Vor einer Woche verbreitete sich die Einladung zum „Workshop für Arschficker_Innen und die, die es werden wollen“.  Veranstalter war die Studierendenvertretung der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln. Geplant war der Workshop am 3. Juni in der Zeit von 17-21 Uhr. In der Facebook-Einladung wurde der genaue Veranstaltungsort noch nicht bekanntgegeben, dafür aber die Intention hinter der Veranstaltung: „Während der größte und kräftigste Muskel des Menschen gemeinhin ‚Allerwertester‘ genannt und als Sitzgelegenheit gebraucht wird und man sich auch meist täglich der Entleerung des Darms hinwendet, haftet dem Arsch als erogene Zone und Fickgelegenheit immer noch das Tabu, der Schmutz, der Schmerz an“. Der Umgang mit Tabus, Verboten, die Wissensvermittlung um Tipps und Tricks „zur lustvollen Verwirklichung sexueller Phantasien und Wünsche“ sollten im Fokus der Veranstaltung stehen.

Screenshot Veranstaltungseinladung Facebook (https://www.facebook.com/events/237473346619548/)

Screenshot Veranstaltungseinladung Facebook (https://www.facebook.com/events/237473346619548/)

Worum sollte es genau gehen?
Wer nun glaubt, bei so einer Veranstaltung in eine Orgie zu geraten, wurde direkt auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Die Studierendenverwaltung stellte klar, dass weder Kondome noch Gleitgel mitzubringen sind, da im Workshop kein sexuellen Handlungen vollzogen werden. Vielmehr sollen die maximal 12 Teilnehmer in kleinen Gruppen über die wesentlichen Fragen des Analverkehrs diskutieren: Welche Hilfsmittel kann man nutzen? Was muss anatomisch beachtet werden? Wie sprechen wir über Analverkehr? Wer fickt hier eigentlich wen? u.v.m.
Eingeladen sind auch Nicht-Studierende. Grundsätzlich sollte die Veranstaltung Erwachsenen jeglicher sexueller Orientierung offen stehen.

 

Was zunächst noch so offen und kommunikativ klang, wurde wenige Stunden später wieder abgesagt. Die Studierendenvertretung der Uni Köln hat die Veranstaltung absagen lassen.

Als sich die Einladung in der Lokalpresse, bei einem Blogger und in der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ verbreitete, erhielt die Uni Köln Presseanfragen.
Der Studierendenausschuss der (eigentlich organisierenden) Fakultät ruderte zurück und sagte die Veranstaltung ab. In der dazugehörigen Pressemitteilung entschuldigte sich die Studierendenvertretung für die gewaltvolle und pornografische Sprache in der Einladung, die von einigen Menschen als „verletzend und übergriffig“ bezeichnet worden war. Die Fakultät hätte bei der Werbung für die Veranstaltung die Verwendung der stark sexualisierten Sprache und deren Wirkung zu wenig bedacht. Das eigentliche Anliegen, den Ausbau der Sexualpädagogik an der Uni-Köln, sei damit nicht erreicht worden. Die Fakultät sei, durch den unbedachten Sprachgebrauch, ihrem Wunsch nach positiver Kommunikation bezüglich Sexualität und vielfältigem Begehren nicht gerecht geworden.
Die Univerwaltung selbst hat übrigens nichts gegen den Workshop gehabt.

Wer sollte das Seminar überhaupt durchführen?
Leiten sollte den Workshop Marco Kammholz, der diese Seminarkonzeption am Insitut für Sexualpädagogik (ISP) entwickelt hat. Es soll ein Bestandteil der Fortbildung zum Sexualpädagogen sein. Das ganze ist also durchaus (sexual)wissenschaftlich fundiert und kein „Schmuddel-Seminar“. Mit Humor, Fachwissen und spielerischen Methoden sollten die Teilnehmer miteinander ins Gespräch über Analverkehr kommen. Er ist enttäuscht über die Absage und verweist gegenüber queer. de auch auf das begrenzte deutsche Sprachrepertoire für Sexualität. Dass der Titel den Begriff „Arschficker_Innen“ verwendet, sei eine bewusste Entscheidung gewesen, die aufrütteln und die repressive Sexualmoral entlarven sollte. „Hinter dem Vorwurf, dieser Begriff sei „gewaltvoll und pornographisch“ und dadurch „verletzend und übergriffig“ verbirgt sich meiner Meinung nach ein reaktionäres und gefährlich ungenaues Verständnis von Sexualität und Intimität – sichtbar wird dabei die Vorstellung einer „richtigen“, sauberen, provokations- und widerspruchsbefreiten Sexualität – in einer Öffentlichkeit, die wiederum frei von Widersprüchen und Konflikten sein soll.“ (Kammholz auf queer.de „Arschficken gegen Rechts“ am 18.05.2016)

Auf Facebook kann man übrigens immer noch an der Veranstaltung teilnehmen.

Findet ihr so ein Seminar an einer Universität unpassend?
Was haltet ihr von der Absage und der Begründung? 
Ist die deutsche Universitätslandschaft noch zu prüde für solche Veranstaltungen?

Quellen und Links zum Weiterlesen:
queer. de: Erstes Analverkehr-Seminar an der Uni-Köln
queer.de: Uni Köln: Prüde Studierendenvertretung sagt Analsex-Workshop ab
S
tAVV der Uni Köln (Humanwissenschaftliche Fakultät): Stellungsnahme der Studierendenvertretung der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln vom 13.05.2016
q
ueer.de (Marco Kammholz): Arschficken gegen Rechts.
queer.de: Analverkehr- Workshop erregt AfD und FDP