 Uhr
In der Ard Mediathek bis: 09.06.2016
Quellen und Links zum Weiterlesen:
daserste.de:  Aus der Haut
Die Welt: Mein Sohn ist schwul. Na und? Hauptsache gesund!
F
rankfurter Rundschau: Mit aller Wucht

Beitragsbild: RainerSturm  / pixelio.de

Serien-Tipp: Secret Diary of a Call Girl

Serien-Tipp: Secret Diary of a Call Girl

„Der Kunde ist König!“ erhält in dieser Serie eine ganz neue Bedeutung. Denn hier wird das Mantra so mancher Branche zur Realität!

Belle de Jour ist eine Dame für die ganz besonderen Stunden der Londoner Herren. Diese Stunden, in den Edel-Hotels der britischen Hauptstadt, lässt sie sich entsprechend gut bezahlen. Sie bezeichnet sich selbst u.a. als „Edel-Escort“, scheut sich aber nicht das Wort „Hure“ in den Mund zu nehmen. Sie scheut sich auch nicht davor, die noch so merkwürdig anmutenden Wünsche ihrer Kunden zu erfüllen und legt sich dabei voll ins Zeug. Das führt im Laufe der Serie zu nicht nur einer eher witzigen als erotischen Szene. Belle liebt ihren Job. Sie liebt das Geld und den Sex.
Der Zuschauer begleitet Belle de Jour dabei nicht nur zu den Kunden. Auch die umfangreiche Vorbereitung vor „einem Termin“, und die Gespräche mit Chefin und Kolleginnen haben ihren festen Platz in der Serie.
Ihr Privatleben trennt Belle kategorisch von ihrem Job. Dann ist sie als Hannah für ihre nichtsahnenden Freunden und Familie eine Sekretärin. Natürlich bringt das Doppelleben so einige (für den Zuschauer äußerst unterhaltsame) Verwirrungen und Herausforderungen mit sich, die Belle dem Zuschauer mit Witz und so manchen Anekdoten näher bringt. Dabei besticht die Serie durch die ansprechende Inszenierung der „Kundenkontakte“, die trotz der Thematik und der relativ eindeutigen Bilder nicht billig erscheinen oder nach Porno aussehen.

 

Billie Piper, die so manchem noch von „Doctor Who“ bekannt sein dürfte, verkörpert Hannah/Belle mit koketten Blicken und einer vielseitigen Garderobe.

Die Serie, die auf einen Blog von Brooke Magnanti und dem späteren dazugehörigen Buch basiert, umfasst vier Staffeln mit je acht Folgen (ca. 23 Minuten). Sehen kann man alle vier Staffeln aktuell kostenlos unter anderem auf Amazon Prime oder Myvideo. Auch Netflix, Maxdome und iTunes bieten die Serie an. Auch Sixx strahlte die Serie seit 2013 aus.

Serien-Tipp: Masters of Sex

Serien-Tipp: Masters of Sex

Masters of Sex – Von Zweien die auszogen, den Sex zu erforschen

Ihr habt es geahnt oder befürchtet: hinter dem zugegeben reißerisch klingenden Titel verbirgt sich weder eine filmische Ehr-Erweisung an die größten Pornodarsteller(innen) aller Zeiten, noch erwarten den geneigten Zuschauer olympische Bettsport-Wettkämpfe oder Superhelden mit horizontalen Spezial-Kräften– Sorry. Die von der Kritik hoch gelobte Fernsehserie Masters of Sex erzählt viel mehr die auf echten Personen und wahren Ereignissen basierende Geschichte des Gynäkologen Dr. William H. Masters und seiner Assistentin Virginia E. Johnson, die seit der Veröffentlichung ihrer auf jahrelangen Laboruntersuchungen basierenden Studie „Human sexual response“ im Jahre 1967 zu den bedeutendsten Pionieren der Sexualforschung zählen.

Also erklärt der schlaue Dr. Masters der prüden, damaligen Gesellschaft, seiner Assistentin und uns den Sex?

Nicht so ganz: wir begeben uns mit ihm auf die Forschungsreise. Und stellen schnell fest, dass auch er selbst noch einiges an Aufklärungsbedarf hat: So zeigt die von John Madden (Shakespeare in Love) inszenierten Pilotfolge, wie Masters, nachdem er – konzentriert Daten des Aktes und der körperlichen Reaktionen notierend – die Prostituierte Betty beim Beischlaf mit einem unwissenden Freier beobachtet hat, aus allen Wolken fällt, als sie ihm mitteilt, dass ihr Orgasmus nur vorgetäuscht war. Und auch der Versuch, mit seiner Frau ein Kind zu zeugen erinnert mehr an den Ablaufplan eines vorher durchgerechneten Experiments, als an Leidenschaft. Er ist nicht nur Wissenschaftler, er ist ein Kind einer anderen Zeit. Über Sex wusste man damals wenig, das was man wusste, war von Männern diktiert. Frauen, so dachte man(n), seien gar nicht in der Lage, ohne Zutun des Mannes eigenes sexuelles Begehren zu entwickeln. Es war fast unmöglich, sich als Frau zu einem Thema wie Sex Gehör zu verschaffen.

Der verkopfte, mehr als überzeugend von Michael Sheen gespielte Masters ist zu Beginn seiner Forschungen also vielleicht ein Meister der Statistiken und Laborauswertungen – wirkliches Verständnis für Sex, das was er abseits physiologischer Reaktionen bedeutet und bedeuten kann, oder weibliche Sexualität, die als damals nahezu völlig „unerforschtes Gebiet“ eine besondere Bedeutung für die Serie inne hat, hat er aber nicht. Dieses Verständnis vermittelt ihm nach und nach seine, wunderbar lässig und selbstbewusst von Lizzy Caplan dargestellte Forschungsassistentin Virginia E. Johnson, die mit ihrer weiblichen Perspektive und als emotionaler Gegenpol zu Masters schnell zu einer unverzichtbaren Partnerin bei seinen gegen alle Widerstände seiner Zeit durchgeführten, innovativen Studien wird – und bald auch das Privatleben von Kontrollfreak Masters gehörig durcheinanderwirbelt. Wie das mit dem Sex so ist – so ganz von Emotionen getrennt betrachten kann man ihn dann doch selten. :zwinker:

Eine Dramaserie über zwei Sexualforscher in den prüden 50er und 60er Jahren also. Und dann auch noch aus den nicht unbedingt für natürlichen öffentlichen Umgang mit dem Thema Sex bekannten Land des Nipplegates, in dem Nackt- und Sex-Szenen ihr hochglänzendes Dasein hauptsächlich als dramaturgisch meist nutzloses Verkaufsargument für Pay-TV-Abos fristen.

Was ist nun Masters of Sex? Heiße Erotik? Prüdes Drama? Und kann das überhaupt irgendwie gut gehen?

Es kann – und das nur nicht nur aufgrund der makellosen, grandios ausgestatteten und gefilmten Oberfläche, die den Zuschauer in ihrer Detailverliebtheit ähnlich stilbewusst wie „Mad Men“ in eine andere Zeit entführt. Der sicher nicht prüden Serie des Pay-TV-Senders Showtime gelingt das Kunststück, die durchaus zahlreich vorhandenen, ebenso expliziten wie ästhetisch anspruchsvoll gefilmten Sex-Szenen nicht zum voyeuristischen Selbstzweck verkommen zu lassen –Sex ist hier sowohl wissenschaftliches Forschungsobjekt als auch Produkt menschlicher Bedürfnisse, erzählt auch in den teils sinnlichen Bildern doch immer Relevantes. So schafft es Masters of Sex, seine starken Charaktere und Themen immer im Blick zu behalten und aus unterschiedlichen, für unsere Sehgewohnheiten teils ungewöhnlichen Perspektiven zu beleuchten. Und damit meine ich jetzt nicht den Blick durch den von Masters erfundenen Dildo mit integrierter Kamera, mit dem er erstmals die physiologischen Reaktionen innerhalb der Vagina während eines Orgasmus auf Film bannte und wohl dank der Serie aktuell auch von der Sextoy-Industrie als Geschäftsidee entdeckt wurde. :zwinker:

Was an der Oberfläche wie eine leichte, mit etwas Humor angereicherte Dramaserie erscheint, manchmal ein wenig spannungsarm wirkt und in schwächeren Momenten schon auch mal Erinnerungen an „gewöhnliche“ Krankenhausserien und Edel-Soaps weckt, lebt also nicht nur von seinen starken Darstellern, toller Inszenierung, teils skurrilen Forschungssituationen und reichlich nackter Haut, sondern hauptsächlich von den Widersprüchen und der Ironie, die beim Einblick in eine andere, von Männern dominierte, prüdere Ära entstehen. Von den verschiedenen Blickwinkeln auf die Themen Liebe und Sex. Und von den zu ihrer Zeit bahnbrechenden Forschungsergebnissen von Masters & Johnson, die bereits damals mit manch heute noch präsentem Sex-Mythos (wie zum Beispiel, dass der klitorale Orgasmus nur ein minderwertiger Orgasmus zweiter Klasse sei) aufräumten – und den Zuschauer manches Mal vermuten lassen, dass auch unsere für manchen so aufgeklärt und offen wirkende Welt vielleicht doch noch ab und an ein einiges an Aufklärung und ein wenig mehr Offenheit beim Austausch über Liebe und Sex nötig hat.

Wie gut, dass es unser Forum gibt! 😉

Kurz: Masters of Sex ist ein echter Tipp. Nicht nur für unsere foreneigenen, Umfragen-erstellenden Sexualforscher, sondern ganz allgemein für Drama-affine Serien-Gourmets mit Interesse an den Themen Liebe und Sex.

Reinschauen lohnt sich!

Deutscher Trailer:

Die ersten beiden Staffeln von Masters of Sex sind bei Amazon als Teil des Prime-Abos verfügbar – Staffel 1 gibt es im Abo auch bei Watchever und Sky Go. Die dritte Staffel hat am 16.01. ihren Deutschlandstart auf Sky Atlantic.